Die Veränderung fällt sofort ins Auge: Wer dieser Tage zu Fuß oder mit dem Auto die Schloss-Straße entlang geht beziehungsweise fährt, hat plötzlich eine überraschend freie Sicht auf den Schlosspark und das Rathaus. Der Grund: Im Auftrag der Stadtverwaltung wurden kürzlich mehrere Bäume gefällt – zum einen auf dem Grünstreifen am Parkplatz des Hallengeländes, zum anderen auf der Park-Seite nahe der Unterführung.

„Die Aktion fügt sich in die größere Maßnahme der Stadtverschönerung ein“, erklärt Pressesprecher Daniel Kuhn auf Nachfrage unserer Zeitung. „Im Rahmen der jährlichen Baumpflegearbeiten werden Bäume, die nicht mehr standsicher sind, entfernt. Das dient der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, der Senioren und Schülerinnen und Schüler, die sich auf diesen Flächen aufhalten und auf den Bus warten.“

Schülerin kritisiert die Fällung der Bäume

Der Bewuchs auf weiteren Flächen werde verringert, sodass „die entstehenden Areale nach dem Fräsen mit Rasen und Blumen bepflanzt werden und dadurch leichter bewirtschaftet werden können. Dadurch entstehen neue Sichtachsen zum Alten und zum Neuen Schloss und ein ähnliches Blütenmeer wie vor dem Neuen Schloss.“

Wegen der Optik und der Sicherheit wurde also die sprichwörtliche Axt an die Bäume gelegt. Unter eben jenen Schülern, deren Sicherheit laut Stadtverwaltung durch die Bäume gefährdet war, stößt das in Teilen auf Unverständnis. „Mich hat heute auf dem Heimweg fast der Schlag getroffen, als ich die abgeholzten Bäume am Rathaus gesehen habe“, schreibt uns eine 16-jährige Schülerin des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums. „Die Stadt macht ein großes Trara bezüglich ,Gaildorf soll schöner und grüner werden’, wir Schüler demonstrieren für den Umwelt- und Klimaschutz und was macht die Stadt? Große alte Bäume fällen.“

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Sanieren und integrieren?

Wenig Begeisterung löst die Aktion auch beim Naturschutzbund Gaildorf-Limpurger Land aus. Dessen Vorsitzender Karl-Heinz Johe hat keine Informationen darüber, in welchem Gesundheitszustand die gefällten Bäume waren. Und er betont auch, dass die Sicherheit von Menschen natürlich immer Vorrang habe. Aber: Wenn solche Maßnahmen der Verschönerung dienen sollten, habe er dafür kein Verständnis. „Wieso versucht man dann nicht, die Bäume zu integrieren?“ Es gebe bei kranken Exemplaren je nach Zustand auch Alternativen zur Fällung, spricht er beispielhaft die Möglichkeit einer Baumsanierung an. „Jeder Baum ist ein CO2-Speicher“, betont er. Man müsse sich auch überlegen, wie viele junge Bäume man pflanzen müsste, um einen gewachsenen Baum zu kompensieren.

In der Vergangenheit seien zahlreiche Bäume aus dem Schlosspark entnommen worden, bedauert er – und bekräftigt nochmals: „Ganz klar, Sicherheit geht vor. Aber wenn es um Verschönerungen geht, stelle ich mir das anders vor.“

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