Auf den Baustellen des Naturstromspeichers in Gaildorf beginnt die Winterpause heuer etwas früher. Mit der Verlegung der Rohre vom Pumpspeicherhaus hinauf zu den Windrädern werde man erst im nächsten Frühjahr starten, teilt Max Bögl Wind auf Anfrage mit. Auch mit dem Einbau der Turbinen will man warten. Sie sollen etwa zwei Monate, bevor sich der eigens konstruierte „Pipecrawler“ auf den Weg macht, in einem Zug geliefert und eingebaut werden. Die Wasserbatterie, wie die Pilot-Anlage auch genannt wird, soll dann ab Ende 2020 Strom erzeugen.

Geschlossenes System

Die Verzögerung ist innovationsbedingt. Für die Fallleitung zwischen Pumpspeicherhaus und Windrädern wurde ein neuartiges Polyethylenrohr entwickelt, das die hohen Drücke aushalten kann, die während des Betriebes entstehen können.

Die Wasserbatterie ist als geschlossenes System konzipiert: Das Wasser wird mit Überschüssen aus dem Stromnetz aus dem Unterbecken in der Kocheraue in die Becken gepumpt, auf denen die Windräder stehen. Bei Nachfrage auf dem Strommarkt wird über die Fallleitung das Pumpspeicherkraftwerk angetrieben.

Gaildorfer Wochenmarkt Der fahrende Bäcker hört auf

Gaildorf

Das neue PE-Rohr, das einen Durchmesser von zwei Metern haben wird, soll in Ulm produziert werden. Bevor mit der Verlegung begonnen werden könne, seien jedoch noch intensive Prüfungen nötig, erklärt Nancy Fürst, Leiterin Marketing Wind und bei Max Bögl zuständig für Unternehmenskommunikation. Ein externes Institut prüfe momentan unter anderem den „Berstdruck“ der Rohre und verzeichne „erste positive Ergebnisse“.

Geben die Prüfer grünes Licht, soll die Verlegung mit dem „Pipecrawler“ in einem Zug erfolgen. Bei der 160 Meter langen Maschine handelt es sich ebenfalls um eine Eigenentwicklung, die deutlich weniger Platz benötigt als die herkömmliche Rohrverlegungstechnik. Der Pipecrawler arbeitet zudem schneller und hat außerdem den Vorteil, dass er die Rohre in Kurven verlegen, also bestehenden Wegen folgen kann. Diese Technik ist auch bereits erprobt: Seine „Jungfernfahrt“ unternahm der Pipecrawler vor gut einem Jahr, als die 1,6 Meter starken Rohre zwischen den Windrädern verlegt wurden. Weil dort keine hohen Drücke herrschen, konnten herkömmliche PE-Rohre verwendet werden.

Sechseinhalb Monate werde es schätzungsweise dauern, bis das Druckrohr im Einschichtbetrieb verlegt sein wird, teilt das Unternehmen mit. Die Fallrohr-Strecke ist 2,5 Kilometer lang, bei der Verlegung sind Steigungen von bis zu 23 Prozent zu überwinden. Dabei wird der Pipecrawler auch die Bundesstraße 19 kreuzen. Die Straße, teilt das Unternehmen mit, werde dann für zirka sechs Wochen vollständig gesperrt sein. Konflikte mit dem geplanten Neubau der B 19-Brücke in Münster wird es gleichwohl nicht geben. Das Regierungspräsidium hat auf die Proteste aus Gaildorf reagiert und prüft nun, wie jetzt im Bezirksbeirat zu erfahren war, die Optionen eines Brückenneubaus ohne Vollsperrung.

Die Pumpen sind abgestellt

Einstweilen kommen die Baustellen des Naturstromspeichers zur Ruhe. Am Unterbecken müssten noch einige Arbeiten ausgeführt werden, erklärt Nancy Fürst. Unter anderem müsse noch die ehemalige Zufahrt der Straßenmeisterei an der B 298 asphaltiert werden, außerdem wolle man das Gelände noch begrünen.

Im Unterbecken sammelt sich auch bereits das Niederschlagswasser. Es werde nicht mehr abgepumpt, erklärt Fürst. „Unmittelbar vor der Nassinbetriebnahme“, nach dem jetzigen Planungsstand also gegen Ende nächsten Jahres, soll es endgültig gefüllt werden.

Das könnte dich auch interessieren:

Gaildorf