Wir sind die Gernstgesehenen.“ Kai Sprung hat die Heckklappe des Gerätewagens Versorgung ausgefahren und rollt zusammen mit Jan Werner zwei große Regale mit allerlei Utensilien hinaus. Die Metallcontainer enthalten Kaffee, Besteck und Gefäße, eine kleine und eine große Kaffeemaschine, mit der man in einer Dreiviertelstunde 75 Tassen kochen kann. Ein Notstromaggregat gehört zur Ausstattung, Trinkwasser in rauen Mengen, Zelte, Zeltheizungen, Betten, ein Leuchtballon, hell genug, um einen Sportplatz auszuleuchten, und – eine mobile Toilette.

Neuer Heimathafen soll den Druck rausnehmen

Der Gerätewagen kommt kreisweit zum Einsatz. Er ist gewissermaßen das Alleinstellungsmerkmal der DRK-Ortsgruppe Gaildorf. Bei Großschadenslagen wie der Unwetterkatastrophe vor drei Jahren in Braunsbach rückt die Schnelleinsatzgruppe (SEG) aus. „Wir können ohne Vorlauf 100 Leute versorgen“, sagt Sprung, der wie sein Vereinskollege Jan Werner hauptamtlich beim DRK-­Kreisverband angestellt ist.

„Gernstgesehen“ ist die SEG auch bei den Kolleginnen und Kollegen von Feuerwehr und Polizei. Als im letzten Jahr in Crailsheim ein Amokalarm ausgelöst wurde, bauten die DRKler eine Auffangstelle auf und nahmen im Wortsinn den Druck aus der unübersichtlichen Situation. Die Toilette, so Sprung, werde in solchen Fällen sehnlichst erwartet.

Der Gerätewagen hatte bis Mitte des Jahres seinen Platz in der Gaildorfer Feuerwache. Seit Anfang Juni steht er neben dem Rettungswagen, der bisher im ehemaligen Ottendorfer Farrenstall untergebracht war, und dem Kommandowagen in der ehemaligen Feuerwache in Ottendorf direkt an der B 19. Der Audi des Notfallteams steht weiterhin in einer Garage bei der Feuerwache, er kann als Zubringer nach Ottendorf dienen. Der Mannschaftstransportwagen wartet in der Rettungswache beim ehemaligen Krankenhaus auf Einsätze.

Der Umzug beschert der Ortsgruppe vor allem mehr Platz: einen Aufenthaltsraum, eigene sanitäre Anlagen, ein größeres Lager und potenziell auch einen Schulungsraum im Dachgeschoss, der allerdings noch von der Feuerwehr als Lager genutzt wird – ob er irgendwann frei wird, ist offen. Schulungen finden deshalb auch nach wie vor im DRK-Raum im Alten Schloss in Gaildorf statt, für praktische Übungen aber kann man jetzt die Freifläche vor dem Ottendorfer Magazin nutzen.

Die logistische Situation sei über Jahrzehnte unbefriedigend gewesen, befinden die Gaildorfer DRKler um ihren Vorsitzenden Sebastian Wagner. Zwar habe man immer wieder nach zentralen Lösungen gesucht, sei aber an den Kosten gescheitert – das DRK finanziert sich vor allem durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Der Umzug ins ehemalige Ottendorfer Magazin ergab sich, nachdem die Gaildorfer Wehren in der Feuerwache Süd konzentriert wurden – der Platz dort reichte schlicht nicht mehr aus, das DRK musste weichen.

Schwäbisch Hall

Keine Ausgleichszahlungen für DRKler

Über aktuell 35 ehrenamtlich tätige Aktive verfügt die Gaildorfer Ortsgruppe, die neben der Schnell­einsatzgruppe auch ein Helfer-vor-Ort-Team stellt, das die Zeit bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungskräften überbrücken kann. Anders als bei der Feuerwehr sind Arbeitgeber nicht verpflichtet, DRKler für Einsätze freizustellen, auch Ausgleichszahlungen gebe es nicht, sagt Sprung. Über die Freistellung müsse man mit den Arbeitgebern halt reden, meint der Bereitschaftler Markus Frank, der als Kfz-Mechatroniker arbeitet. In der Regel aber stoße man auf Einsicht: Den meisten Arbeitgebern sei bewusst, was es bedeute, wenn bei einem DRK-Bereitschaftler der Piepser losgeht.

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