Außen schmuck und adrett, einfach schön anzusehen, ist das Alte Schloss in Gaildorf. Aber was hinter den weißen Sprossenfenstern lagert, im Dornröschenschlaf liegt oder schlicht auf Handwerker wartet, ist aktuell nichts für Touristen. Denn: das vielfältig genutzte Schloss ist in Teilen eine große Baustelle.

Am Samstag beteiligte sich Gaildorf am bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“, der zum fünften Mal stattfand. Die Stadtverwaltung informierte über Zustand und Zukunft des historischen Gebäudes. „Das Schloss gehört allein der Stadt. Wir dürfen es erhalten und weiterentwickeln“, sagte Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann zu Beginn der Vortrags mit anschließender Baustellenführung.

Bernd Hußenöder, Bauingenieur für Statik aus Würzburg und Bernd Dollmann vom Planungsbüro Kreor aus Neckarsulm, erklärten den knapp 20 Teilnehmern, welche Mängel das Gebäude hat. Aber auch, wie man es dennoch, speziell für Museum und IG Kunst, nutzen kann.

Stadtbild Tag der Städtebauförderung in Gaildorf

Alte Bausubstanz erhalten

Bernd Hußenöder ist gelernter Zimmermann und Bauingenieur. Historische Gebäude sind sein Spezialgebiet. Er will, wo immer möglich, alte Bausubstanz erhalten und berät daher in Sachen Baukonstruktion und Statik. „Die Dachkonstruktion im alten, vor 1610 entstandenen Anbau, ist noch von 1486. Und sie steht noch. Das ist beeindruckend“, sagte er. In seinem Vortrag erklärt er anhand von Skizzen und Bildern, warum die Statik des östlichen Schlossteils nicht mehr stimmt, beziehungsweise den statischen Vorgaben des Gesetzgebers für öffentliche Gebäude nicht entspricht. Rund ein Jahr lang hatte er sich mit dem gesamten Bau des Schlosses, seinen Balken, Decken, tragenden Säulen und Wänden, Traglast und Struktur beschäftigt: „Das Gebäude hat sich in seinen 500 Jahren immer wieder verändert. Räume wurden dem Bedarf der Bewohner angepasst. Räume vergrößert oder ergänzt. Auch schon mal eine tragende Säule oder Wand entfernt. Der größte Eingriff war der Umbau im Jahr 1610 und der hat die Statik in ihrem System ein Stück weit ruiniert.“

Man habe damals den Giebel an der Ostseite abgetragen und den heutigen Gebäudeteil erreichtet. „Man hat da dem Haus den Fuß genommen“, so Hußenöder. Dem Dach fehle das Zugband. In seiner Analyse hat er auch festgestellt, dass bei den Decken zwischen den Balken ein Band aus Lehm zur Festigung fehle. Dadurch könne sich das Holz maximal bewegen. Ein gewisser Vorteil, denn: „Das Gebäude steht noch, weil alle Decken hohl sind und die Traglast, was die Nutzung betrifft, gering ist“, so sein Kommentar. Dennoch sei eine Sanierung geboten, denn das Gebäude hänge um 15 Zentimeter nach vorn heraus.

Hußenöders Fazit: Mit großem Aufwand, auch finanziellem, ließe sich die Statik, wie für Museum und Galerie vorgeschrieben, herstellen. Aber es sei besser, mit der Nutzung des Schlosses auf dessen Baustruktur einzugehen. „So lässt sich die historische Bausubstanz am ehesten erhalten.“ Gelungenes Beispiel für Erhalt von Bausubstanz und Nutzen sei der frühere Stall. Das Gewölbe werde vielfach für Veranstaltungen angefragt, erklärte Bürgermeister Frank Zimmermann.

Der Nordwestbau, also der Teil des Schlosses, der parallel zur Schloss-Straße liegt und dessen Fassade 2014 saniert und gestrichen wurde, ist aktuell im Rohbau-Zustand. Darin untergebracht waren Atelier und Wohnung der Stadtmaler und eine großräumige Hausmeisterwohnung, deren Zimmer teils im Dachgeschoss lagen. „Die Wohnung war groß, aber kaum heizbar“, erinnert sich Rolf Deiniger, Stadtführer und als solcher auch Schlosskenner. Heute sind dort Böden und Wände teils geöffnet, was mehrschichtige Konstruktionen zutage fördert. Für die Besucher wurde der Boden vielfach mit Holzplatten gesichert, dennoch galt allen der Appell: Achten Sie darauf, wo Sie gehen.

Verstärkungen eingebaut

Die Experten Hußenöder und Dollmann beantworteten Fragen. Im Jahr 2005 sind im nordwestlichen Dachgeschoss schon viele Balken ersetzt worden. „Damals gab es Überlegungen, dass die Stadtbücherei hier einziehen solle“, erklärt Andrea Ingrisch, Leiterin des Gaildorfer Liegenschaftsamtes und als solche zuständig für Stadtsanierung. Nach der Tragwerksanierung blieben die Räume jedoch weiter „Zeugen der Vergangenheit“ und Baustelle. Dennoch: „Die Ertüchtigungen der Bausubstanz aus dem Jahr sind uns heute sehr hilfreich.“

Die nötigen Sanierungen in Ost- und Westflügel des Alten Schlosses finanzieren kann die Stadt mit Hilfe eines Zuschusses von 2,9 Millionen Euro aus einem Denkmal-Sanierungsprogramm von Bund und Ländern. „Das Geld ist jedoch für das gesamte städtebauliche Erneuerungsgebiet „Altes Schloss“ bestimmt. Es umfasst außer dem Schloss auch Gebäude zwischen Ziegelrain, Grabenstraße, In der Eschenau sowie auch die Stadtbücherei“, erklärt Ingrisch. Von den 2,9 Millionen hat die Stadt schon rund 1,33 Millionen abgerufen, darin enthalten sind schon Maßnahmen für die statische Ertüchtigung des Nordwestbaus und den Einbau der Hausmeisterwohnung.

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Nutzung und Verteilung


Zukunft Bernd Dollmann stellte das Nutzungskonzept für das Alte Schloss vor. Museum und IG Kunst sollen in den Nordwestflügel des Schlosses einziehen. Die hierfür nötige Tragfähigkeit der entsprechenden Decken von 500 Kilo pro Quadratmeter lasse sich hier ermöglichen, ohne wesentliche Bausubstanz zu schädigen oder gar ganz zu entfernen.

Das Nutzungskonzept ist bereits beschlossen. „Den Kostenrahmen für seine Konzeption muss Dollmann jetzt noch erarbeiten und dann dem Rat zur Abstimmung vorlegen. Der Nordwestbau hat aber auf jeden Fall Vorrang, denn wir wollen der IG Kunst mit ihrem großen Engagement schnellstmöglich Raum geben“, sagt Amtsleiterin Andrea Ingrisch. kh