Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Die Gaildorfer Bibliothekarin Sabine Rombach gibt Einblick in ihre Arbeit. Sie wünscht sich die Stadtbücherei als „Wohlfühlort“ für die Bürger.

Beifall erntet Sabine Rombach an diesem Mittwochabend im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses. Der Gaildorfer Gemeinderat ist mit dem, was die Leiterin der Stadtbücherei und ihr dreiköpfiges Teilzeit-Team im vergangenen Jahr geleistet hat, sehr zufrieden.

Sabine Rombach war zur Ratssitzung gekommen, um Einblicke in ihre vielfältige Arbeit zu gewähren – und um eine Lanze zu brechen fürs Lesen, für Bibliotheken als „öffentliche, nicht kommerzielle Lern- und Bildungsorte“, die zur kommunalen Daseinsvorsorge zählten.

Große Herausforderungen

Auch die Stadtbücherei habe die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angenommen, entwickle neue Angebote, Konzepte und Vermittlungsformen, verbinde erfolgreich analoge und digitale Anwendungen. Die Bedeutung von Bibliotheken „als realer Treffpunkt für Austausch und Kommunikation, zum Lernen und Lesen“ sieht sie im Wachsen begriffen.

Die Bibliothekarin hatte für ihren Bericht umfangreiches Zahlenmaterial aufbereitet. So standen im vergangenen Jahr insgesamt 21 000 Medien – neben Büchern auch Zeitschriften und DVDs – im Angebot. Insgesamt 61.000-mal wurde davon Gebrauch gemacht, wobei etwa ein Drittel der Leserinnen und Leser in den umliegenden Gemeinden daheim sind. Fast 9000 Nutzungen beziehen sich auf die „Onleihe“, also den virtuellen Bestand, der fast drei Mal so umfangreich ist wie die Medien, die in den Regalen stehen.

Statische Probleme im Ostflügel des Gaildorfer Alten Schlosses zwingen zur Änderung der Pläne für eine künftige Nutzung. Auch das Finanzierungskonzept muss überarbeitet werden.

Pro Tag hatte das Bücherei-­Team im Durchschnitt 294 Entleihungen zu bearbeiten. Das ist auf den ersten Blick viel, entspricht allerdings einem leichten Minus von 1,75 Prozent, wie Sabine Rombach bedauert. Allerdings scheint hinsichtlich der Leserentwicklung ein seit acht Jahren anhaltender Trend gestoppt zu sein. Gegenüber 2017 registrierte sie wieder einen Zuwachs um 8,5 Prozent auf 1334 Leser.

Dass die Zeiten, in denen Bibliothekare warten, bis Leser ins Haus kommen, längst vorbei sind, ist auch der Gaildorfer Bücherei mit zu verdanken, die sich im Lauf der Zeit zum multimedialen Dienstleister entwickelt hat. Allein im vergangenen Jahr gab es 44 Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern. Dazu zählen Kindertheater-Vorstellungen und eine Lesehow, die Treffen der „Bücherbabys“, wie sich Gaildorfs „einzige literarische Krabbelgruppe“ nennt.

Anreize für Schüler schaffen

Darüber hinaus ist die Stadtbücherei zur Stelle, wenn für junge Gaildorfer die Schulzeit beginnt: Gemeinsam mit der Buchhandlung Schagemann verteilt Sabine Rombach seit sieben Jahren an alle Erstklässler eine Lesetüte mit Buchgutscheinen, einem Anmeldeformular für die Stadtbücherei.

Die Umgebung des Gaildorfer Alten Schlosses soll zum „Wohlfühl-Bereich“ der Innenstadt werden. Das Sanierungsgebiet „Stadtmitte V“ wird neu definiert.

Aber auch für ältere Schüler gibt es Anreize zum Lesen, etwa im Rahmen von Bibliotheksbesuchen der Zweitklässler oder einer „spielerischen Begegnung mit Literatur“ für Drittklässler und mit dem „Bibliotheksführerschein“ für Viertklässler. Auf Sabine Rombachs langer Liste stehen Klassenführungen für Gymnasiasten oder Recherchetraining für Realschüler. Oder die landesweite Aktion „Heiß auf Lesen“ in den Sommerferien.

Blick nach Skandinavien

Als die „Bücherfrau“ über Perspektiven sinniert, gerät sie mit Blick nach Skandinavien ins Schwärmen. Büchereien seien dort längst flexible Kultur- und Veranstaltungsorte mit einem vielfältigen Dienstleistungsangebot. Sie wünsche sich einen Wandel vom „Ort der Ausleihe“ hin zu einem „Ort des Verweilens, des Begegnens und der Weiterbildung“, zu einem „Zentrum der Gemeinde, einem kommunalen Wohlfühlort“. Wobei die Gaildorfer Einrichtung, räumlich betrachtet, dazu „nur bedingt geeignet“ sei.

FWV-Fraktionschef Heinrich Reh räumt ein, über die „beschränkten Möglichkeiten“ Bescheid zu wissen. Es gelte deshalb, „aus dem, was wir haben, das Beste zu machen“. Matthias Rebel, Vorsitzender der CDU-Fraktion, sieht das etwas anders: „Wir müssen Fantasie aufbringen und eventuell das skandinavische Modell überdenken.“ Denn „in den nächsten fünf Jahren wird es Thema sein“.

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