Texaner, Hamburger und Italiener – mit Flügeln, Krallen und Schnäbeln – kamen nach Gaildorf. Ebenso wie kuschelweiche Zwerge, Widder und Riesen, die ihr Quartier in der Körhalle fanden. Das Hallengelände war von Mittwoch bis Sonntag landesweites Zentrum für Liebhaber von Geflügel und Kaninchen. Gastgeber des Großevents für Kleintierzüchter war der Kreisverband (KV) Schwäbisch Hall. Es umfasste drei Ausstellungen: die des KV mit Geflügel und Kaninchen; die Landesclubschau, eine reine Kaninchen-Schau sowie die Ausstellung der „Herdbuchabteilung des Landesverbandes der Rassekaninchenzüchter Württemberg und Hohenzollern“. Deren Mitglieder widmen sich der Erhaltungszucht alter Kaninchenrassen.

100-jährige Geschichte

Innerhalb dieses Landesverbands gibt es 22 sogenannte Clubs. Deren Mitglieder züchten eine oder zwei bestimmte Rassen. Etwa der Japaner- und Burgunderclub. Die Vereinigung dieser Clubs innerhalb des Landesverbandes gibt es seit 100 Jahren. Das Jubiläum wurde jedoch nicht besonders ge-        feiert. Detlef Beckers ist im oben genannten Verband zuständig für diese Clubs. Er sagte am Samstag bei der Eröffnung: „Die Leidenschaft der Rassekaninchenzucht lehrt uns die Funktionsweise des Lebens und macht uns anschaulich, wie wichtig der Schutz der Umwelt und die Hochachtung vor den Tieren sind.“

Hansjörg Opala, Vorsitzender des Haller Kreisverbands der Kleintierzüchter, freute sich über insgesamt 1800 ausgestellte Tiere. „Ein stolzes Meldeergebnis. Besonders beachtlich ist, dass über 20 Prozent davon aus Stallungen kommt, die von Jugendlichen betreut werden.“ Das sei der hervorragenden Jugendarbeit in den zehn Mitgliedsvereinen des Kreisverbandes zu verdanken. Opala, seit 20 Jahren im Kreisvorstand, ist selbst Züchter: von Zwergwidder-Kaninchen und Japanischen Legewachteln.

Rolf Schmidt ist im Landesverband der Experte für Alte Rassen und die Herdbuch-Zucht. Die „Landesherdbuchschau“ zeigte etwa das Angora, den Rheinischen Schecken – Rassen, die weniger werden, weil sie beispielsweise pflegeintensiv sind. Was die Züchter der Herdbuch-Klasse von denen der Offenen Klasse unterscheidet: „Wir züchten auf Leistung. Große Würfe sind unser Anliegen. Alle anerkannten deutschen Rassen lassen sich im Herdbuch bearbeiten“, so Schmidt. Er selbst macht dies seit 25 Jahren, mit den braunen Deilenaar. „Es ist keine alte Rasse, aber ich mag sie am liebsten.“ Der für die Zucht vorgesehene Rammler muss „Papiere“ haben, die seine Herkunft über fünf Generationen zurück dokumentieren. Dann wird er angekört.

Kleintierschauen sind längst nicht nur was für Züchter. Sie machen auch Laien Spaß, Eltern ebenso wie Kindern. Das zeigte sich auch an den vielen Besuchern. Schauen diese mit ein wenig Abstand in die Käfige, ohne jederzeit „streicheln zu wollen“, sei die Ausstellung auch für die Tiere stressarm, so Opala.

Entspannte Tiere

Die Kaninchen in der Körhalle – gleich welcher Rasse – schienen die Besucher, ihre Blicke und Geräusche, mit Gelassenheit zu nehmen. Sie dösten oder schliefen, fraßen oder schnupperten am Käfig oder ihrem direkten Nachbarn mit den langen Ohren. Erst in der Dämmerung wurden sie aktiv. Und als um 17 Uhr ausgewählte Vereinsmitglieder mit dem Futter durch die Reihen gingen und die Näpfe füllten.

Dass es ihnen auch sonst durchweg gut ging, darauf achtete das Team der Hallenaufsicht: Marius Braun (18), Patrick Blinkle (21) und Nico Butzer (22). Sie hatten die Tiere im Blick. Und damit kein Kuschel-Hase verschwand, durften nur sie einzelne Tiere zur Ansicht oder zum Verkauf aus dem Käfig holen. Alle drei sind erfahrene Kaninchenzüchter und gehören als solche zum Verein „Z 479 Untersontheim“.

Jetzt wollen sie mehr: Alle drei haben vor, in den nächsten zwei Jahren eine dreijährige Ausbildung zum Preisrichter für Kaninchen nach dem deutschen Standard zu beginnen. Ein Ehrenamt. Und zeitintensiv. Theoriekurse am Wochenende, Praxis aus erster Hand lernen. Sie werden Preisrichter begleiten, auf die Finger schauen. Und von ihnen lernen. Für die vielen Züchter im Landkreis sind sie eine Art Hoffnungsträger, die mit dafür sorgen werden, dass es auch künftig noch Preisschauen geben kann. Butzer möchte daran eine Fortbildung zum Preisrichter für Kaninchen nach europäischem Standard anschließen: „Wenn schon, dann richtig.“