Brav an der Leine geht der Collie auf der Straße hoch zum Kieselberg. Die junge Frau hat ihn offensichtlich gut erzogen. Plötzlich „muss“ der Vierbeiner mal. Frauchen ist darauf vorbereitet, packt die Hinterlassenschaft schnell in eine Tüte und dann das Ganze in ihren Rucksack. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Dutzende an Tüten mit Hundekot

Nein, der Schein trügt. Das gute Beispiel der Frau macht eben am Kieselberg nicht Schule. Ein Mann aus Bröckingen – der nicht genannt werden möchte – hat dieser Tage eine andere Beobachtung gemacht. Und ist entsetzt: Vor allem im Bereich des Mineralfreibads bis hoch zur Tennisanlage hat er Dutzende Tüten voller Hundekot gesehen, bei 30 aber mit dem Zählen aufgehört. Das sei, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „eine Sauerei“.

Wer sich schon die Mühe mache und die Häufchen verpacke, könnte sie doch vollends mitnehmen und in der heimischen Mülltonne entsorgen. Denn so werde die Landschaft nicht nur mit dem Kot belastet, sondern obendrein auch mit den von anderen Hunden zerfetzten Kunststofftüten.

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Hechingen

Die Beobachtungen des Spaziergängers bestätigen sich vor Ort: Etwa alle fünf bis zehn Meter liegen Kot-Päckchen an den Grünstreifen neben der Straße, teilweise auch in angrenzenden Äckern – wo Lebensmittel angebaut werden. Abgesehen davon, dass diese „Dekoration“ ziemlich unappetitlich ist: Hundekot stellt nachweislich eine ernste Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier dar.

Auffallend ist: Die Tüten, teilweise aufgerissen, sind fein säuberlich zugeknotet und in regelmäßigen Abständen abgelegt. Das deutet auf Vorsatz hin. Wofür Bürgermeister Frank Zimmermann absolut kein Verständnis hat. Seit Jahren beschäftige das Thema ihn als Bürgermeister, den Gemeinderat und die örtlichen Gremien in den Stadtteilen – „in zunehmendem Maß“.

„Da fehlen mir die Worte“

Seinen Beobachtungen zufolge handelten zwar viele Bürgerinnen und Bürger korrekt, allerdings sei „immer häufiger“ auch das Gegenteil der Fall: Gefüllte Tüten würden einfach an Feld-, Spazier- und Wanderwegen abgelegt. Der Rathauschef ist entsetzt: „Da fehlen mir als Bürgermeister und als Familienvater, der oft mit seinen Kindern in unserer schönen Landschaft unterwegs ist, einfach nur die Worte!“

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Nur wenige Sünder erwischt

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren an allen „Gassi-Strecken“ in der Stadt Spender für Hundekottüten aufgestellt – auch mit Steuergeldern, „die Bürger entrichtet haben, die keinen Hund halten“. Hinterlassenschaften jeglicher Art mitzunehmen, auch gefüllte Kottüten, und diese dann zu Hause zu entsorgen, sei Sache der Hundehalter. So, wie es sich auch bei sonstigem Müll verhalte, der beim Spazierengehen oder beim Wandern anfalle. Dies, so Zimmermann, „sollte für alle von uns selbstverständlich sein“.

Der Bürgermeister bedauert es, dass das städtische Ordnungsamt bislang nur sehr wenige „Hundekottüten-Sünder“ erwischt hat. Wer identifiziert werden kann, müsse im Einzelfall mit einem Bußgeld in Höhe von 75 Euro rechnen, bei schweren Verstößen seien bis zu 150 Euro fällig. – Die Abschreckung liegt bei null.