Verendete Haustiere in Folge absichtlich oder zumindest fahrlässig ausgelegter Köder mit Rattengift sind in Gaildorf nicht zum ersten Mal Thema. Nach einem Hund musste nun am 3. November eine Katze sterben. Die Eigentümer des Tieres sagen, es sei in letzter Zeit in Wörlebach „immer häufiger vorgekommen, dass Hunde und Katzen in der Siedlung Giftköder zu Hause angeschleppt haben oder gar tödlich vergiftet wurden“.

Im Fall der Familie wurde ihre erst drei Jahre alte Katze vermutlich Opfer eines Biozids. Am 22. Oktober habe das Tier an dem Köder gefressen und sei „trotz sofortiger medizinischer Versorgung, die nach einigen Tagen erfolgreich anzuschlagen schien“, nach einem „14-tägigen Martyrium an Herzversagen gestorben“.

Stadt lässt regulär Nagerköder in Abwasserkanälen auslegen

Im Gaildorfer Rathaus hat man von dem Geschehen keine Kenntnis. „Wir haben davon generell nichts gehört“, sagt Pressesprecher Daniel Kuhn. Auch die Polizei wollte ihre Archive überprüfen, was ergebnislos blieb. Für die Stadt Gaildorf bestätigte Daniel Kuhn den „regulären“ Einsatz von Fraßködern mit Gift. Diese würden aber unter professionellen Bedingungen von Fachleuten direkt in den Abwasserkanälen den Nagern als Futter angeboten. Das gehöre zum ganz normalen Verfahren, die Population der Tiere zu reduzieren, die gefährliche oder gar tödlich verlaufende Krankheiten wie Fleckfieber, Bandwürmer, Tollwut und Tuberkulose übertragen können. Aber auch Salmonellen und Parasiten wie Zecken gingen bei Kontakt oft auf den Menschen über und verursachen so möglicherweise die Infektionskrankheit Borreliose.

Münsingen

Bei Rattenbefall: Melden und Fachleute rufen

Auf dem Serviceportal der Landesregierung kann das Auftauchen von Ratten gemeldet werden. Fachleute empfehlen, nicht selber zur chemischen Keule zu greifen. Das sollte Profis überlassen werden. Rattengift, darunter auch für Privatpersonen verbotene Chemiecocktails der zweiten Generation, sind aber ohne Aufwand für wenig Geld im Internet zu beziehen. Der Umgang mit diesen Substanzen ist auch für den Anwender gefährlich. EU-Behörden bewerten bisher gängige Produkte als „sehr kritisch“. Die Stoffe werden als potenzielle Umweltchemikalien eingestuft.

Auch in anderen Städten und Regionen werden Haustiere immer wieder Opfer von giftigen Ködern. So starben im August in Münsingen sowie bei Augsburg vermutlich insgesamt vier Hunde daran.