Ein politischer Kabarettist sei er nicht, stellte Heinrich del Core gleich zu Anfang klar. Da seien andere besser als er. Er habe es eher mit den selbsterlebten Geschichten, erklärt er dem Publikum in der Gaildorfer Limpurghalle. Der dozierende Hinweis auf die möglichen Fahrtrichtungen einer Pointe war sicher hilfreich. Der Geradeaus-Witz, dass die Zunahme von Häftlingen in seiner Heimatstadt Rottweil am Neckar zur Zellteilung führen würde, gehörte sicher dazu.

Dass seine Mutter ein Rottweiler sei (der Vater ist aus Italien), klang zunächst ebenso nach banalem Geradeaus. Dann jedoch konnten die Zuhörer nach rechts abbiegen. Dort wurde es zu einer Wortspielerei mit doppelt verlegtem Boden aus Herkunft und Hunderasse. Aber mehr gab die „Pointe als Abführmittel“ nicht her. Wollte er boshaft-hintergründig damit sagen, dass seine Mutter einem urwüchsigen Gebrauchshund gleiche? Eher nicht.

Del Core breitet einen Teppich skurriler Erlebnisse aus

Über Eltern und Familie breitete del Core in seinem Programm „ganz arg wichtig“ nämlich einen freundlich gewobenen Teppich von skurrilen Erlebnissen. Dazu zählte die Pizza-Urlaubsgeschichte auf einer Liparischen Insel bei Sizilien ebenso wie das lustvoll ausgekostete Bad in der schwäbischen Alltagssprache. „Ha-ja-wa-freilich, woisch!“ entlarvte er als vielseitig verwendbare Leerformel für eine ausdrückliche Zustimmung.

Crailsheim

Der katholisch erzogene Komödiant wagte sich unerwartet auch an die Kirche heran. Respektvoll, aber mit leicht spöttisch gekräuselter Zunge, verlas er eine angeblich gehaltene Weihnachtsansprache auf einer Kanzel. „Da kam eins zum anderen“, erzählte er detailreich die Vorgeschichte. Wenn ein schlagfertiger Pfarrer und ein Spaßmacher zusammen treffen, scheinen die Pointen vor dem Kirchenportal nicht Halt zu machen. Das könnte ermutigend sein.

Dennoch nahm Heinrich del Core eher die Beglückungen des Alltags in die plättende Mangel. Mit Freude zog er über den Thermomix und seine vielfältigen Möglichkeiten her und bezeichnete auch die Hitzewallungen seiner Frau („ihr persönlicher Sommer“) als Klimakatastrophe, bei der schon mal die Brillengläser anlaufen. Im fröhlichen Dialog mit dem weiblichen Publikum versuchte er außerdem zu klären, ob ein im Garten vergrabener Mutterkuchen für Nuss- und Zwetschgenbäume eine gute Wachstumsbasis bilden würde.

Youtube Heinrich del Core macht sich über den Thermomix lustig.

Comedian verbreitet Heiterkeit und einen zwanglosen Dialog

Obwohl die Hallenbühne eine räumliche Distanz zum Publikum herstellte, überwand del Core mühelos die Barriere. Seine Abfrage, wer zu Weihnachten geschenkte Eintrittskarten habe oder nicht ganz freiwillig hier sei, sorgte für Heiterkeit und zwang­lose Dialoge. Dabei war der Entertainer aus dem Alemannischen besonders überzeugend. Mit auffallender Schlagfertigkeit überwand er kleine Störungen und vermittelte fast immer zwanglose Leichtigkeit. Eine Anmerkung reihte sich wie zufällig an die andere. Die Gags sprudelten nur so von der Bühne. Dennoch dürfte der 130-Minuten-Auftritt harte Konzentrationsarbeit gewesen sein.

Den eingestreuten Nummern aus dem kommenden Programm „Glück g’habt“ war jedoch anzumerken, dass das Arrangement der Pointen bis Ende Januar noch einiger Korrektur bedarf. Die Zitate aus der Abi-Zeitung seiner Tochter wurden eine besondere Herausforderung für gedankliche Mehrfachabbieger. Vordergründige Ironie und hämischer Sarkasmus aus der Feder einer Bildungselite sind zwar lustig, können beim näheren Hinsehen jedoch gewaltig irritieren. Es scheint so, als ob zwanghaft formulierte Originalität im Spaß-Jargon zum bedingungslosen „Gefällt mir“ unserer Zeit gehört. Diese Nummer war ein Glücksgriff von del Core. Leider versäumte er an dieser Stelle, an die verwinkelten Abbiegemöglichkeiten zu erinnern.

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Berlin/Köln