Ernst Keitel (1939-2014) hätte seine Freude daran gehabt: Der Fördertopf, aus dem nun mehr als 4,7 Millionen Euro in den Haller Landkreis fließen, trägt unverkennbar auch seine Handschrift. Der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete war vor mehr als 25 Jahren maßgeblich an der Installation des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) beteiligt.

Nach den Worten von Peter Hauk (CDU), Minister für Ländlichen Raum, handelt es sich hier um das „wichtigste Strukturentwicklungsprogramm“ für ländlich geprägte Räume. Oder, wie es der Jubiläums-Slogan ausdrückt: „Wir lassen die Zukunft im Dorf“. Etwa ein Sechstel des Zuschussvolumens, mit dem Projekte im Haller Landkreis gefördert werden, kommt Gaildorf, Oberrot und Sulzbach-Laufen zugute.

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Für den neuen Bauhof

In Zahlen ausgedrückt: Die drei Limpurger Kommunen erhalten für öffentliche wie private Projekte 785 520 Euro Förderung. Dies entspricht einem dadurch angestoßenen Investitionsvolumen von rund 7,2 Millionen Euro.

Mit 520.000 Euro fließt die kreisweit zweithöchste Fördersumme nach Sulzbach-Laufen, wodurch laut Ministerium ein Investitionsvolumen von rund 5,5 Millionen Euro angestoßen werden kann. Bei den drei Projekten handelt es sich zunächst um den Neubau des Bauhofs beim Kleinteutschenhof, der mit Gesamtkosten von knapp 2,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Hier wurde, wie Bürgermeister Markus Bock berichtet, der Maximalbetrag von 250.000 Euro bewilligt.

„Gute Zusammenarbeit“

Die beiden anderen Projekte: Ein Unternehmen vom Eisbach erhält 250.000 Euro für die geplante Betriebserweiterung mit einer Teilverlagerung ins Gewerbegebiet Kocherwiesen. Die Kosten liegen bei rund 2,2 Millionen Euro netto. Antrag Nummer 3 betrifft den Umbau eines Dachgeschosses zu einer Wohneinheit. Das private Vorhaben in der Hauptstraße, das mit 145.000 Euro netto veranschlagt ist, wird mit 20.000 Euro bedacht.

Dankbar kommentiert Rathauschef Bock die Entscheidung des Landes. Dass alle drei Anträge berücksichtigt wurden, sei „wirklich toll“. Auch sein Oberroter Amtskollege Daniel Bullinger hat Grund zur Freude angesichts einer wahren Punktlandung: Die Gemeinde freue sich sehr, dass alle vier Anträge berücksichtigt worden seien. Im Namen der privaten Antragsteller dankt er allen Beteiligten – dem Land, der Wirtschaftsförderung des Kreises und Hauptamtsleiter Martin Hofmann für die „gute Zusammenarbeit“.

158.820 Euro fließen ins Rottal, womit ein Investitionsvolumen in Höhe von einer knappen Million Euro ermöglicht wird. Mit den Zuschüssen könne, so Rathauschef Bullinger, Marhördt „als Wohn- und Gewerbeort gestärkt“ werden. Konkret geht es um zwei frühere landwirtschaftliche Gebäude, die zu Wohnraum umgebaut werden, die Modernisierung eines alten Wohnhauses und ein ehemaliges landwirtschaftliches Gebäude, das gewerblich und für Wohnzwecke genutzt werden soll. „Als Gemeinde hoffen wir“, so Bullinger, „dass diese Entscheidung Motivation für weitere Mitbürger ist, ähnliche Projekte auf den Weg zu bringen.“

Nachdem Gaildorf 2019 nicht berücksichtigt wurde, ist Bürgermeister Frank Zimmermann nun „sehr zufrieden“: Zwei private Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 695.900 Euro werden mit 106.700 Euro gefördert.

Im Land wahrgenommen

Hier handelt es sich um die Umsiedlung eines Betriebs ins Gewerbegebiet Münster und die Umnutzung des früheren Rathauskindergartens im Unterroter Rathaus – das vor dem Verkauf steht – für gewerbliche Zwecke. Den Förderbescheid wertet der Bürgermeister als „ermutigendes Zeichen“ dafür, dass die Bemühungen der Stadt in Sachen Gewerbeförderung im Land „wahrgenommen wird“.

Ernst Keitels Vermächtnis


Der Erfolg hat stets viele Väter. Im Fall des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) ragt eine Persönlichkeit besonders heraus: Der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Schwäbisch Hall, der 2014 verstorbene Ernst Keitel (Foto) aus Rot am See, hatte sich bereits im Vorfeld der Einrichtung dieses Förderprogramms vor 25 Jahren dafür engagiert. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit warnte er vor einer Vernachlässigung der vermeintlichen Provinz und warb vehement für eine Stärkung des Programms, das sich inzwischen zu einem unverzichtbaren struktur- und konjunkturpolitischen Element entwickelt hat. Als eine Hommage an Keitel mag nun die Tatsache gewertet werden, dass im Jubiläumsjahr ein Großteil der Fördermittel in den Kreis Hall fließt. kmo