Stille Helden rocken Gaildorf“ – das Motto zum Konzert der „Dorfrocker“ auf der Kocherwiese bestimmt schon seit Wochen das öffentliche Leben in der Stadt. Still war an diesem Abend eher das Publikum, das durch eine Auslosung der Stadt Gaildorf den Konzertbesuch genießen durfte. Im Gegensatz zur Dorfrocker-Band, die sich lautstark Gehör verschaffte und damit versuchte, die durch die der Corona-Pandemie geschuldeten Schutzvorkehrungen etwas verhaltene Stimmung auf dem Areal aufzumischen.

Zusammen mit der Feuerwehr hatte es die Stadtverwaltung an nichts fehlen lassen, um Zugangskontrollen, Abstandsregelungen und die Versorgung der Gäste sicherzustellen. Perfekt wie bei großen Konzerten unter freiem Himmel erfolgte die Einweisung der Besucher auf die Parkplätze am Hallengelände von den Feuerwehrkameraden. Klare Regelungen auch beim Eingang zum Gelände: Ohne Handdesinfektion an den bereitgestellten Automaten und an der Registrierung ging nichts. War die Taschenkontrolle anstandslos passiert, stand dem vergnüglichen Abend nichts mehr im Wege – eigentlich.
Doch auch auf der Kocherwiese sahen sich die Gäste mit geregelten „Gehwegen“ und nummerierten Sitzgelegenheiten auf Distanz positionierten Kartonboxen konfrontiert. Bodenmarkierungen und Wegweisungen zu den Sitzplätzen erinnerten eher an einen Verkehrsübungsplatz. Alles perfekt gekennzeichnet von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs.

Abstand statt Nähe

Die aktuell gelockerten Abstandsregeln erlaubten, die ursprünglich auf 98 limitierten Plätze auf 150 zu erhöhen. Dennoch wollte City-Manager Ruben Kehl auf Nummer sicher gehen und ließ zwischen den Plätzen einen zwei Meter Abstand einrichten. Der sich im Lauf des Abends teilweise verringerte, nachdem die Dorf­rocker gleich zu Auftrittsbeginn auf die haushaltsbezogene zulässige Nähe verwiesen.

Wohlweislich, denn die Band wusste sehr wohl um bessere Stimmung bei Nähe. Trotz aller Bemühungen konnten die Rocker-Brüder Markus, Tobias und Philipp Thomann aus dem Fränkischen die gewohnte Dorfrocker-Stimmung nicht auf Hochtouren bringen. Immerhin folgte das Publikum den Aufforderungen zum rhythmischen Mitklatschen oder Schunkeln zu den Songs. Ohrwürmer aus Pop- und Rockmusik hatte die Band mit eigenen lebensnahen Texten aus dem Dorfleben und der weiten Welt bemäntelt. Den eingefleischten Fans gut bekannt.
Zu jedem Lied konnten die Jungs Geschichten auftischen, ob man sie glaubt oder nicht. Dabei nahmen sie sich gegenseitig schon mal gehörig auf die Schippe wie bei „Mettbrötchen“. Ihrer Oma Hanna widmeten die drei ein besonderes Lied, mit dem sie auch Grüße an die Seniorenheime schickten.

Hymne für die Feuerwehr

Mit Lieblingssongs und Klassikern des Rock ’n’ Roll zündeten die Musiker ein musikalisches Feuerwerk, an dessen Ende die rockenden Dorfkinder mit Zugaben und einer Hymne an die Blaulichtorganisationen das Stille-­Helden-Konzert beendeten. Damit erfüllten sie einen Wunsch der Kameraden der Gaildorfer Feuerwehr, die die Gäste an dem warmen Abend auf der Kocherwiese mit Getränken versorgten.

Ein dankbarer Bürgermeister und ein Kartoffeln schälender Dorfrocker


Zwischen Klamauk und Späßen ließ Bürgermeister Frank Zimmermann das Publikum wissen, dass ihm und der Stadt das Konzert deswegen am Herzen liege, um den vielen Menschen zu danken, die während der einschneidenden Pandemie-Maßnahmen in vielerlei Hinsicht die Grundbedürfnisse, die Sicherheit und das Leben am Laufen hielten. Sie alle seien „stille Helden“, denen sein besonderer Dank gelte. „Auch das kulturelle Leben im ganzen Land leidet an den Folgen der Pandemie“, meinte Zimmermann. Es sei nun aber an der Zeit, dieses schrittweise wiederzuerwecken. Dazu sollte das Konzert der Party-Rockband beitragen. Keine leichte Zeit liegt auch hinter den Dorfrocker-Brüdern und ihrer Band: keine Auftritte, kein Geld – er sei im Keller gesessen und habe Kartoffeln geschält, scherzte Tobi. Dann ließen sie es wieder krachen. kr