Gaildorf / Rainer Kollmer  Uhr
Jugendliche informieren sich während der „Nacht der Ausbildung“ bei Firmen im Limpurger Land über die Möglichkeiten, die ihnen nach der Schule offenstehen.

Das Wetter ist gut. Fast zu gut. Bei sonnigen 27 Grad um 17 Uhr ist Berufsorientierung schweißtreibend. Busbegleiter in roten Warnwesten sorgen auf dem Gaildorfer Hallengelände dafür, dass niemand zurückbleibt. Die „Nacht der Ausbildung“ findet in Gaildorf inzwischen zum dritten Mal statt. Carolin Kühner bestätigt, dass das Angebot der Wirtschaftsjunioren Heilbronn- Franken im Vorjahr sehr gut angenommen wurde. Sie hatte damals die Leitung.

In diesem Jahr führen Steffen Schlecht und David Schneider das Projekt an. Eine Gruppe von 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt sie. Der Dialog mit den 14 beteiligten Firmen ist wichtig. Blaue Papierstreifen werden als Teilnahmeausweis an die Handgelenke der Jugendlichen geklebt. Viele Fragen sind zu beantworten. Es gibt drei Bus­linien, die etwa alle 20 Minuten starten und die angehenden Auszubildenden in Richtung Oberrot, Unterrot und Sulzbach-Laufen transportieren. Nur der Weg zum Rathaus mit den Informationsständen von Gaildorf und Oberrot muss zu Fuß zurückgelegt werden.

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Busfahrerin Juliane Daiß von der Firma Hofmann fährt eine der Linien. Sie kennt ihre Haltestellen bei den Firmen Dast und Rommelag vom Vorjahr. „Ich finde das Angebot sehr gut. Es ist allerdings schade, dass die meisten Jugendlichen nur nach Bürojobs fragen“, stellt sie fest. „Eigentlich wäre es schön, wenn das Interesse für alle Angebote da wäre, denn für die Firmen entsteht an diesem Abend ein erheblicher Aufwand.“

Aber natürlich muss auch Interesse da sein. Thomas Schmidt aus Bühlertann hat Tochter Cheyenne und deren Mitschülerin Marzena Wysocka extra aus Bühlertann hergefahren. „Wenn so etwas angeboten wird, dann muss man es auch nutzen“, begründet er sein Engagement als Fahrer seines Elterntaxis. Er bedauert jedoch, dass erst sehr spät über die Ausbildungsnacht informiert worden sei.

Die beiden Mädchen gehen in die achte Klasse. „Man weiß nicht, was man am Ende der Schulzeit machen soll und hier kann man sich mal umsehen“, begründet Cheyenne ihre Neugier. Deshalb wollen die beiden alle 14 Stationen besichtigen. Vielleicht sind ja auch soziale Berufe dabei.

Rommelag Engineering in Sulzbach-Laufen liegt am Ende der Tour ins Kochertal. Ausbildungsleiter Heinz Waldenmaier empfängt die Besucher. Am Eingang duftet es nach Gegrilltem. Kühle Getränke sind bei diesen Temperaturen hochwillkommen. In der geräumigen Ausbildungswerkstatt werden gegenwärtig 60 Lehrlinge für technische Berufe ausgebildet. Elektriker und Mechaniker sind hier beisammen. „Bei der Bewerbung sind uns die Zeugnisnoten in Verhalten und Mitarbeit, aber auch in Mathematik oder Gemeinschaftskunde wichtig“, erläutert Ralf Schwarz als stellvertretender Ausbildungsleiter. Das Freizeitverhalten ist ebenfalls von Interesse.

Auszubildende sollen einem Bericht zufolge von 2020 an im ersten Ausbildungsjahr eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat erhalten. Das deutsche Friseurhandwerk warnt davor.

Eine echte Firmen-Familie

Rommelag-Geschäftsführer Martin Schneider hat in diesem Betrieb vor etlichen Jahren auch seine Ausbildung gemacht. Er sieht Dennis Böhm neugierig über die Schulter. Der junge „Azubi“ hat die Aufgabe, einen komplizierten Elektronik-Bausatz zu montieren. Ihm gefällt vor allem das manuelle Arbeiten. Er kann darauf bauen, dass er nach Ende seiner Lehrzeit als Mitarbeiter übernommen wird. Auch bei den anderen Betrieben spielt eine verlässliche Firmenzugehörigkeit eine wichtige Rolle. Durch die regionale Bindung hat sich so etwas wie eine Firmen-Familie gebildet. Die Identifizierung mit dem Unternehmen ist schon bei den Berufsanfängern spürbar. Auch so etwas kann eine Ausbildungsnacht vermitteln.

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