Dreißig Sekunden sind im Finale gespielt. Frankfurt hat den Ball, Zagreb lauert. Elias Kurt baut das Spiel auf, schaut sich um, spielt einen Pass nach rechts. Über Umwege kommt der Ball im Rücken der Abwehr zu Can Luca Karakas. Er schießt – drin, 1:0. Dinamo versucht nach dem Anstoß sofort zu antworten, ihr Keeper läuft nach vorne und schließt ab – geblockt. Der abprallende Ball fliegt hoch in die Luft und übers ganze Feld ins Zagreber Tor – 2:0. Wieder führen die Kroaten den Anstoß schnell aus, drängen hektisch auf den Anschlusstreffer. Die Eintracht-Spieler erobern den Ball, kontern zielstrebig – 3:0. Und das nach 90 Sekunden Spielzeit. Riesenjubel bei den Frankfurtern. Am Ende gewinnen sie ein spektakuläres Finale des 31. Jugend-Eurocups sogar mit 9:1.

Taktik-Kniffe im Aufbauspiel

Das U17-Hallenfußballturnier in Gaildorf beginnt mit den Gruppenspielen am Samstag. Früh kristallisieren sich erste Turnierfavoriten heraus. Hertha BSC spielt ballsicher und zweikampfstark, Titelverteidiger Köln überzeugt mit überlegtem Überzahlspiel in der Offensive. Auffällig: Köln nutzt in Ballbesitz unabhängig vom Spielstand einen fünften Feldspieler mit Leibchen statt dem Torwart. Andere Teams machen das zu Beginn des Turniers nur, wenn sie in Rückstand sind.

Seit ihrem zweiten Turnierspiel nutzen dieses Prinzip auch andere Teams wie die Frankfurter. „Das haben wir uns bei Köln abgeschaut“, sagt SGE-Trainer Jan Fießer. Elias Kurt spielt bei der Eintracht seither fast immer als fünfter Feldspieler bei eigenem Ballbesitz. Er baut das Spiel ruhig und ballsicher auf, passt zu seinen freien Mitspielern, trifft aber auch oft selbst aus der Distanz. „Das Ziel ist es, den ersten Gegenspieler zu überspielen, damit einer von den beiden Hinteren frei zum Abschluss kommt. Oder er spielt noch einen Pass und wir sind wieder in Überzahl“, erklärt Fießer. Das Risiko, bei einem Ballverlust ein leichtes Tor zu kassieren, bewertet er als relativ gering. Trotzdem sagt Fießer: „Diese neue Regel macht den Hallenfußball etwas kaputt. Früher war es beim Vier gegen Vier interessanter, weil die Qualität einzelner Spieler entscheidend war. Heute ist das Passspiel wichtiger.“

Der TSV Gaildorf schlägt sich achtbar, hält mit großem Einsatz dagegen – ein Tor gelingt dem Heimteam trotz einiger guter Gelegenheiten nicht. Im Neunmeterschießen um Platz elf besiegen die Gaildorfer dann den FC Thun.

Hohenloher Hallenmasters in Crailsheim FC Matzenbach macht’s wie einst vor 19 Jahren

Crailsheim

Zweiter Turniertag beim Jugend-Eurocup bietet noch mehr Spannung

Lautere Kommandos, härtere Zweikämpfe, mehr Emotionen – am zweiten Turniertag steigt die Intensität. Es geht um den Viertelfinaleinzug. Stuttgart und Frankfurt kämpfen nach je zwei Niederlagen am Vortag in Gruppe B um den letzten Platz in der Endrunde. Die Eintracht muss im letzten Gruppenspiel gegen die Kölner mindestens einen Punkt holen, um weiterzukommen – sie gewinnen. Der VfB scheidet wie Thun, Graz und Gaildorf aus.

Im ersten Viertelfinale gewinnt Antwerpen gegen Berlin im Neunmeterschießen. In der Neuauflage des Endspiels vom vergangenen Turnier trifft Köln in einer hektischen Schlussphase gegen Bayern zum 2:1-Sieg und zieht ins Halbfinale ein. Relativ ungefährdet erreichen auch Zagreb und Frankfurt diese Runde.

Mit einem beeindruckenden 6:0-Sieg gewinnt Frankfurt das Halbfinale gegen Antwerpen. Sie spielen ihre Überzahl immer wieder clever aus, sind extrem abschlussstark. Im zweiten Halbfinale dreht Zagreb gegen Köln einen Rückstand, ist willensstärker und gewinnt mit 7:4.

Nach der frühen Frankfurter 3:0-Führung im Finale setzt auch Zagreb auf einen fünften Feldspieler – die SGE spielt die Kroaten gnadenlos aus und siegt spektakulär mit 9:1. „Das kann man nicht in Worte fassen. Emotionen pur, was im Finale passiert ist. Das hätte nach den zwei Niederlagen zum Auftakt keiner gedacht“, sagt Kurt.

Der technisch versierte 16-Jährige mit einem wuchtigen Schuss wird in einem starken Team zum besten Spieler des Turniers gewählt. Auch SGE-Coach Fießer ist nach dem Finale sichtlich überwältigt: „Mein Co-Trainer und ich haben uns angeschaut und wussten gar nicht, was los ist. Der ganze Tag war Wahnsinn. Was die Jungs ab dem Viertelfinale abgeliefert haben, ist Wahnsinn. Auch wenn es in der Halle immer sehr eng ist, war es glaube ich ein hochverdienter Turniersieg. Meine Spieler haben das echt gut umgesetzt.“