Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Ab sofort sind Gartenschau-Bewerbungen für die Zeit ab 2031 möglich. Im Gaildorfer Rathaus wäre man dazu bereit, wenn der Gemeinderat seinen Segen dazu gibt.

Peter Hauk (CDU) hat jetzt nach einem entsprechenden Beschluss des Ministerrats den Startschuss gegeben: Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ermuntert Kommunen im Land dazu, sich für eine große oder kleine Gartenschau in den Jahren ab 2031 zu bewerben. Aus Gaildorfer Sicht ist das ein inte­ressantes Angebot, zumal sich die Stadt im vergangenen Jahr mit ihrer ersten Bewerbung um eine „Kleine“, auch Grünprojekt genannt, nicht durchsetzen konnte. Bekanntlich haben für 2027 und 2029 Bad Urach und Vaihingen/Enz den Zuschlag bekommen.

„Wir sind dabei“

Dr. Daniel Kuhn, Rathaus-Pressesprecher und persönlicher Referent von Bürgermeister Frank Zimmermann, bestätigt unserer Zeitung den bereits im Sommer vergangenen Jahres bekräftigten Willen der Stadtverwaltung, einen weiteren Anlauf zu wagen. „Wir sind dabei“, sagt er, „sofern der Gemeinderat einer erneuten Bewerbung zustimmt.“

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Sollte das Gremium hinter diesem Ansinnen stehen, müssten die Bewerbungsunterlagen dem Ministerium bis zum 19. Dezember vorliegen. Danach geht das Ganze durch verschiedene Instanzen und wird schließlich von einer Kommission während eines Ortstermins genau unter die Lupe genommen.

Mit dem Prozedere ist man im Rathaus vertraut. Bürgermeister Frank Zimmermann hatte im April 2018 im Gespräch mit der auch mit Gartenbauexperten hochkarätig besetzten Delega­tion sämtliche Vorzüge, die Gaildorf für eine kleine Gartenschau aufzubieten in der Lage wäre, in die Waagschale geworfen. Sein leidenschaftliches Plädoyer ist anerkennend aufgenommen worden. Jedoch blieben während des Stadtrundgangs in einem Punkt letzte Zweifel.

Knackpunkt: Verkehrsbelastung

Die konzentrierten sich auf ein Problem, das seit Jahrzehnten einer Lösung harrt: die Verkehrsbelastung in der Innenstadt. Zimmermann hatte wohl vom Regierungspräsidium die Zusage bekommen, die Umgehungsstraße könnte bis 2027 fertiggestellt sein. Das wiederum erachteten einige Kommissionsmitglieder als ein unkalkulierbares Wagnis.

Obwohl die Stadt wie auch die anderen unterlegenen Kommunen nach der Entscheidung im Sommer vergangenen Jahres nicht über die Gründe für die Ablehnung unterrichtet wurden, besteht kein Zweifel daran: Der Knackpunkt war eindeutig das Thema Umgehungsstraße.

Mit Ansätzen überzeugen

Alle übrigen Bereiche schienen die Entscheidungsträger mehr oder weniger überzeugt zu haben: Sie sahen wohl viel „Unfertiges“ und erfuhren Interessantes über vielversprechende Pläne, mit denen mehr Grün in die Stadt gebracht und die angrenzenden Quartiere aufgewertet werden können. Aber gerade die Ansätze sind es, mit denen eine Bewerberkommune wuchern kann und soll.

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Konkret: Mit der Vergabe einer Gartenschau will das Land Städten und Gemeinden auch finanziell helfen, vorhandene Potenziale zu erschließen. Auf solche konnte Rathauschef Zimmermann offenbar überzeugend verweisen. Allerdings bleibt der Knackpunkt in Gestalt der Ortsumgehung. Das Fehlen einer solchen und eine nicht intensiv genug forcierte Planung haben in der Vergangenheit immer wieder wichtige Vorhaben blockiert – und die Stadtplanung insgesamt gelähmt.

Nun gibt es also eine zweite Chance, um Gaildorfs Innenstadt nebst dem Grüngürtel in Kochernähe aufzuwerten. Dies kann, wie Minister Hauk erklärt, durch das Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“ geschehen. Insgesamt stelle das Land den Gartenschau-­Kommunen der Jahre 2031 bis 2036 rund 21 Millionen Euro zur Verfügung – und zwar „für den Bau von dauerhaften Grün- und Freiflächen“.

In den vergangenen Jahren,
so Hauk, hätten Gartenschau-­Projekte nicht nur eindrucksvolle Anregungen in Sachen Grüngestaltung gegeben, sondern seien zugleich auch „erfolgreiche Auslöser umfassender Stadtentwicklungsmaßnahmen gewesen“. Vor dem Hintergrund, dass grüne Infrastruktur die negativen Auswirkungen des Klimawandels in den Städten verringern könne, so Hauk, „sind die baden-württembergischen Gartenschauen aktueller denn je“.

„Gut angelegtes Geld“

Jeder Euro sei mit Blick auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bürger „gut angelegtes Geld“. Noch heute schwärmten frühere Ausrichter über die vielen positiven Auswirkungen einer Gartenschau.

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Info

Der Zuschuss für die Landesgartenschauen im Rahmen des Landesprogramms „Natur in Stadt und Land“ beträgt aktuell bis zu fünf Millionen Euro, bei kleinen Gartenschauen bis zu zwei Millionen Euro. Es ist vorgesehen, dass die Entscheidung über den Zuschlag Mitte 2020 durch das Kabinett getroffen wird.