Man konnte die Erleichterung fast mit Händen greifen, als die Gaildorfer Stadtverwaltung vor genau einem Monat vermeldete: Das Freibad auf dem Kieselberg öffnet zum 18. Juni. Die Corona-Pandemie brachte bislang unbekannte Einschnitte im täglichen Leben mit sich; noch im April wagte kaum einer daran zu denken, dass es dieses Jahr überhaupt Badespaß unter freiem Himmel geben kann. Und so manche umliegende Gemeinde hat sich auch tatsächlich entschlossen, ihr Bad den ganzen Sommer über nicht zu öffnen.

Nun ist es mit dem Öffnen allerdings nicht getan. Ein umfassendes Hygienekonzept musste vorab erarbeitet werden, um das Risiko von Infektionen während des Badbesuchs zu minimieren. Auf dem Kieselberg sind das im Wesentlichen drei Punkte: Wer planschen will, muss vorab Karten kaufen. So werden einerseits die Kontaktdaten für die eventuell erforderliche Nachverfolgung von Infektionsketten erhoben. Zum anderen wird bei 500 verkauften Karten pro Einheit (vor- oder nachmittags) ein Riegel vorgeschoben. Darüber hinaus ist der Zugang ins Hauptbecken zahlen- und wegmäßig eingeschränkt. Und zum Dritten sind die Duschen gesperrt.

Gaildorf

Website eingerichtet

Vor allem mit den Möglichkeiten des Kartenkaufs haderte in der Folge so mancher potenzielle Badegast. Die Bestellung ist über die eigens eingerichtete Website möglich. Die Bezahlung konnte jedoch zunächst lediglich über die Dienstleister Giropay und Paydirekt abgewickelt werden. Seit geraumer Zeit ist jedoch auch ein Lastschriftverfahren eingerichtet. Und wer mit dem Bestellen übers Internet so gar nicht klarkommt, kann sich auch telefonisch auf dem Rathaus um Tickets bemühen. Das sollte jedoch, so der Willen der Verwaltung, der absolute Ausnahmefall bleiben. „Die übergroße Anzahl nutzt den Online-Weg“, erklärt Rathaussprecher Daniel Kuhn und betont: „Das Angebot ermöglicht es allen Besucherinnen und Besuchern, das Mineralfreibad zu nutzen. Die Besucherzahlen bewegen sich auf einem erfreulich hohen Niveau.“

Die meisten würden die Einschränkungen akzeptieren, berichtet Kuhn von den Erfahrungen, die die Verwaltung in den vergangenen Wochen gemacht hat. „Die mittägliche Schließung ist natürlich etwas umständlich, aber nur so gelingt es im Fall einer nachgewiesenen Infektion die zu kontaktierenden Personen auch wirklich zu erreichen, weil eben nicht alle Tagesbesucher infrage kommen.“
Freibad Murrhardt Am Donnerstag geht es los

Murrhardt

Und Bürgermeister Frank Zimmermann merkt an: „Das Gaildorfer Freibad ist eines der wenigen Bäder, das in diesem Sommer geöffnet ist. Die Gesundheit der Besucherinnen und Besucher zu schützen, ist das Wichtigste, daher sind Einschränkungen gegenüber der Vor-Corona-­Zeit nicht zu vermeiden.“ Eben jenes Konzept werde so „von ­vielen Bädern in Baden-Württemberg angewandt“, führt Kuhn ­weiter aus. „Wir sammeln nun ­Erfahrungen mit der Wirksamkeit des Konzepts, und auch die Erkenntnisse der Wissenschaft über das Virus schreiten voran, sodass wir am Ende der Saison das Corona-Konzept bewerten und dann für die nächste Saison je nach Ergebnis anpassen werden.“
Eine weitere, allerdings technische Einschränkung ist Anfang dieser Woche im Mineralfreibad hinzugekommen: Der Sprungturm ist gesperrt. Schuld ist ein Rohrbruch zwischen Turm und Becken. „Die Dauer ist abhängig vom Ausmaß des Schadens“, so Daniel Kuhn, „der Stand jetzt ist noch nicht abzuschätzen“.