Knarzende Türen öffnen sich und geben den Weg frei in altehrwürdiges Gemäuer, das üblicherweise nicht oder zumindest nicht in dieser Form betreten und begutachtet werden kann. Eine fachkundige Führung gibt es dazu auch. So „funktioniert“ seit Jahren schon im September der bundesweite Tag des offenen Denkmals. Dieses Mal ist jedoch alles anders: Die Baudenkmäler bleiben – weitgehend – geschlossen.
Auch das Gaildorfer Wahrzeichen kann am Denkmaltag, dieses Jahr am 13. September, nicht betreten werden. Das ist der Corona-Pandemie geschuldet. Doch die 1399 erstmals urkundlich erwähnte Schlossanlage verfällt deswegen nicht in einen Dornröschenschlaf. Im Gegenteil: Der Prachtbau der Schenken von Limpurg kann im Internet zum „Youtube-Star“ werden, entsprechendes Interesse vorausgesetzt.

Bewegte Vorgeschichte

Wer die Homepage der Stadt Gaildorf oder die Internetplattform zum Tag des offenen Denkmals aufruft, kann einen kurzen Videofilm mit Bildern anschauen, die während der jüngsten Sanierung des Innenhofs im Jahr 2016 entstanden sind. Im Mittelpunkt steht die Arbeit der elften Stadtmalerin Heike Walter, die damals mit der Erneuerung der Renaissance-Malereien beschäftigt war.

Youtube Altes Schloss in Gaildorf wird im Video vorgestellt

Interessant sind Vorgeschichte und Einführung in das Projekt – ausgehend von den Fenster-Ummalungen, die um das Jahr 1580 entstanden, im 18. Jahrhundert jedoch unter Putz verschwunden sind. Erst ab 1982, als das heruntergekommene und inzwischen der Stadt gehörende Bauwerk grundlegend saniert wurde, kamen die sogenannten Illusionsmalereien wieder zum Vorschein – Gestaltungselemente, die dem Betrachter eine Dreidimensionalität suggerieren. Diese Kunstwerke konnten anhand der Original-Abdrücke restauriert und rekonstruiert werden.
Doch im Lauf der Jahrzehnte verblasste dieser neue Glanz wieder. Aufsteigende Feuchtigkeit ließ den Putz samt Malereien abbröckeln. Diese Entwicklung mahnte zum Handeln. Rolf Deininger nahm mit seinem Maler- und Stuckateurbetrieb diese Herausforderung an, unterstützt von Ex-Stadtmalerin Heike Walter.

Kreis Schwäbisch Hall

„Mit kundiger Hand“

2015 übertrug die Künstlerin die beschädigten Ornamente im Sockelbereich auf Transparentpapier, um daraus Schablonen fertigen zu können. Bereits fehlende Teile mussten rekonstruiert, die gesamten Ansichten fotografisch dokumentiert werden. Ein Jahr später war Malen angesagt.
Nach der Sockelsanierung wurden die erneuerten Flächen verputzt und gestrichen. Mit den Schablonen ging es ans Zeichnen der Umrisse und Ornamente. Nun kam Farbe ins Spiel. Mit verschiedenen Grautönen konnten die gewohnten Licht- und Schatteneffekte wiederhergestellt werden.
Rolf Deininger hat die aufwändigen Arbeiten mit der Kamera begleitet. Ein Teil der Aufnahmen bilden nun den Videofilm. „Heike Walter führte mit kundiger Hand den Pinsel“, und Rolf Deininger habe „äußerst sachkundig“ dazu beigetragen, „dass der Innenhof des Alten Schlosses wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt“, kommentiert Rathaussprecher und Kulturamtsleiter Dr. Daniel Kuhn das, was am virtuellen Tag des offenen Denkmals zu sehen ist.