Wenn Jürgen Jäckel auf eine an ihn herangetragene Bitte die Stirn in Falten legt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass er in Gedanken eine Lücke in seinem vollen Terminkalender sucht. Seine Gesprächspartner wissen dann aber auch: Er wird fündig. So auch heute, wenn er mit vielen Menschen seinen 60. Geburtstag feiert.

Der seit 2004 amtierende Ortsvorsteher des Gaildorfer Stadtteils Eutendorf ist rekordverdächtig engagiert, was die Vielzahl seiner Ehrenämter anbelangt. Wer ihm nicht unnötig Zeit stehlen will, fragt ihn nicht nach den Vereinen, in denen er Mitglied ist, sondern nach solchen, die ihn nicht in ihrer Kartei führen.

Das Organisationstalent

Das bedeutet auch, dass er  ständig unter Strom steht. Ihm mehrmals am Tag im Städtle zu begegnen, ist nicht dem Zufall geschuldet. Es gibt immer etwas zu erledigen, organisieren, besprechen – auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Gemeinderats, dem er für die Freie Wählervereinigung in der dritten Legislaturperiode angehört. Oder seit 14 Jahren als Geschäftsstellenleiter beim Motorsportclub Gaildorf. Die jährlichen Motocross-Rennen von internationalem Format binden das Jahr über einen Großteil seiner Arbeitskraft.

Gefragt ist sein Organisationstalent auch innerhalb der Altdorfer Sing- und Spielgemeinschaft, die er seit nunmehr 45 Jahren mit seiner Stimme verstärkt und deren Geschicke er seit 41 Jahren als Vorstandsmitglied lenkt, zunächst als Kassier, danach als Vorsitzender. Was ihn antreibt, ist der „Umgang mit Menschen“, wie er es bescheiden formuliert. Und für alles fühlt er sich bestens entschädigt, „wenn ich das Ergebnis sehe“ – wenn er spürt, dass sich durch sein Zutun in vielen Lebensbereichen Erfolge einstellen.

Von der Backstube in die Fabrik

Er weiß aber auch, sich im hektischen Alltag einen Ausgleich zu verschaffen. Jürgen Jäckel tut das allerdings nicht auf der Schiene des Müßiggangs: Er arbeitet als ehrenamtlicher Richter, einer der Hauptschöffen am Landgericht Heilbronn. Was er sich auch nicht nehmen lässt: Alle Eutendorfer ab 80 oder Ehejubilare bekommen von ihm Besuch. Als Ortsvorsteher lässt er es sich nicht nehmen, sich Jahr für Jahr in die Schar der Geburtstagsgratulanten einzureihen. Bis zu 100 Besuche kommen in manchen Jahren zusammen.

All das, was er heute tut, war dem umtriebigen Kommunalpolitiker und Vereinsmenschen nicht in die Wiege gelegt, die in Großaltdorf stand, wo er heute noch daheim ist. Als Jugendlicher wollte er Konditor werden. Nach der Lehre in Schwäbisch Hall arbeitete er im legendären Café Mohrenköpfle in der Gaildorfer Bahnhofstraße – „bis zur letzten Stunde“, erinnert er sich. Eine Mehlstauballergie zwang ihn jedoch zur Aufgabe.

Jäckel indes haderte nicht mit seinem Schicksal. Er wechselte nun in die Industrie – als Maschineneinsteller in Diensten der Firma Merz in Gaildorf. Das war seine letzte berufliche Station vor dem Einstieg in die Kommunalpolitik – nicht zu vergessen sein Mandat als Kreisrat, das er knapp vier Jahre lang als Mitglied der Fraktion der Freien wahrnahm – und in die vielfältige Ehrenamtlichkeit.

Sprichwörtlich ist Jäckels diplomatisches Gespür. Gemeinsam mit seinem Ottendorfer Stadtratskollegen Frank Stettner ist es ihm 2016 gelungen, die beiden Gaildorfer Teilorte Eutendorf und Ottendorf dazu zu bewegen, ihr jeweiliges 925-Jahr-Jubiläum gemeinsam zu feiern und damit eine Art Urfehde zu beenden. Dass Jäckel bei der Organisation selber kräftig mitmischte, liegt auf der Hand. Die Sparkassenstiftung zeichnete diesen Einsatz mit einem der Heimatpreise aus.

Hat jemand wie er überhaupt so etwas wie ein Privatleben? Hätte er Familie, sagt der ledig gebliebene Sechziger, würde diese sicher darunter leiden. Und er wiederum, wenn er den Trubel um sich herum nicht hätte. Und doch, sinniert er nachdenklich, wäre nach acht Jahren wieder mal ein Urlaub nicht schlecht. Vielleicht noch in diesem Jahr?

Dem Tod entronnen

Dass eine ruhigere Phase seiner Gesundheit nicht abträglich ist, weiß er, der vor 18 Jahren dem Tod von der Schippe gesprungen ist: Damals hatte ihm eine Lebertransplantation das Leben gerettet. Und Jäckel wäre nicht Jäckel, würde er sich dafür nicht erkenntlich zeigen. Er engagiert sich in einer deutschlandweit agierenden Organspende-Organisation. Natürlich ehrenamtlich.

Vom Konditor zum Ortsvorsteher


Jürgen Jäckel wurde am 4. Januar 1960 in Großaltdorf, Teilort der damals noch selbstständigen Gemeinde Eutendorf, geboren. Seinem Heimatort ist er bis heute treu. Nach der Schulzeit absolvierte er in Hall eine Lehre als Konditor und arbeitete danach im Gaildorfer Café Mohrenköpfle. Eine Mehlstauballergie zwang ihn zur beruflichen Neuorientierung – als Maschineneinsteller in der Industrie. 2004 stieg er in die Kommunalpolitik ein, wurde zum Ortsvorsteher von Eutendorf gewählt, später in den Gaildorfer Gemeinderat, dem er im zwölften Jahr angehört. Von 2015 bis 2019 war er Mitglied des Haller Kreistags. Jäckel ist als Schöffe und in vielen Vereinen engagiert.