Rund eine Viertelmillion Euro investiert die Stadt Gaildorf in eine neue Kocherbrücke. Sie ersetzt auf dem Kirchenweg zwischen Münster und Unterrot ein 40 Jahre altes Bauwerk. An diesem haben das Wetter und der Zahn der Zeit genagt. Konrad Kronenberg vom Ingenieurbüro Miebach aus Lohmar erläuterte den Stadträten, was sie für ihr Geld nach einer Bauzeit zwischen sechs und sieben Monaten bekommen können. Der Gemeinderat diskutierte am Mittwochabend über die von Kronenberg präsentierten Varianten lebhaft. Nach ein­einhalb Stunden stand dann der finale Beschluss fest. Bei 14 Ja-, 7 Neinstimmen und der Enthaltung von Bürgermeister Frank Zimmermann entschieden sich die Stadträte für die Schwerlastbrücke mit zwölf Tonnen Traglast. Die rund 40.000 Euro teurere 30-Tonnen-Variante fand zu diesem Zeitpunkt keine Mehrheit mehr.

Stadträte führen kontroverse Debatte über die Kocherbrücke

Das hatte während der Beratung einige Zeit anders ausgesehen. Rainer Baumann (CDU) plädierte dafür, gegenüber den Landwirten ein Zeichen zu setzen und in eine Brücke mit 30 Tonnen Traglast zu investieren. Auch sein Fraktionskollege Christian Niebel, der selbst Landwirt ist, sprach sich dafür aus. Baumann war es zudem wichtig, dass das schwere Löschfahrzeug der Feuerwehr aus Unterrot die Brücke nutzen könnte.

Heinrich Reh (FWV) erinnerte daran, dass man nicht nur die Kosten für die Brücke selbst betrachten sollte. Eine verstärkte Konstruktion erfordere auch entsprechend ertüchtigte Widerlager. Diese leiten die auf das Bauwerk wirkenden senkrechten und horizontalen Kräfte in den Boden ab. Reh erkannte ein Kostenrisiko zwischen 80.000 und 110.000 Euro für den Fall, dass eine erhebliche Instandsetzung erforderlich wäre. Das sei schon ein Betrag, „über den es zu reden gilt“.

Margarete John (SPD/Aktive Bürger) erkundigte sich, ob entlang des Kirchenweges Ausweichstellen angelegt werden müssten, wenn über eine Brücke mit 30 Tonnen Tragkraft landwirtschaftliches Großgerät rollen würde. Das war auch ein Punkt, an dem Heinrich Reh wieder einhakte. Er stellte zudem fest, dass sich der Verkehrsweg nicht allein auf städtischem Grund befindet.

30-Tonnen-Variante wird abgelehnt

Matthias Rebel (CDU) meinte, in einer Reaktion auf die plakative Forderung seines Fraktionskollegen Baumann ein Zeichen für die Landwirtschaft zu setzen, dass man auch die finanzielle Situation der Stadt Gaildorf sehen müsse. Für die wirklich schweren, landwirtschaftlichen Fahrzeuge bestünden in zumutbarer Entfernung belastbare Übergänge über den Kocher. „Es geht hier nicht um Existenzen, sondern um wenige hundert Meter“, so Rebel.

Frank Stettner (FWV) wollte endlich zum Punkt kommen und sprach sich für die 30-Tonnen-Variante aus, die für Landwirte gelten sollte. Im Technischen Ausschuss des Gemeinderates sollte man dann über eine Gewichtsbegrenzung für den übrigen Verkehr beraten. Sein Antrag scheiterte jedoch bei 10 Ja-, 11 Neinstimmen und einer Enthaltung.