„Mittwoch ist Lockdown und ich habe mir einen Spielzeuggutschein gewünscht, um meinem Sohn etwas zu Weihnachten zu kaufen. Reicht das noch?“ So wie die alleinerziehende Mutter eines Siebenjährigen riefen am Montag vergangener Woche etliche Menschen an, heißt es in einer Mitteilung des Diakonieverbands. Sie alle hatten sich bei der „Wunschbaumaktion 2.0“ von Evangelischem Jugendwerk und Diakonieverband Schwäbisch Hall in Gaildorf einen Gutschein gewünscht.

Im Jugendwerk geht’s rund

An jenem Montagmorgen ging’s denn auch rund im Jugendwerk: schnell noch die letzten Gutscheine kaufen, Umschläge befüllen, frankieren und ab die Post. Dienstag hatten die meisten Beschenk­ten ihre Gutscheine im Briefkasten und konnten noch einkaufen gehen.
Als klar war, dass die übliche Aktion mit Wunschbaum und Geschenkausgabe bei Tee und Plätzchen in diesem Jahr nicht möglich sein wird, wurde im Oktober eine neue Aktion ins Leben gerufen. Statt Geschenken sollten Menschen mit wenig Geld sich Gutscheine wünschen können – und zwar von Gaildorfer Geschäften, um auch diese in Zeiten der Krise zu unterstützen.
Das kam bei den Gaildorfern offenbar gut an. Mehr als 12.000 Euro an Spenden für Wünsche von bedürftigen Menschen kamen bei der Aktion zusammen und auch darüber hinaus wurde gespendet, berichtet Familienreferent Simon Schreiber vom Jugendwerk.
Somit konnten für die rund 440 Menschen, die sich etwas gewünscht hatten, Gutscheine im Wert von je 30 Euro eingekauft werden. Darunter Spielzeug- und Friseurgutscheine, Gutscheine für Heizmaterial oder für einen Besuch im Café, „wenn das mal wieder geht“. Die überwiegende Zahl vor allem der Familienwünsche waren jedoch Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheine. „Das zeigt, wie groß die Not ist“, sagt Petra Zott vom Diakonieverband. „In diesem Jahr gab es einen Wunsch pro Haushalt. Und wenn sich alle auf einen Wunsch einigen müssten, bleibt eben nur das Nötigste übrig.“ Umso mehr freuten sich Familien wie auch Alleinstehende über die Büchergutscheine, die die Organisatoren zusätzlich in die Umschläge steckten. „Ich habe mir gleich ein Buch gekauft. Woher wusstet ihr nur, dass ich so gerne lese?“, freute sich eine ältere Dame, die auch zur Lebensmittelausgabe des Diakonieverbands kommt.
Kunden dieser Lebensmittel­ausgabe im „Treffpunkt Kauf und Rat“ in der alten Stadtschule, Klienten der Beraterinnen im Diakonieverband und von anderen Diensten sowie Menschen, die die Pfarrer im Bezirk vorschlugen, sind in diesem Jahr die Menschen hinter den Wunschzetteln. Sie alle sind Menschen, die wenig Geld haben und die die Corona-Krise – etwa durch Jobverlust – oft doppelt getroffen hat.
Vor allem die Solidarität der Gaildorfer freut die Beschenkten. „Dass es noch Menschen gibt, die an andere denken und denen wir nicht egal sind – das ist das größte Geschenk“, sagt eine ältere Dame.