Schnell und völlig unbürokratisch ist das im Mai vom Gemeinderat auf den Weg gebrachte Projekt verwirklicht worden: Tobias Freude, aktueller Stadtmaler in Gaildorf, hat für den Stadtfriedhof ein nicht alltägliches Kunstwerk geschaffen, eine Stele für verstorbene Kinder. Das bewusst nicht wuchtig gehaltene Objekt, aus Freudes bevorzugtem Material geschaffen, dem Untersberger Marmor, steht nun am Kindergräberfeld. Der Künstler hat die Stele mit Schmetterlings- und Sternmotiven versehen.

Um das Gräberfeld für die kleinsten verstorbenen Gaildorfer aufzuwerten und die Erinnerung an sie wachzuhalten, hatten Bürgerinnen und Bürger entsprechende Anregungen formuliert. Besonders die sogenannten Sternenkinder – wie Babys genannt werden, die vor, während oder bald nach der Geburt sterben – liegen ihnen am Herzen. Weil ihnen der poetisch definierte Trost nicht reicht, wonach solche Kinder gleich, nachdem sie zur Welt gekommen seien, den Himmel, die Sterne, erreichten.

„Ein künstlerisches Unikat“

Nichts zeugte bislang von ihrem kurzen irdischen Dasein. Kein Grab, keine Gedenktafel, für die Eltern kein ausgewiesener Ort der Trauer und der Erinnerung.

Der Gemeinderat war schnell überzeugt von dem Vorhaben und befürwortete ohne Umschweife den von der Stadtverwaltung formulierten Antrag, für das Stelen-Projekt außerplanmäßig Mittel zur Verfügung zu stellen. Tobias Freude konnte loslegen.

Filigrane Ritzarbeiten haben laut Dr. Daniel Kuhn, Sprecher der Stadtverwaltung, „aus dem Steinsockel ein künstlerisches Unikat gemacht“. Die Sterne verwiesen auf die vor der Geburt verstorbenen Kinder, die Schmetterlinge auf alle Kinder, die früh verstorben sind. „Als Symbol der Wandlung, an deren Ende etwas Neues steht, fand ich den Schmetterling sehr passend“, erläutert Tobias Freude sein Werk.

Stadtrat stiftet 1000 Euro

Auch SPD-Stadtrat und Bestattungsunternehmer Martin Frey ist mit dem Ergebnis zufrieden. Ihm fehlte an diesem Platz bislang ein künstlerisches Objekt. Deshalb entschloss er sich spontan dazu, 1000 Euro für eine Stele zu spenden, die mit knapp 5000 Euro zu Buche schlägt.

Bürgermeister Frank Zimmermann zeigte sich bei der Begutachtung des Werks ergriffen: „Der Verlust eines eigenen Kindes kann man sich nicht vorstellen. Es war mir daher ein Anliegen, die Stelle des Kindergrabfeldes mit einem künstlerischen Objekt in Erinnerung an die hier Ruhenden etwas schöner zu gestalten.“

Grundlegend umgestaltet

Das gilt im Übrigen für den gesamten Friedhof, der gegenwärtig Stück für Stück umgestaltet und verschönert wird. Das Areal rund ums Mausoleum ist bereits neu gepflastert, neue Grabflächen sind geschaffen. „Der Gaildorfer Friedhof ist ein Ort der Trauer, bietet aber auch Aufenthaltsqualität für Ruhesuchende zum Abschalten und Entspannen“, sagt Rathaussprecher Daniel Kuhn.

Das könnte dich auch interessieren:

„Die bürokratische Differenzierung umgehen“


Für wichtig hatten Stadtverwaltung und Gemeinderat den Umstand erachtet, dass die Marmor-Stele auf dem Stadtfriedhof allen auf dem betreffenden Grabfeld bestatteten Kindern gewidmet werden soll. Also auch denjenigen, deren Herz bei der Geburt nicht schlägt und für die dann deswegen – wie es die Gesetzeslage vorsieht – auch keine Geburtsurkunden ausgestellt werden. Für sie wolle man nun einen Ort schaffen, an dem die Eltern trauern können, hatte Bürgermeister Frank Zimmermann im Mai das Konzept erläutert. Die Stadt werde „die bürokratische Differenzierung umgehen“. Diese Haltung stieß im Gemeinderat auf uneingeschränkte Zustimmung. Gleichzeitig dankten damals die Stadträte auch ihrem engagierten Ratskollegen Martin Frey für dessen großzügige 1000-Euro-Spende.