In Gaildorf gehen Stadtverwaltung und Gemeinderat ein wichtiges Zukunftsprojekt an. Unter dem Titel „Energetisches Quartierkonzept“ sollen das stadteigene Nahwärmenetz und die Versorgung der Graf-Pückler-Stiftung zusammengeführt werden. Auch Privathaushalte sollen sich an das Netz anschließen können.

Das mit Hackschnitzeln befeuerte Heizkraftwerk bei der Schule versorgt derzeit 13 Gebäude. Die Anlage der Graf-Pückler-Stiftung beliefert sieben Häuser mit Wärme. Wie auch bei der Anlage der Stadt läuft bei Pückler parallel zur Hackschnitzelfeuerung ein mit Erdgas gespeistes Blockheizkraftwerk und produziert neben Wärme Strom.

Die Kooperation von Stadt und Pückler-Stiftung biete für beide Seiten Vorteile personeller und finanzieller Art. Projektleiterin Sarah Berberich von der Firma Endura Kommunal informierte die Mitglieder des Gemeinderates über Details und erläuterte die Marschrichtung. Sie sprach von einem dreijährigen Prozess, der zunächst mit der Suche nach einem geeigneten Betreiber beginne. Ein Stadtwerk aus der Region könne diese Aufgabe beispielsweise übernehmen oder die Beteiligten gründen eine Genossenschaft und betreiben Netz und Kraftwerke in Eigenregie. Sobald der Betreiber feststeht, werde mit der Bewerbung und Akquise begonnen. Der letzte Schritt wäre die technische Realisierung.

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Schwäbisch Hall

Wie hoch werden die Energiekosten sein?

Die Firma Endura Kommunal hat im Kernstadtbereich bereits eine Erhebung gemacht. Eine erfreulich hohe Zahl privater Haushalte habe Interesse gezeigt, künftig vom neuen Gaildorfer Wärmeverbund versorgt zu werden. Das sei für viele interessant, weil 75 Prozent der aktuell betriebenen Heizungen bereits älter als 25 Jahre seien. Ab einem Alter von 30 Jahren müssten diese ausgetauscht werden. Viele Hauseigentümer werden sich beim Heizungswechsel überlegen, auf welchen Brennstoff und welche Technik sie in Zukunft setzen. Der Gesetzgeber verbiete ab dem Jahr 2026 den Einbau neuer Ölheizungen. Zudem verteure sich Heizöl durch die CO2-Steuer je Liter um etwa 20 Cent.

Stadtrat Rainer Baumann erkundigte sich nach den Energiekosten bei einem privaten Netzanschluss. Er habe die Erfahrung gemacht, dass diese relativ hoch sein könnten. Sarah Berberich meinte, es müsse geprüft werden, zu welchem Tarif der Betreiber die Nahwärme liefern wird. „Das muss konkurrenzfähig sein, weil sich sonst keine Kunden finden oder sich der Betrieb des Netzes nicht rechnet.“ Die Preise „müssen vergleichbar sein, sonst hat so etwas keine Chance“, so die Projektleiterin.