Die Präsentation trägt den simplen Titel „Bäume“. Die Mitglieder des Technischen Ausschusses blicken an diesem Mittwochabend im Rathaus nach vorne zur Leinwand, wo Daniel Kuhn, persönlicher Referent von Bürgermeister Frank Zimmermann, durch die digitalen Folien klickt. Auf jeder Seite: ein Baum aus dem Gaildorfer Stadtgebiet. Und zwar einer, der weg soll.

Dass die geplanten Baumfällungen überhaupt Thema im Technischen Ausschuss sind, ist der Reaktion mancher Gaildorfer Gemeinderäte in der Sitzung Ende Oktober geschuldet. Darin war Kritik an der Stadtverwaltung laut geworden, die mehrere Bäume im Schlosspark und am Hallengelände fällen ließ, obwohl diese – zumindest teilweise – augenscheinlich gesund waren. So sollte die Sichtachse aufs schmucke Gaildorfer Rathaus freigelegt werden. Mehrere Bürger hatten sich damals an verschiedene Gemeinderäte gewandt – doch die hatten zunächst keine Antwort parat, weil das Gremium über die Maßnahme nicht informiert worden war.

Ausschuss will nicht über jeden einzelnen Baum beraten

Muss es auch nicht, findet Bürgermeister Zimmermann. „Ich stehe dazu, was ich gemeinsam mit Baubetriebshofleiter Steffen Munz besprochen habe“, sagte er in der Oktober-Sitzung. Wenn der Gemeinderat jedoch eine Beteiligung wünsche, werde man dem künftig nachkommen.

Ob man denn nun „über jeden einzelnen Baum befinden“ solle, stöhnte daraufhin Stadtrat Rainer Baumann (CDU). Und tatsächlich: Genau darauf läuft es im Technischen Ausschuss zunächst hinaus. „Sie haben angeregt, mit diesem Thema sensibler umzugehen“, leitet Zimmermann ein. „Das wollen wir hiermit tun. Wir überlegen zudem, bei den Maßnahmen den NABU und das Umweltzentrum im Kreis Hall mit ins Boot zu holen.“

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Eschach

Doch über die erste Folie – ein kranker Baum in der Friedhof­straße – kommt Daniel Kuhn zunächst nicht hinaus. Genervt meldet sich abermals Rainer Baumann zu Wort: „Wie viele Bäume haben wir in Gaildorf? 30.000? 40.000? Wir können ja für jeden einzelnen Baum eine Sondersitzung einberufen!“ Sein Fraktionskollege Matthias Rebel pflichtet ihm bei: „Wenn Fachleute das so entscheiden, müssen wir das nicht prüfen.

Es geht nicht um kranke, sondern um gesunde Bäume

Es entspinnt sich eine Diskussion, in deren Verlauf deutlich wird, dass es dem Gemeinderat mitnichten darum geht, über das Fällen kranker Bäume mit zu befinden – sondern ausschließlich über solche, die gestalterischen Maßnahmen zum Opfer fallen. Kuhn springt schließlich in der Präsentation zu eben jenen Bäumen: Es sind deren drei. Sie stehen  nebeneinander im Schlosspark, unweit des Rathauses. Warum sollen sie gefällt werden?

Das führt Kuhn aus, indem er eine kurze geschichtliche Abhandlung über die Entstehung, den Sinn und Zweck von englischen Landschaftsgärten gibt. Zu einem solchen möchte man durch verschiedene Maßnahmen den Gaildorfer Schlosspark wandeln. „Und in einem solchen Garten steht nie ein Baum neben einem Schloss“, erläutert Kuhn. Kurzum: Die Sicht aufs Schloss soll frei sein, eine offen gestaltete Fläche ans Gebäude angrenzen. Mit Sträuchern sollen anstelle der Bäume „markante Punkte“ gesetzt werden – wann und wie genau, das ist jedoch noch nicht ausgearbeitet. Die Gestaltung des Areals, des gesamten Quartiers hängt letztlich auch am Fortschreiten der Planungen zur Umgehungsstraße. Und die ziehen sich bekanntlich in die Länge.

Die Begründung für die Fällung von drei Bäumen im Schlosspark genügt dem Ausschuss nicht

Für die Mehrheit im Technischen Ausschuss ist das keine ausreichende Grundlage, der Fällung der Bäume zuzustimmen. Im Sommer fehle den Schülern dann noch mehr Schatten, gibt Christina Schlögl (SPD) zu bedenken. „Ich tue mir schwer, die Grundidee englischer Landschaftsgärten hier zu erkennen“, sagt Matthias Rebel. Er könne die Fällung nur mittragen, wenn die Neubepflanzung „zeitnah“ angegangen werde, erklärt Martin Frey (SPD). Das angrenzende Schulgebäude schmälere den optischen Eindruck ohnehin, so Bernhard Geißler (OL), von daher könne man die Bäume auch stehen lassen. „Jeglicher Zusammenhang“ zur übergeordneten Quartiersplanung fehlt Heinrich Reh (FWV); dass die Bäume stören, sei eine „gefühlte Wahrheit“ der Stadtverwaltung.

Nur Rainer Baumann bleibt bei seinem Credo, den „Handlungsspielraum für die Verwaltung zu bewahren“. Die Idee, Umweltzentrum und NABU einzubinden, lehnt er ab. Da wisse man ja vorher schon, was da komme. „Da kann man auch gleich die Aktivisten von Fridays for Future dazuholen.“

Die Verwaltung fügt sich schließlich der Mehrheitsmeinung und ändert nach langer Diskussion den Beschlussvorschlag für den Technischen Ausschuss dahingehend ab, dass die kranken Bäume gefällt werden, die drei gesunden im Schlosspark aber zunächst stehen bleiben sollen. Erst, wenn eine konkrete Planung für eine Neugestaltung vorliegt, soll das Thema erneut auf die Tagesordnung. Dem stimmte der Ausschuss einstimmig zu.