Uhland kommt! Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker besucht seinen Freund Justinus Kerner in Gaildorf, der hier als Arzt wirkt, und erwandert mit ihm einen Teil des Limpurger Landes … Anno 1815, als das Treffen im Kochertal zustande kam, hätte sicher die lokale Presse darüber berichtet. Doch das Oberamt Gaildorf sollte erst 25 Jahre später eine „eigene“ Zeitung bekommen.

Mitwanderer willkommen

Nun wiederholt sich die Begegnung der Freunde Kerner (1786-1862) und Uhland (1787-1862): Am 30. August werden die beiden Protagonisten der schwäbischen Romantik die Wanderstiefel schnüren und gemeinsam mit Naturparkführerin Michaela Köhler von Gaildorf nach Untergröningen marschieren. Selbstverständlich nicht die leibhaftigen Dichter, sondern – wie schon beim Kerner-Umzug im vergangenen Sommer – Boris Fritz, der in die Rolle Justinus Kerners schlüpft, und Manfred Rapp als Ludwig Uhland.

Die vielseitig heimatkundlich engagierte Michaela Köhler, Nachfahrin Kerners, hatte die Idee zu diesem Projekt. Der Unterschied zu den beiden von ihr mit vielen Laiendarstellern initiierten Kerner-Umzügen 2015 und 2019: Es gibt nicht die Inszenierung eines historischen Ereignisses auf der einen Seite und Zuschauermassen auf der anderen. Vielmehr werden alle an der Geschichte Interessierten eingeladen, mitzuwandern und gemeinsam die Orte aufzusuchen, an denen damals die Dichterfreunde innehielten.

Laut Uhlands Tagebuch-Aufzeichnungen führte die Wanderung am 9. Oktober 1815 das Kochertal aufwärts. Ziele waren die damals arg heruntergekommene Schlosskirche in Schloss Schmiedelfeld mit ihren monumentalen Grabdenkmälern und die Heerbergskirche in Laufen. In dieser entdeckten die Wanderer unter anderem ein Altargemälde, das dem Ulmer Meister Bartholomäus Zeitblom zugeschrieben werden konnte.

Strecke wird noch festgelegt

Nach einem Abstecher zur nahen Ruine Kransberg marschierten Kerner und Uhland weiter nach Untergröningen, wo sie Schloss und Kirche besuchten und anschließend einkehrten. Die beiden letzten Stationen des Tages waren Frickenhofen und Gschwend, wo die Wanderer bei Pfarrer Heinrich Prescher übernachteten. Auf diesen zweiten Abschnitt wird während der „Nachwanderung“ verzichtet, zumal es die beabsichtigte Tour mit mehr als 20 Kilometern Länge und einigen Aufenthalten unterwegs schon in sich hat.

Die genaue Route für den 30. August – für die es keine historische Überlieferung gibt – steht noch nicht fest. Die soll nun während einer Test-Wanderung am kommenden Sonntag ausgearbeitet werden. Wie Michaela Köhler berichtet, ist auch ein Abstecher auf den Altenberg denkbar. Weitere Details sind noch offen. Fest steht jedoch bereits jetzt: Unterwegs gibt es Lieder und Gedichte aus der Feder Kerners und Uhlands.

Der Kerner-Umzug 2019 als Dokumentarfilm


An den Umzug der Familie Kerner von Gaildorf nach Weinsberg anno 1819 erinnerte 200 Jahre später – im Sommer 2019 – ein großes Historien-Spektakel. Naturparkführerin Michaela Köhler hatte dazu das „Drehbuch“ geschrieben und mit Dutzenden von Laiendarstellern die überlieferten Ereignisse in Szene gesetzt. Tausende Zuschauer verfolgten an den verschiedenen Schauplätzen das Geschehen. Wer nicht dabei war, hat nun Gelegenheit, das bunte Treiben als Video anzuschauen: Der Filmemacher Steffen Böhmer hat nämlich im Auftrag von Michaela Köhler den kompletten Umzug dokumentiert und ein mehr als zweistündiges Werk zusammengestellt. Wer Interesse an der Daten-DVD hat, kann sich bei Michaela Köhler unter Telefon 01 60 / 3 55 78 31 melden. kmo