Etwa sechs Wochen lang blieben in Gaildorf die Türen vieler Einzelhandelsgeschäfte wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Wie in ganz Baden-Württemberg mussten ab dem 18. März alle schließen, die nicht dem dringenden Bedarf der Bürger dienen. Ab dem 20. April konnten Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder öffnen. Drei Tage später war es den Läden auch erlaubt, Bereiche bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern abzutrennen und zu öffnen. Seit Montag dürfen nun Geschäfte unabhängig von der Verkaufsfläche öffnen. Für alle gelten spezielle Hygiene- und Abstandsregeln. Zum Beispiel müssen Kunden und Verkäufer, die nicht hinter einer Schutzvorrichtung arbeiten, eine Maske tragen.

Seit dem 20. April hat das Sportgeschäft Sport Roth wieder geöffnet. Am Eingang stehen Desinfektionsmittel und Masken bereit. An der Ladentheke gibt es einen Spuck-Schutz. Die Mitarbeiter desinfizieren jede Stunde die Ladentheke und das EC-Kartenlesegerät, tragen selbst eine Maske. „Für die Hygienemaßnahmen gibt es ein sehr großes Verständnis bei den Kunden“, sagt Inhaber Peter Roth. „Wir schauen, dass wir ausreichend Abstand zu den Kunden halten. Manchmal ist das beim Verkaufen aber auch schwierig, wenn zum Beispiel jemand einen Schuh anprobiert.“

Finanzielle Einbußen

Roth sagt: „Es kommen lange nicht so viele Kunden wie zuvor.“ Aber auch unmittelbar nach Beginn der Pandemie und vor der Schließung hätten bereits weniger Bürger eingekauft. Am Tag des Neustarts seien sehr viele Kunden im Laden gewesen, danach deutlich weniger. „Die Leute kommen, wenn sie unbedingt etwas brauchen, aber nicht nur zum Schauen.“ Weil Fitnessstudios geschlossen sind und der Spielbetrieb in Sportvereinen eingestellt ist, „bleibt für uns vor allem Lauf- und Wanderzubehör zum Verkaufen“, sagt Roth. Durch die Schließung habe es „ganz klar Einbußen“ gegeben. „Dafür hat bei uns das Online-Geschäft angezogen. Aber der finanzielle Einbruch ist da.“

In die Buchhandlung von Gabriele Schagemann darf derzeit immer nur ein Kunde hinein. „Es kommen momentan weniger Leute, es sind auch einfach weniger Menschen auf der Straße“, sagt sie. Was sie beobachtet: „Die Kunden sind auch kürzer im Laden.“ Einige würden sich telefonisch beraten lassen und dann beim Kauf weniger lange in ihrem Laden bleiben. „Aber die Grundtendenz ist vorsichtig optimistisch. Die Leute sind froh, dass die Läden wieder offen haben und man einigermaßen normal einkaufen kann.“ Und: „Vielen ist es wichtig, dass sie uns wieder unterstützen können. Vielleicht hat auch der eine oder andere gesehen, wie es ist, wenn die Läden zu sind und man nur noch bei reinen Onlinehändlern bestellen kann.“

Per Telefon oder Internet konnten die Bürger bei Schagemann Bücher bestellen, als ihr Laden geschlossen war. „Wir haben dann einen Weg gefunden, wie die Bücher zum Kunden kommen.“ Viele Bücher habe sie verschickt oder Kunden hätten sie vor der Tür abgeholt. Viele Menschen hätten ihr Dankeskarten geschrieben oder ihr Schokolade in den Briefkasten geworfen. „Das ist natürlich toll als Anerkennung.“

Als ihre Buchhandlung geschlossen war, habe sie „ein bisschen Umsatz gehabt, aber das ersetzt natürlich keinen offenen Laden“, sagt Schagemann. „Die erste Beruhigung war die Soforthilfe, die ich bei der IHK beantragt habe. So konnte ich die Grundkosten bezahlen.“ Wie sich die Situation finanziell auswirke, könne sie erst am Jahresende sagen. Das hänge auch davon ab, ob die Beschränkungen wieder verschärft werden und ob die Bürger mehr bei Onlinehändlern kaufen.

Mannheim

Beim Spielwarengeschäft Wiedmann in Gaildorf laufe das Geschäft „besser als zunächst befürchtet, aber schlechter als zuvor“, so Geschäftsführer Matthias Wiedmann. Unmittelbar nach der Wiedereröffnung seien sehr viele Kunden gekommen. „Das hat sich dann aber relativiert.“ Die finanzielle Situation sei „extrem belastend. 100 Prozent unseres Umsatzes sind weggefallen. Man braucht verständnisvolle Vermieter und muss mit Geschäftspartnern sprechen.“ Für die Spielwarenbranche sei Ostern außerdem wie ein „kleines Weihnachten“, sagt Wiedmann. „Diesen Umsatz holen sie nicht mehr rein.“ Wie hoch der finanzielle Schaden sei, sei noch nicht absehbar und hänge von der weiteren Entwicklung ab. „Aber das Jahr 2020 wird mit Sicherheit nicht in guter Erinnerung bleiben.“

Lieferservice besteht weiterhin

Mit der Kundenzahl zufrieden ist Anke Diem-Weidner vom Schuhhaus Diem. „Den Monat, in dem wir geschlossen hatten, holt man natürlich nicht mehr rein. Aber die Leute nehmen es an und kommen. Sie unterstützen den Einzelhandel“, sagt sie. Das sei auch wichtig. „Auf die Kunden kommt es an, wie es für den Einzelhandel weitergeht.“ In den ersten Tagen, an denen die Maskenpflicht galt, seien etwas weniger Menschen gekommen. „Vielleicht waren sie noch etwas gehemmt. Aber mittlerweile ist es eingespielt und auch das Einhalten der Abstandsregeln klappt gut.“

Die Zeit, als das Schuhhaus geschlossen war, sei „finanziell nicht einfach“ gewesen, sagt Diem-Weidner. „Wir mussten bestellte Ware abnehmen. Uns fehlt natürlich jetzt dieser Umsatz zum Saisonstart.“ Während des Schließungszeitraums richtete das Schuhhaus einen Lieferservice ein. Den gibt es auch weiterhin.