Einsam steht die Speaker’s Box im Schlosspark. Weil’s regnet hat die Gaildorfer Stadtverwaltung für die Präsentation des umgerüsteten Wohnwagens kurzerhand den Sitzungsaal im Rathaus geöffnet. Dort empfängt die Erste Beigeordnete Tanja Ritter zusammen mit der Jugendreferentin Pia Dahlinger die Gäste: Jugendliche, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Gemeinderätinnen Margarete John und Silke Manderscheid sowie Dr. Anneli Starzinger von der Bonner Agentur Labconcepts, Marion Lempp von der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege an der Hochschule Esslingen und Thomas Huber vom Büro für Soziokultur in Hall.

Speaker’s Box wurde mit der Spraydose bearbeitet

Die Speaker’s Box ist ein Versuch. Das Gaildorfer Jugendreferat will damit die Barrieren aufbrechen, die sich in der Arbeit mit Jugendlichen durch die strukturellen Verhältnisse ergeben. Bisher war diese Arbeit „kernstadt- und schulorientiert“, sagt Pia Dahlinger, nun aber geht’s ins Gelände: in die Teilorte und in die Nachbargemeinden – wo immer in der näheren Umgebung Jugendliche mit Bezug zu Gaildorf leben, kann die Speaker’s Box anrücken.

Jugend „Speaker’s Box“ verleiht Teenagern eine Stimme

Den gespendeten Wohnwagen hat der Künstler Gerd Metzler alias Nautcore mit der Spraydose bearbeitet. Das Gemälde auf rotem Grund zeigt eine ländliche Szenerie, eine Art zeitgenössisches Gebreughel mit Traktor, Tieren und feiernden Jugendlichen. In ein Seitenfenster ist ein Bildschirm eingefügt, auf dem Filme von Jugendlichen gezeigt werden: Dokumentationen, szenische Kurzfilme, Interviews, Videokunst. Das Film-Equipment gehört zum Inventar.

„Wir wissen nicht, wie’s ankommt“, sagt Pia Dahlinger. Dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich äußern wollen, steht allerdings außer Frage, nachdem die Referats-Mitarbeiterin Dafina Hashani Anfang 2018 durch die Stadt gezogen war, um Stellungnahmen einzuholen. Daher rührt auch die Idee der Speaker’s Box: Hashani hatte einen Pappkarton für Wünsche und Statements dabei, den sie gut gefüllt zurück brachte.

Die Speaker’s Box ist eines von bundesweit hundert Projekten, die unter 450 Bewerbern für das Programm „Miteinander Reden“ der Bundeszentrale für politische Bildung ausgewählt wurden. Ziel ist, die Teilhabe von Jugendlichen im ländlichen Raum zu stärken. Die Bildungsagentur Labconcepts koordiniert das Programm und verteilt die Mittel – Gaildorf erhält 12 000 Euro.

Gschwend

Parallel wurde ein Prozessbegleiterprogramm ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt der selbständige Kulturmanager Thomas Huber aus Schwäbisch Hall. Er wird beobachten, wie sich die Speaker’s Box entwickelt, Probleme und Konflikte definieren, das Jugendreferat beraten.

Jugendprojekt wird wissenschaftlich begleitet

Etwas der Speaker’s Box Vergleichbares gibt es nicht in dem Programm, und deshalb ist auch die Sozialforschung aufmerksam geworden. Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Kurt Möller von der Hochschule Esslingen ist Mitglied der Expertenkommission, die im Auftrag der Bundesfamilienministerin den 16. Kinder- und Jugendbericht erarbeitet. Die Speaker’s Box, sagt Marion Lempp, die Möller in Gaildorf vertritt, werde von der Hochschule für zwei Jahre begleitet. Die Ergebnisse werden sowohl in den Kinder- und Jugendbericht als auch in ein Studierendenprojekt „Jugend und Politik“ einfließen.

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