Auch wenn durch manche Diskussion in den sozialen Medien die Stimmung in der Stadt als trostlos skizziert wird: Sie ist es nicht. Und schon gar nicht ist Gaildorf eine Wutbürger-Hochburg. Das geht aus der jüngsten großen Umfrage im Zusammenhang mit der Rundschau-Aktion „Hier sind wir zu Hause“ hervor. Im Gegenteil: Die überwiegende Mehrheit derjenigen Bürgerinnen und Bürger, die sich daran beteiligt haben, ist im Großen und Ganzen mit ihrem Umfeld zufrieden.

Gaildorf bekommt einen guten Notendurchschnitt

In Schulnoten ausgedrückt, gab es für die Stadt sowie für die Einrichtungen des öffentlichen Lebens und die Service-Angebote sogar leicht verbesserte Zensuren als im Zusammenhang mit den im Jahr 2012 ermittelten Zufriedenheits-Werten. Die Zustimmung verbesserte sich von 2,94 auf 2,90. Und der Wohlfühl-Faktor steigerte sich gar von 2,23 auf 2,09 – und hat damit einen kaum zu verbessernden Durchschnittswert erreicht.

Mit der Befragung einher ging auch die Ermunterung potenzieller Teilnehmer, sich zu Detail-Themen zu äußern und Fragen an die Stadtverwaltung zu stellen. Einige der Fragen-Komplexe hat Bürgermeister Frank Zimmermann während des Ortstermins im Floßfest-Zelt bereits im Gespräch mit Rundschau-Redaktionsleiter Jochen Höneß beantwortet.

Weitere Themen, die während der Aktion zur Sprache kamen, drehen sich hauptsächlich um den starken Autoverkehr in der Innenstadt und besonders um zu schnelles Fahren, etwa in der Bahnhofstraße, an Wochenenden bis in die Morgenstunden in der Karlstraße oder in der an der Stadtgrenze für den Verkehr ohnehin gesperrten Eschenau. Gefordert werden auch stationäre „Blitzer“ gegen Schnellfahrer, vor allem auf der Strecke See-/Gartenstraße.

Müll und Bahnhofsklo

Ein anderer Schwerpunkt ist die Vermüllung des Stadtgebiets. Einige Bürger fordern ganz konkret eine „Müllpolizei“ oder Maßnahmen gegen eine Verwilderung von (Privat-) Grundstücken. Auch sollten ihrer Ansicht nach die Straßen – besonders in den Teilorten – öfter gereinigt, öffentliche Grünflächen besser gepflegt werden. Ein Dauerthema ist der desolate Zustand des leerstehenden Westbahnhofs und das Fehlen einer Toilettenanlage.

Destruktive Kommentare

Wenig Kritik gibt es an der Selbstdarstellung der Stadt, familienfreundlich zu sein. Aber dafür sind die Anmerkungen relativ heftig. So sei die Kinderbetreuung – von der Stadt in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich erweitert und optimiert – nicht ausreichend und „relativ teuer“, die städtischen Spielplätze „etwas lieblos“ gestaltet. „Gar nichts getan“ werde für junge Leute – denen die Stadt gerade für teures Geld ein modernes Jugendzentrum einrichtet.

Nicht wenige Anmerkungen drehen sich um Themen wie Ladensterben und fehlende Übernachtungsmöglichkeiten oder Lücken im gastronomischen Angebot. Ungeschminkt destruktiv sind Kommentare gegen das jährliche Stadtmaler-Stipendium, das Gaildorf überregionale Aufmerksamkeit beschert, oder den kostenlosen Service für Wohnmobilreisende. Hier, so ein ausgesprochen missmutiger Kommentar „ist kein touristisches Highlight“. Auch wenn das die Mehrheit der Gaildorfer offensichtlich anders bewertet.

Wie grundverschieden viele Gaildorfer ihre Prioritäten setzen, zeigt ein weiteres, durchaus ernst gemeintes Beispiel: Glücklich wäre offenbar jemand, wenn es am Kocher „eine neue Badestelle für Hunde“ geben würde.

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