Kein anderer Name bestimmt an diesem Hochfest des Limpurger Landes das öffentliche Leben derart heftig wie dieser: Sabine! So haben Meteorologen das Sturmtief getauft, das im Raum Gaildorf just zum Pferdemarkt seinen Höhepunkt erreichen sollte. Entgegen aller Befürchtungen beschränkt sich die stürmische Dame aber darauf, ihre Zähne zu zeigen.

Viele Händler bleiben daheim

Das sorgt – nach dem offensichtlichen Rekordbesuch zu den Festhöhepunkten des Wochenendes – dennoch für gähnende Leere dort, wo üblicherweise kaum mehr ein Durchkommen ist. Die für den Bereich Grabenstraße angemeldeten Markthändler ziehen es vor, sich den Wetterprognosen zu beugen und auf die Reise nach Gaildorf zu verzichten. Erst am Nachmittag, zu Beginn des Festzuges, strömen die Besucher scharenweise ins Städtle.

Allerdings deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Polizeihauptkommissar Thomas Just und sein Team schätzen die Zahl der Menschen, die Straßen und Plätze säumen, auf höchstens 10.000. Persönlich bedauert der Leiter des Gaildorfer Polizeipostens den Umstand, dass etliche Reiter und Gespanne ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt haben und somit der Umzug an Vielfalt einbüßen musste. Auf der anderen Seite äußert er mit Blick auf die Sturmwarnungen Verständnis für die jeweilige Entscheidung.

An besonderen Vorkommnissen hat er bis zum frühen Abend „absolut nichts“ zu berichten. Aber es gibt eine Premiere: Die üblichen Falschparker sorgen in diesem Jahr nicht für Aufregung. Den ganzen Tag über gibt es schließlich in einigen Bereichen der Innenstadt sowie am Stadtrand ausreichend Parkplätze.

Gespannprämierung abgesagt

Genau genommen hätte auch die Kocherwiese dafür genutzt werden können. Denn die Kutschenprämierung, die dort am frühen Vormittag hätte stattfinden sollen, muss – auch mangels Masse – abgesagt werden. Vielen Pferdehaltern war die Witterung zu unsicher, weshalb sie, ihren Tieren zuliebe, auf eine Teilnahme verzichteten.

Bange Stunden liegen hinter Kulturamtsleiter Dr. Daniel Kuhn: Sollte der Umzug angesichts immer wieder aufkommender, dann aber wieder nachlassender Sturmböen abgesagt werden? Die Stadt war offenbar fest entschlossen, das bunte, aber um viele edle Vierbeiner „abgespeckte“ Programm durchzuziehen.

Pferdemarkt 2020: Jazzfrühschoppen im Kernersaal

Volksfest Pferdemarkt 2020: Jazzfrühschoppen im Kernersaal

„Ein gutes Zeitfenster“

Was Kuhn bestätigt. In engem Kontakt mit der Polizeireiterstaffel des Landes, am Umzug beteiligt, habe man die Lage erörtert. „Wir standen fünf bis sechs Mal kurz vor einer Absage“, verrät er im Gespräch. Nach sorgfältiger Abwägung habe man sich am Ende – „zum Glück hatten wir ein gutes Zeitfenster“ – doch dazu entschlossen, das Ganze wie geplant um 14 Uhr zu starten. Und obwohl das Spektakel kürzer als gewohnt über die Bühne geht, sieht man am Ende doch viele zufriedene Gesichter.

Also war es doch „eine richtige Entscheidung“, wie Polizeichef Just mit Blick auf die spürbar entspannte Lage an der Sturmfront befindet.

„Rundum gelungen“

Das Krisenmanagement von Bürgermeister Frank Zimmermann erfährt damit auch eine Bestätigung. Zimmermann selber wird den 84. Pferdemarkt als „rundum gelungene Veranstaltung“ in Erinnerung behalten, aller widrigen und am Ende doch glücklichen Umstände zum Trotz. Nicht zuletzt deshalb, weil er am Pferdemarkt erneut Vater geworden war.