Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Stadtmaler Tobias Freude gestaltet ein kleines Denkmal für das Kindergräberfeld auf dem Gaildorfer Stadtfriedhof. Der Gemeinderat begrüßt das Konzept des Bildhauers einstimmig.

Sternenkinder – so werden Babys genannt, die vor, während oder nach der Geburt sterben. Wie es die poetische Definition besagt, erreichen solche Kinder, nachdem sie zur Welt gekommen sind, gleich den Himmel, die Sterne. In der Vergangenheit zeugte nichts vom kurzen irdischen Dasein dieser kleinen Geschöpfe – kein Grab, keine Gedenktafel, kein Ort der Erinnerung und Trauer für Eltern.

Inzwischen gibt es auf einigen Friedhöfen Grabstellen für sie – auch auf dem Gaildorfer Stadtfriedhof: in der Verlängerung zu den Kindergräbern unweit des Frasch-Mausoleums. Dort soll nun auf Anregung aus den Reihen der Bürger eine Stele errichtet werden – ein kleines Denkmal, mit dem das Gräberfeld entsprechend gekennzeichnet wird –, die letztlich den parkähnlichen Friedhof im Sinne der Trauernden weiter aufwertet, wie es Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats formulierte.

Kuhn hatte dazu mit dem diesjährigen Stadtmaler, dem Bildhauer Tobias Freude, Kontakt aufgenommen – mit Erfolg, wovon sich die Stadträte überzeugen konnten: Freude hatte sich an die Arbeit gemacht und Entwürfe für eine Stele gefertigt. Das Werk mit quadratischem Grundriss – 25 mal 25 Zentimeter – soll etwa 1,60 Meter hoch werden und in dieser Dimension als Teil der Gedenkstätte „zurückhaltend“ wirken.

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Stadtrat spendet 1000 Euro

Als Material schlug der Bildhauer Untersberger Marmor vor, der aus dem Grenzgebiet zwischen Berchtesgadener und Salzburger Land stammt. Die herausgearbeiteten Sterne symbolisieren nach seiner Beschreibung „die Individualität jedes einzelnen Geschöpfes“ – vertieft oder erhaben, klein- oder großschweifig. Und einen Schmetterling. Für das Werk ist ein Fundament vorgesehen; ein Edelstahldorn sorgt für die Verbindung und Sicherung des Ganzen. Rund um die Stele finden sich dem Konzept zufolge weitere im Boden eingelassene Sterne.

Auf knapp 5000 Euro sind die Kosten für Gestaltung, Entwurf und Ausführung veranschlagt, das Künstlerhonorar eingeschlossen. Diese außerplanmäßige Ausgabe – vom Gemeinderat mit dem Projekt einstimmig beschlossen – reduziert sich allerdings um 1000 Euro: SPD-Ratsmitglied und Bestattungsunternehmer Martin Frey hatte sich bereits vor der Sitzung bereit erklärt, diesen Betrag für die Stele zu spenden.

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Keine Bürokratie

Für wichtig erachten Stadtverwaltung und Gemeinderat den Umstand, dass die Stele allen auf dem betreffenden Grabfeld bestatteten Kindern gewidmet sein wird: also auch denjenigen, deren Herz bei der Geburt nicht schlägt und für die dann auch, wie es die Gesetzeslage vorsieht, deswegen keine Geburtsurkunden ausgestellt werden. Für sie, erläuterte Bürgermeister Frank Zimmermann das Konzept, wolle man einen Ort schaffen, an dem die Eltern trauern können. Die Stadt werde also dadurch „die bürokratische Differenzierung umgehen“. Dies stieß im Gemeinderat auf Zustimmung. Sein Votum verband das Gremium mit einem Dank an die Adresse von Martin Frey.

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