Verzögern wird sich der weitere Eingriff ins Stadtbild: Der Abriss des Retter-Gebäudes am Gaildorfer Alten Schloss, ursprünglich für den April vorgesehen, wird vermutlich erst im November vollzogen, wie Rathaussprecher und Kulturamtsleiter Dr. Daniel Kuhn auf Anfrage berichtet. Es ist aber nicht damit getan, die Bagger einfach beißen zu lassen: Aus Gründen des Denkmalschutzes muss äußerst behutsam vorgegangen werden.

Unter fachlicher Aufsicht

Die in der Vergangenheit – zuletzt etwa vor einem halben Jahrhundert – mehrmals umgebaute und erweiterte Immobilie selber steht nicht unter Schutz, allerdings gründet diese im Schlossgraben, ruht teilweise auf der südlichen Grabenmauer und ist mit dem früheren Fruchtkasten (heute Stadtbücherei) verbunden. Der wiederum auf einem Rest der alten Stadtmauer steht. Der Abbruch muss also „fachlich begleitet“ werden, wie Daniel Kuhn vor wenigen Monaten die Maßnahme erläuterte.
Anders als das einstige Nachbargebäude, das 1532 erbaute und 1967 abgetragene „Neue Haus“, das spätere königliche Kameralamt und Schulgebäude, wird der kleinere Komplex nicht durch einen Neubau ersetzt. Um das bestehende Bauwerk nutzen zu können, wären erhebliche Investitionen nötig, was sich „wirtschaftlich nicht darstellen“ ließe, wie es Bürgermeister Frank Zimmermann einmal betonte.

Der neue „Schlossplatz“

Das heißt: Das Areal, wo das Haus – das der Stadt gehört – noch steht, soll gemeinsam mit dem Schlossgraben grundlegend neu gestaltet werden und damit auch das Schloss insgesamt aufwerten. Die Planungen für diesen neuen „Schlossplatz“ laufen.
Mit dem Abbruch wird sich auch der Grundriss des Schloss-Ensembles, wie er in der ersten maßstabsgetreuen Flurkarte aus dem Jahr 1831 dokumentiert ist, grundlegend verändern. Die bisherigen historischen Nutzungen sind bis zum großen Stadtbrand  1868 nur vage dokumentiert. Im 1870 angelegten städtischen Feuerversicherungsbuch wird das heutige Retter-Haus als das „ehemalige Schweizerhaus am Burghof“ genannt. Von dort aus erfolgte einstmals die Versorgung des Schlosses mit Lebensmitteln. Der vordere Teil war im 19. Jahrhundert die Metzgerei von Christoph Maurer, der sein Geschäft anno 1872 an den Messerschmied Christian Retter verkaufte. Retter wird ab 1899 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn, dem Buchdrucker Wilhelm Volz, als Eigentümer genannt, ab 1906 Hermann Retter.
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Mehrmals umgebaut

Der hintere Teil – im Gegensatz zum vorderen zweistöckigen noch einstöckig – gehörte ab 1873 der Stadtgemeinde Gaildorf, ab 1876 dem Briefträger Hermann Hirth und ab 1894 dem Sattler Georg Scheu. Zuvor war das Anwesen als Wohnung für den Kameralamtsdiener genutzt.
In der Folgezeit wurde der Gebäudekomplex – zuletzt Wohn- und Geschäftshaus der Familie Retter – mehrmals verändert und aufgestockt, das Flach- durch ein Satteldach ersetzt. Alte Ansichten, neben wenigen historischen Belegen dazu im Stadtarchiv verwahrt, dokumentieren den Wandel. Und auch das aktuelle Bild wird bald Geschichte sein.