Im März vermeldete Gaildorfs Zukunftswerkstatt einen Teilerfolg in ihrem Bemühen, den Zugverkehr am Westbahnhof künftig – der Barrierefreiheit wegen – über Gleis 1 abzuwickeln. So sollte für Reisende der Weg durch die stufenreiche Unterführung zu den Gleisen 2 und 3 entfallen.

Als die Bahn einst die Unterführung baute, unterlief ihr ein Planungsfehler: Vom Ausgang aus dem Aufzug war der Mittelbahnsteig nicht zu erreichen. Der Treppenaufgang liegt zwischen dem Aufzugschacht und dem Bahnsteig. Dieser Fehler fiel niemandem auf, auch der Stadt Gaildorf und dem Gemeinderat nicht. Als der neue Bahnsteig dann fertig war, wurde zwischen den Gleisen eine Betonplatte auf den Schacht gelegt, beim Bahnhof verschwand dieser unter Pflastersteinen. Das Thema Aufzug hatte sich damit praktisch erledigt.

Bahnsteig ist zu kurz für sämtlichen Reisezugverkehr

Das Thema barrierefreier Zugang allerdings nicht. Die Idee der Zukunftswerkstatt – alle Reisezüge über Gleis 1 fahren zu lassen – ließ sich dann aber nicht in der von den „Werkstättern“ gewünschten Form umsetzen. Die Deutsche Bahn AG als Netzbetreiber und das Verkehrsministerium wiesen darauf hin, dass die Bahnsteiglänge mit ihren 96 Metern zu kurz ist für die teilweise mit zwei Triebwagen fahrenden Züge der Relation Hessental – Stuttgart, für die Doppelstockzüge Stuttgart – Nürnberg sowieso. Dazu kommt, dass die vom Durchgangsgleis abzweigenden Züge nicht schneller als Tempo 40 fahren dürfen – nicht erst an der Weiche, sondern schon bevor es von Fichtenberg kommend in den Tunnel geht. Beim Ausfahren in Richtung Hessental darf der Lokführer erst „Gas“ geben, wenn sein Zug mit allen Achsen wieder auf dem Durchgangsgleis ist. Umgekehrt gilt dasselbe.

Dies bekam jetzt auch Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann als Antwort, als er bei der Versammlung des Murrtalverkehrsverbands dieses Thema anschnitt.

Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, die die Zug­leistungen des Regionalverkehrs bei Bahnunternehmen bestellt, betonte bei der Sitzung aber, dass sie alles unternehme, was in dem Gesamtangebotssystem auf der Murrbahn möglich sei. Nicht möglich ist es bei den durchlaufenden Zügen der Netze 3a (Stuttgart – Nürnberg) und 3b (Stuttgart – Hessental). Anders verhält es sich bei den in Gaildorf endenden Zügen des Metropolverkehrs der Region Stuttgart. Diese sieben Züge halten am Westbahnhof mit dem Fahrplanwechsel am 9. Juni an Gleis 1. Bei der Zukunftswerkstatt hat man sich über diese bereits im März getroffene Entscheidung gefreut. Von einem Teilerfolg war die Rede.

Bahnsteig an Gleis 1 ist 38 Zentimeter zu niedrig, um barrierefrei zu sein

Doch nun droht die Ernüchterung: Zwar spart man sich bei den Zügen des Metropolverkehrs nach Stuttgart (ab 8.32 Uhr stündlich bis 15.32 Uhr) den Weg durch die Unterführung. Barrierefrei in die Triebwagen geht es allerdings auch nicht: Der Bahnsteig an Gleis 1 hat eine Höhe von 38 Zentimetern über der Schienenoberkante. Die Fußbodenhöhe der Triebwagen ist aber auf das übliche Maß von 76 Zentimetern ausgerichtet. So kommt der Fahrgast bei diesen Zügen zwar ohne Hindernis bis an den Einstieg, doch dann ist ein großer Schritt nötig. So hat man sich dies bei der Zukunftswerkstatt sicherlich nicht vorgestellt.

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Züge und Bahnsteige


Talent 2: Eine vierteilige Einheit des Triebwagens ist 72,3 Meter lang. Die Einstiegshöhe ist 76 cm über Schienenoberkante.

Gleis 1: Der Bahnsteig am Gleis 1 in Gaildorf ist 96 Meter lang und hat eine Bahnsteighöhe von 38 cm.

Gleis 2 und 3: Die Bahnsteige sind 165 Meter lang und 76 cm hoch. jjs