Viel zu kurz ist die halbe Stunde, die fürs Interview angesetzt war. Das zeigt sich schon an einer der ersten Fragen, mit der Rundschau-Redaktionsleiter Jochen Höneß Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann am Sonntag im fast voll besetzten Floßfest-Zelt auf der Kocherwiese konfrontiert. Es geht ums Thema Fremdenverkehr, darum, die drittgrößte Stadt im Haller Landkreis als lebens- und liebenswerten Ort darzustellen.

Der Rathauschef nennt vor mehr als 400 Besuchern, die zur Rundschau-Aktion „Hier sind wir zu Hause“ gekommen waren, die wichtigsten Punkte: die weitere Aufwertung des Alten Schlosses als kulturelles Zentrum etwa, die Rahmenbedingungen für Radfahrer und vieles mehr. Er könnte, unterbricht er sich selber, „noch eine Stunde darüber schwätzen, wie schön es hier ist“.

Etwa über die Vielfalt des öffentlichen Lebens. Er nennt die wichtigsten Feste, die längst weit über die Stadtgrenzen hi­naus bekannt sind. Eben auch das Floßfest. Gaildorf sei „ein Veranstaltungs-Hotspot das ganze Jahr über“.

Medizinisch „gut aufgestellt“

Getrübt ist die Stimmung, als die Schließung des Krankenhauses 2012 zur Sprache kommt. Damals war er noch nicht im Amt. Darüber zu sprechen, scheint müßig. Zwischenzeitlich, so Zimmermann, seien die Stadt und das Limpurger Land durch das von der Familie Schick gebaute Ärztehaus „ganz gut aufgestellt“. Aber es fehlten noch Fachärzte, die dort „sofort einziehen“ könnten. Man sei „am Thema dran“.

Erleichtert zeigt sich der Familienvater mit Blick auf den demografischen Wandel. Das Interesse junger Familien, nach Gaildorf zu ziehen, sei groß. Was sich auch an der Einwohnerzahl zeige, die sich nach einem Aderlass vor wenigen Jahren wieder stabilisiert habe. Vermutlich auch, weil die immer mehr an Bedeutung gewinnenden Standortfaktoren stimmen. Zimmermann nennt die laufenden Investitionen in stattlicher Millionenhöhe, die sich – wenn auch indirekt – im Umfrageergebnis niederschlagen.

Nicht verstehen kann er in Leserfragen versteckte Vorwürfe an die Adresse der Stadtverwaltung, es werde „nichts“ für junge Menschen getan. Das Gegenteil sei der Fall. Der Bürgermeister nennt die erheblich erweiterten Freizeitangebote für junge Leute, die laufende Einrichtung eines Jugendhauses und vieles mehr.

Emotional wird’s beim Thema Umgehungsstraße. Zwar stehe der Eröffnungstermin 2027 noch im Raum, „aber ich glaube nicht mehr dran“. Als ärgerlich empfindet er, dass zwar Geld da sei, aber – Stichwort Personalnot im Regierungspräsidium – „niemand, der das Projekt plant“. Die Stadt „erstickt im Verkehr“, weshalb eine Entlastung „so schnell wie möglich“ gebaut werden müsse.

„Unvernünftige Zeitgenossen“

Auch Wohnraum. Denn folgt man der Umfrage unserer Zeitung, herrscht auf diesem Sektor großer Nachholbedarf. Den wolle die Stadt mit einem Mix aus Baugebieten und Bestandsflächen decken. Allein in den vergangenen Monaten hat die Stadt laut Zimmermann im Gebiet „Wörlebach VII“ 60 Bauplätze verkauft.

Mit Blick auf den Zustand des Bahnhofsareals sieht Zimmermann die Bahn AG in der Pflicht. Die Stadt hake immer wieder nach, gelegentlich sei auch der Bauhof vor Ort, um Verschmutzungen zu beseitigen. Doch der Effekt „verpufft schnell“, weil immer wieder „unvernünftige Zeitgenossen“ dort ihr Unwesen trieben. Für das Bahnhofsgebäude, das die Stadt erworben habe, „um zu verhindern, dass es noch schlechter wird“, hoffe die Stadt auf einen Investor.

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Etliche weitere Themen finden sich im Interview wieder. Manche lassen sich aus Zeitgründen nur streifen. Etwa das kleiner gewordene gastronomische Angebot – „hier wird sich in nächster Zeit etwas tun“ – oder die Raserei in der Stadt. Aber es bleiben einige Minuten für Persönliches. Die hohe Arbeitsbelastung des Bürgermeisters nimmt der Redaktionsleiter zum Anlass, nachzuhaken. Er erfährt, dass Frank Zimmermann den Beruf und die größer gewordene Familie „mittlerweile ganz gut“ unter einen Hut bringt. Dass er nach wie vor der Ansicht ist, mit seiner Kandidatur als Stadtoberhaupt die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Weitere Amtsperiode im Visier

Die Feststellung, dass er, Zimmermann, „voll im Saft“ stehe und „voller Tatendrang“ sei, gibt die Steilvorlage für die Frage, ob er sich eine weitere Amtsperiode vorstellen könne. „Selbstverständlich“, kommt es wie aus der Pistole geschossen, „werde ich mich 2022 wieder bewerben.“ Er fühle sich in Gaildorf wohl und wolle seinen Teil dazu beitragen, „unser Städtle weiter voranzubringen“.

Blick in die Zukunft

Für die Antwort auf die Frage, wo er Gaildorf im Jahr 2030 sieht, braucht es keine Bedenkzeit. Zimmermann nennt die ganze Palette der bereits ins Visier genommenen Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur. Die Umgehungsstraße werde gebaut sein, Innenstadt und Teilort saniert, das Freibad fit für die Zukunft und mit einer Rutsche ausgestattet. Kurzum: „Alles in Ordnung und in hervorragendem baulichen Zustand!“ Im Gespräch hat Gaildorfs Zukunft längst begonnen.

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