Ein komplexes Thema mit vielen Facetten: Dr. Daniel Kuhn, Sprecher der Gaildorfer Stadtverwaltung und persönlicher Referent von Bürgermeister Frank Zimmermann, hatte zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats ein umfangreiches Arbeitspapier zum von der SPD-Fraktion angestoßenen Thema Gründerzentrum präsentiert. Eindeutige Empfehlung, der das Gremium am Ende der Debatte einstimmig folgte: Anstatt potenziellen Existenzgründern eine Gewerbehalle zu bauen oder eine leer stehende Immobilie anzubieten, soll nun eine bessere Vernetzung der Unternehmen vor Ort erfolgen, der Kontakt zum Rathaus vertieft werden.

Alles andere würde zum einen die (finanziellen) Möglichkeiten der Stadt übersteigen, zum anderen würde eine materielle Förderung der gegenwärtigen Wirtschaftslage nicht gerecht. Denn die sei, so Kuhn, „wenig gründerfreundlich“ – weil erfahrungsgemäß in guten Zeiten „nicht gegründet“ werde.

SPD-Fraktionsvorsitzende: „Dass sich was entwickelt“

Für CDU-Fraktionschef Matthias Rebel ist diese Einschätzung „nachvollziehbar“ und decke sich mit dem, was gemeinsam mit Jürgen Hinderer, der die Gaildorfer Wirtschaftsgespräche moderiert, eruiert worden sei. Rebel nannte als Beispiel Heilbronn, wo ein Fördertopf für Existenzgründer voll geblieben sei. Wenn das in einer so großen Stadt passiere, „würden wir in Gaildorf mit einer reduzierten Lösung ähnliche, wenn nicht noch schlechtere Erfahrungen machen“.

Mit Kritik am Arbeitspapier der Stadtverwaltung reagierte SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete John. Ungünstiger könne sich ein Standort nicht präsentieren, ließ sie während eines Auslandsaufenthalts durch Martin Frey dem Gemeinderat ausrichten. Die Fraktion möchte, „dass sich was entwickelt“. Was den vorgeschlagenen Gesprächskreis anbelangt, warnte sie davor, eine Art „Paralleluniversum“ entstehen zu lassen. Die am Ende vom Gemeinderat favorisierte Option sei ein erster gangbarer Anfang. Sie rate dringend dazu, eine kleine, aber feine Initiative zu entwickeln, um an Gaildorf interessierte Firmen zu akquirieren. Wobei, wie Martin Frey ergänzte, einiges davon ja nun umgesetzt werde.

CDU-Stadtrat: „In mir kocht’s“

Dass die Verwaltungsvorlage durch Margarete John „von der Ferne heraus zerrissen“ werde, ist aus Sicht von CDU-Stadtrat Günther Kubin – „in mir kocht’s!“ – nicht in Ordnung, zumal man sich „hier bemüht, etwas für die Zukunft zu machen“. Sein Fraktionskollege Rainer Baumann pflichtete ihm bei. In Gaildorf seien „hervorragende Dinge geschehen“ – etwa der Bau des Ärztehauses mit Zentralapotheke. Darauf, so Baumann, „sind wir stolz“. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das ehrenamtliche Engagement seines Fraktionschefs Matthias Rebel, ebenso darauf, „dass wir insgesamt gut gearbeitet haben“.

Die Sitzungsvorlage der Verwaltung zeugt nach Ansicht von FWV-Fraktionschef Heinrich Reh von Engagement. Im Ergebnis werde deutlich, dass die derzeitige wirtschaftliche Lage nicht für ein Gründerzentrum spreche. Dagegen sollten die Wirtschaftsgespräche „intensiviert werden und nicht im Sand verlaufen“. Dafür plädierte auch Ulrich Stahl (FWV). Allerdings mahnte er auch mit Hinweis auf die Abwanderung eines Hightechunternehmens von Unterrot nach Heilbronn zur Vorsicht. Und zur Vorsorge, denn „die nächste Krise kommt“, und dann, so Stahl, „ist es zu spät“. Sein Credo: „Man muss die Chancen suchen und nicht die Probleme.“

Daniel Kuhn stellte schließlich klar: Sein Bericht sei nicht negativ gemeint. „Wir wollen eine spezifische Unterstützung von Unternehmen“, und deshalb werde die Stadt weiterhin für die hiesigen Gewerbebetriebe „offene Ohren“ haben.

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