Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Gaildorfs Stadtarchivarin Heike Krause hat das Amt der Schenken von Limpurg erforscht und dabei viel Interessantes entdeckt. Ihr Buch darüber kommt im November in den Handel.

Immer wieder ist Dr. Heike Krause bei anderweitigen Recherchen auf Ungereimtes und Kurioses aus der Geschichte der Schenken von Limpurg gestoßen. Dabei entdeckte die Gaildorfer Stadtarchivarin auch teilweise gravierende Differenzen zwischen Darstellungen in der einschlägigen Heimatliteratur der vergangenen 200 Jahre und den Original-Quellen etwa im Staatsarchiv.

Das Amt der Schenken

Ist die Geschichte der Schenken von Limpurg in der Vergangenheit gar geschönt, zumindest verklärt dargestellt worden? Die Archivarin will kein vorschnelles Urteil fällen. Stattdessen tut sie das, was eine Wissenschaftlerin in solchen Fällen zu tun pflegt: Sie forscht, analysiert – und sie schreibt die Ergebnisse ihrer Ermittlungen nieder. Das Ergebnis ihrer detektivischen Kleinarbeit: ein Buch, das derzeit gedruckt und im November der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

In dem fast 200 Seiten umfassenden Werk erklärt die Autorin auch, was es einst mit dem Schenkenamt auf sich hatte. Nämlich: Er solle einem Kaiser oder König zu trinken reichen, so formuliert es die Goldene Bulle, das kaiserliche Gesetzeswerk für das Heilige Römische Reich aus dem Jahr 1356. Mit „er“ war eigentlich der König von Böhmen gemeint, einer der damals sieben Kurfürsten und Erzschenk des Reichs.

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Der „Fux“ schreitet zur Tat

Sein Vertreter oder Unterbeamter war ein Herr aus dem Hause Limpurg. Als „Erbschenken“ versahen die Limpurger über Jahrhunderte hinweg den Ehrendienst des ersten Trunkes. Einer von ihnen war Schenk „Fux“, so wird Friedrich VI. zu Limpurg-Speckfeld (1468-1521) in den von Heike Krause gesichteten historischen Quellen genannt.  Sein Amt habe er am 23. Oktober 1520 anlässlich der Krönung  des späteren Kaisers Karl V. zum römisch-deutschen König ausgeübt. „Doch bis es soweit kam, mussten viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden“, ermittelte die Autorin. Dabei „spielte das liebe Geld die ausschlaggebende Rolle“. Als nämlich Kaiser Maximilian I. im Januar 1519 gestorben war, sei ein heftiger Streit um die Krone des Heiligen Römischen Reichs entbrannt. Von ursprünglich vier Bewerbern seien zum Schluss noch zwei übriggeblieben: Karl aus dem Hause Habsburg und Franz I., seit 1515 König von Frankreich.

Im Vorfeld der Wahl hatte sich Franz, wie Krause schreibt, bereits die Stimmen der Kurfürsten von Trier und der Kurpfalz „pekuniär gesichert“. Doch hinter Karl „stand die Kapitelkraft der Augsburger Kaufmannsfamilien Fugger und Welser, und die machten rund 900.000 Gulden locker, um die restlichen fünf Kurfürsten zu überzeugen, dass Karl der richtige künftige Kaiser sei“. Gelder seien außerdem an Grafen, Freiherren und Reichsstädte geflossen. Unter den Namen entdeckte die Archivarin auch „Schenk Friedrichen von Limpurg“.

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Die Pest wütet am Krönungsort

Aber noch etwas anderes habe damals Probleme bereitet: Als im Oktober 1520 Karl in Aachen gekrönt werden sollte, habe dort die „Pestilenz“ gewütet. Zunächst habe man nach Köln ausweichen wollen, dann aber doch an Aachen festgehalten. Allerdings sei alles schneller als sonst vonstatten gegangen: „Am 22. Oktober 1520 zog Karl mit seinem Gefolge in Aachen ein, am nächsten Tag wurde er gekrönt, und am 25. Oktober verließen die erlauchten Herren sofort wieder die Stadt. Keiner wollte einen Tag länger als notwendig in der pestverseuchten Stadt bleiben“.

Wein für seine Majestät

Am Krönungstag, nach der feierlichen Krönung im Dom, habe das Bankett trotzdem stattgefunden und seien die Ämter von Erzmarschall, Erzkämmerer und Erztruchsess vollzogen worden. Abschließend sei „Schenk Fux von Limpurg umb den Wein, der Königlich Majestät zu trinken“ gegangen, wie es in einer zeitgenössischen Quelle heißt.

Übrigens: Zehn Jahre später, 1530, wurde mit Karl V. letztmals ein Kaiser von einem Papst (Clemens VII.) gekrönt.

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Info

Heike Krauses Buch über die Schenken von Limpurg wird am Freitag, 8. November, um 19 Uhr im Kernersaal der Limpurghalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Archivarin arbeitet bereits an weiteren Limpurg-Themen, die in einen zweiten Band münden sollen, etwa das Alte Schloss in Gaildorf.