Wie ein Fluch scheint das Thema auf der Stadt zu lasten, unkt ein alteingesessener Gaildorfer augenzwinkernd. Und meint ein altes Problem, das sich trotz neuer Technik nicht in den Griff bekommen lässt: die Akustik in öffentlichen Räumen. Manchmal sind die Redner kaum zu verstehen, dann gibt es hin und wieder Summ- und Quietschtöne, „Rückkopplungen“ genannt. Schließlich klagen Besucher von musikalischen Veranstaltungen, das Gehörte klinge in ihren Ohren irgendwie fremd.

Mangelhafte Akustik ist schlecht für die Kommunikation

Matthias Rebel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat, hatte in der jüngsten Ratssitzung das zwar nicht staatstragende, aber doch nicht unwichtige Thema aufgegriffen, und zwar auf den Wurmbrandsaal des Alten Schlosses bezogen. In diesem altehrwürdigen Raum „macht“ das Stadtparlament Kommunalpolitik. Was selbstredend mit Debatten, Stellungnahmen, Reden, Unmutsäußerungen, aber auch Lobeshymnen verbunden ist.

Und weil nicht alle Ratsmitglieder so stimmgewaltig sind, dass sie ohne Hilfsmittel auch im letzten Winkel des Saales noch verstanden werden, hatte die Stadtverwaltung vor Jahren eine Lautsprecheranlage angeschafft – samt Mikrofonen für alle. Diese Anlage funktionierte auch – hin und wieder. Wer etwas zu sagen hatte, musste einen Knopf drücken, um das Mikro zu aktivieren. Wenn mehrere eingeschaltet waren, kam es zu besagten Rückkopplungen. Es gab bisweilen aber auch andere Fehlfunktionen. Die häufigste: Wortbeiträge wurden gar nicht verstanden.

Ob nun menschliches Versagen dem häufigen Ausfall zugrunde liegt oder die Technik für die Größe des Saales nicht ausreichend dimensioniert war, lässt sich nicht mehr verlässlich ermitteln. Denn seit knapp vier Jahren ist die alte Einrichtung durch eine neue ersetzt. Dem Engagement von Ehrenbürger Gerhard Schick ist es nämlich zu verdanken, dass der Wurmbrandsaal nicht nur mit neuem Mobiliar ausgestattet werden konnte, die großzügige Spende ermöglichte auch den Erwerb einer neuen Konferenztechnik.

Wer stellt sicher, dass die Anlage funktioniert?

Die funktioniert tatsächlich – nicht immer. Was Matthias Rebel zu einer ironisch formulierten, aber ernst gemeinten Feststellung veranlasste. Die Stadt verfüge über eine sehr teure gespendete Mikrofonanlage. Sei es da nicht sinnvoll, einen „Generalbevollmächtigten“ zu ernennen? Ziel müsse es sein, „dass das Übertragen von Ton dem Wert der Anlage angemessen ist“. Dafür gab’s Beifall – auch ohne Mikros hörbar. Bürgermeister Frank Zimmermann versicherte, man werde am Thema dranbleiben.

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Abtsgmünd

Doch nicht genug. FWV-Stadtrat Ulrich Stahl erinnerte an ein weiteres, mindestens seit Eröffnung des Gebäudes in den 1950er-Jahren bestehendes Klangproblem: die Beschallung des Schenk-Albrechts-Saales in der Limpurghalle. Während des kürzlichen Konzertabends des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums habe er sich „geschämt, Stadtrat zu sein“. Eine „tolle Halle, ein sehr gutes Konzert und viele Besucher“ – aber eine „schlechte akustische Situation“.

Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn nannte die „Bauform der Halle“ als ausschlaggebend dafür. Denn das Gebäude mit seiner großen Glasfront auf der südlichen Längsseite sei einst als Sporthalle errichtet worden. Der Klang flute von vorne nach hinten und wieder zurück. Im kleineren Kernersaal bestünde dieses Problem nicht. Deshalb riet Ulrich Stahl zu Überlegungen, ob eventuell bauliche Maßnahmen an der Hallendecke für Abhilfe sorgen könnten.

Jemand, der sich auskennt

Was wiederum das auch hier bestehende Problem mit der Mikrofonanlage nicht lösen würde. Liegt es also doch an der Einstellung? CDU-Stadtrat Rainer Baumann weiß von Veranstaltern, die ihre eigene Sound-Ausrüstung mitbringen und auch selber einstellen. Die Akustik sei gut. Das Problem sieht er darin, dass an der Hallen-Anlage „jeder rumhantieren darf“. Also auch hier gäb’s ein Betätigungsfeld für einen „Generalbevollmächtigten“, wie es Matthias Rebel formulierte – jemand, der sich auskennt.

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