Es geht weiter – in Theorie und Praxis: Die jüngsten Lockerungen der baden-­württembergischen Landesregierung bei den Corona-Beschränkungen erlauben Fahrschulen seit Montag, wieder Unterrichts- und Fahrstunden anzubieten. Auch für die Fahrschulen in Gaildorf ist das freilich eine gute Nachricht, haben sie doch eine lange Durststrecke ohne Einnahmen hinter sich. Seit Mitte März blieb die Kundschaft zwangsweise aus.

In den vergangenen Tagen, als sich die Lockerung abzeichnete, klingelte auch bei Eberhard Herb vermehrt das Telefon. „Es gab sehr viele Nachfragen“, berichtet der 66-Jährige, der seit 1989 mit seiner eigenen Fahrschule am Markt ist. Der Gaildorfer ist erleichtert, dass die Zwangspause nun vorüber ist. Direkt am Montagvormittag war er zur ersten Fahrstunde unterwegs. Und die gestaltet sich nun ein wenig anders als in der Zeit vor der Krise. So sieht die Verordnung vor, dass Fahrschüler und -lehrer während der Fahrt Schutzmasken tragen müssen. Weitere Personen dürfen nicht mitfahren, es sei denn, ein Prüfer fährt zum Ende der Ausbildung am Lenkrad hinten mit. Darüber hinaus muss nach jeder einzelnen Fahrt der Fahrerbereich desinfiziert werden. „Der nahtlose Übergang von Fahrschüler zu Fahrschüler klappt damit nicht mehr“, so Herb. Eine Viertelstunde gehe jeweils fürs Desinfizieren drauf.

Sulzbach-Laufen

Für die Fahrschulen laufen die Kosten weiter

„Die Vorbereitungen für den Neustart laufen seit letzter Woche“, berichtet Jürgen Schmidt von der Fahrschule Bigfoot, die im Limpurger Land, in Hall und im Bühlertal mehrere Standorte hat. Die zwangsweise Schließung habe schon wehgetan, sagt er, schließlich liefen die Kosten für die Fahrzeuge und die Miete weiter. Nun vereinbart er mit seinen Fahrschülern Treffpunkte in den jeweiligen Orten und erstellt Listen für die Unterrichtstermine, die die Verkehrsanfänger per Whatsapp bestätigen können. „Am Anfang ist das mit den Masken noch ganz lustig“, meint Jürgen Schmidt, doch wie er das auf Dauer gestalte, da wolle er keine Prognose wagen. Stattdessen weist er auf ein weiteres Problem hin: Der Zweiradunterricht gestaltet sich unter den neuen Hygienebedingungen ebenfalls schwierig. Wo früher selbstverständlich Helme und Schutzkleidung von der Fahrschule für die praktischen Einheiten verliehen wurden, müssen die Fahrschüler heute ihre eigene Schutzausrüstung mitbringen.

„Die Hygienestandards sind eine Herausforderung“, resümiert Ali Uygun von „Eda’s Fahrschule“. Und dennoch ist er erleichtert, dass es weitergeht. „Ohne staatliche Hilfen hätten wir die vergangenen acht Wochen nicht überstanden.“ Er betrachtet die neue Situation mit gemischten Gefühlen. Denn bei aller Freude darüber, dass das Geschäft weiterläuft, weiß der Inhaber: Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Reichen die Schutzmaßnahmen aus, um eine Ansteckung zwischen Fahrlehrer und -schüler auszuschließen? Das werden wohl die nächsten Wochen zeigen.