So mancher Autofahrer, der am Dienstag in Gaildorf auf die Schloss-Straße einbiegen will, hält verdutzt inne: Richtung Innenstadt ist kein Durchkommen mehr. Der Grund sind Markierungsarbeiten. Die Straße bekommt einen sogenannten Schutzstreifen für Fahrradfahrer.

Die Auswirkungen auf den Verkehr in den nächsten Tagen sind enorm: Die Arbeiten werden in mehreren Abschnitten erledigt, wobei immer eine Fahrtrichtung gesperrt ist. Auf der Schloss- und der Eutendorfer Straße sind die Arbeiter bereits gestern angerückt. Nun wird der Verkehr aus Gaildorf in Richtung Obersontheim einspurig ausgeleitet, in Gegenrichtung muss der Verkehr großräumig ab Obersontheim über Schwäbisch Hall umgeleitet werden. „Diese Arbeiten sollen innerhalb der Pfingstferien abgeschlossen werden, um die Verkehrsbeeinträchtigung – insbesondere für den Schülerverkehr – auf ein Minimum zu reduzieren“, schreibt das Haller Landratsamt in einer Pressemitteilung.
Anschließend folgen die Bauabschnitte im Zuge der B 19 und B 298 – also Karl-, Kanzlei-, Bahnhof- und Schillerstraße. Der Fortschritt hängt laut Landratsamt stark vom Wetter in den kommenden Wochen ab, da die Markierungsarbeiten nur bei Trockenheit klappen. Anfang Juli soll alles fertig sein.
Nun bringt besagte Umleitung in den Ferien für Anwohner, die sozusagen hinter dem Neuen Schloss wohnen und stadteinwärts wollen, erhebliche Komplikationen mit sich: Sie müssten theoretisch über Winzenweiler, Obersontheim und Schwäbisch Hall fahren, um in die Kernstadt zu gelangen – ein gigantischer Umweg für eine Strecke, die ansonsten nur ein paar hundert Meter lang ist. „Die Stadtverwaltung bittet um Verständnis und Nachsicht für die aktuell gegebenen Einschränkungen“, sagt Bürgermeister Frank Zimmermann. „Leider lässt sich die verkehrliche Situation nicht grundlegend besser lösen.“
Eine Ampelregelung würde zu einem Verkehrschaos in der Innenstadt führen, so der Rathauschef. „Kern des Problems ist, dass die zwei Wohnquartiere Ob der Steige und Hager über nur eine einzige öffentliche Straße, nämlich die Schloss-Straße, mit der Innenstadt verbunden sind.“ Mit der Einbahnlösung über den ansonsten gesperrten landwirtschaftlichen Weg aus dem Schlehenweg heraus und die weitere Umleitung über Großaltdorf habe die Stadtverwaltung wenigstens für die Siedlung „Ob der Steige“ eine relativ stadtnahe Umgehungslösung gefunden. Zum anderen werde die halbseitige Sperrung täglich ab etwa 18 Uhr bis in die frühen Morgenstunden aufgehoben.

Sichere Verbindung

Bei den Schutzstreifen stehen vor allem Berufspendler und Freizeitradler im Fokus, teilt das Landratsamt mit. Ihnen soll „eine sichere und attraktive Radwegverbindung zur Verfügung gestellt werden“. Auf Landesebene wurde 2016 die Umsetzung des „RadNETZ BW“-Konzepts beschlossen. Es hat zum Ziel, ein flächendeckendes und durchgängiges Netz mit alltagstauglichen Fahrradverbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren entlang der wichtigsten Siedlungsachsen im Land herzustellen. Gaildorf liegt mit den Zentren Sulzbach-Laufen, Murrhardt und Schwäbisch Hall zum Teil innerhalb dieses Konzepts.

Auf Initiative der Stadt haben die zuständigen Behörden ein Radwegkonzept mit Schutzstreifen in den unterschiedlichen Abschnitten innerhalb und außerhalb der Ortsdurchfahrt von Gaildorf ausgearbeitet. Der Gemeinderat hat die entsprechenden Beschlüsse im vergangenen Jahr gefasst. „Über das Thema Klimaschutz wird bei uns in Gaildorf nicht nur gesprochen, sondern konkrete Taten folgen“, erklärt dazu Bürgermeister Zimmermann. „Sind hierfür bauliche Maßnahmen erforderlich, können diese punktuell selbstverständlich auch mit temporären Unannehmlichkeiten verbunden sein.“

Rems-Murr-Kreis

Gestrichelte Linie und Piktogramm


Der Radschutzstreifen wird als Teil der eigentlichen Fahrbahn durch eine gestrichelte Linie vom übrigen Verkehr abgegrenzt und mittels Fahrradpiktogramm eindeutig gekennzeichnet. Auf manchen Streckenabschnitten ist laut Landratsamt eine „Neuordnung des Straßenraums“ notwendig, um die erforderlichen Fahrbahnbreiten für alle Verkehrsteilnehmer sicherzustellen. Das Regierungspräsidium hat für die Bundes- und Landesstraßen Sondermittel in Höhe 270 000 Euro bewilligt, der Landkreis investiert bei dieser Maßnahme rund 50 000 Euro und die Stadt Gaildorf hat neben der Planung rund 30 000 Euro Anteil.