Seit fast zwei Jahren beschäftigt sich die „Kommission Verbandsstruktur“ unter dem Vorsitz des WFV-Vizepräsidenten Steffen Jäger und des Spielausschuss-Vorsitzenden Harald Müller mit den Strukturen des Württembergischen Fußballverbandes. Jetzt hat sie ihren Abschlussbericht vorgelegt. In einer Video-Konferenz stellten die Vorsitzenden die Ergebnisse vor:

  • Die Kommission ist einstimmig der Meinung, dass das aktuelle Spielsystem nicht mehr zukunftsfähig ist und daher weiterentwickelt werden muss.
  • Die Kommission empfiehlt mehrheitlich die Änderung auf das Modell 1-4-12.
  • Die Kommission empfiehlt einstimmig die ursprüngliche Va- riante 1-4-12 a (Schorndorf bleibt beim Bezirk Rems-Murr) und die geänderte Landesliga-Einteilung (Stuttgart zur Staffel 2, Donau-Iller zur Staffel 4) der Va- riante 1-4-12c.
  • Die Kommission empfiehlt mehrheitlich, die Verbandsstruktur an das neue Spielsystem mit zwölf Bezirken anzupassen. Sind Spielsystem und Verbandsstruktur einheitlich, ergibt sich eine einfache und verständliche Organisation.

An Zeitplan festhalten

„Wir wissen, dass in der Fußballwelt in Württemberg derzeit andere Themen drängender zu beantworten sind“, so der WFV-Vizepräsident Steffen Jäger bei der Video-Konferenz. „Wir haben uns die Frage gestellt, wann ist ein richtiger Zeitpunkt trotz oder wegen Corona diesen Abschlussbericht vorzustellen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es auch in einer so einschneidenden Zeit für den Fußball trotzdem wichtig ist, den Blick in die Zukunft nicht zu vergessen. Wir haben auch entschieden, an dem Zeitplan festhalten zu wollen.“ Das bedeutet, dass der Vorschlag der Kommission 2021 dem – nur alle drei Jahre stattfindenden – regulären Verbandstag vorgestellt wird. „Ich glaube, dass sich die Ergebnisse nach fast zwei Jahren fundierter Arbeit in der Kommission aber auch mit den Vereinen sehen lassen können.“ Jäger geht davon aus, „eine sehr gute Grundlage für die weiteren Beratungen im WFV auf den Tisch legen zu können.“

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Dem WFV-Vizepräsidenten war es bei der Video-Konferenz wichtig zu betonen, dass beim Verbandstag 2018 der „Auftrag zur Überprüfung und ggf. Änderung der Verbandsstruktur“ mit einer großen Mehrheit gefasst worden ist. Jäger sieht in diesem Beschluss die Basis für die Arbeit der Kommission, die zu dem Ergebnis kommt, dass „das aktuelle Herren-Spielsystem nicht mehr zukunftsfähig ist und daher weiterentwickelt werden muss“.

Zwei verschiedene Dinge

Genau hier setzt ein Teil der Kritik an den Ergebnissen der Kommission an: Laut Leitantrag sollte die Verbandsstruktur überprüft werden und nicht das Spielsystem. Diese Frage stellte Hartmut Megerle (Bezirksspielleiter Hohenlohe) bei der Regionalkonferenz im November in Heilbronn-Frankenbach. Der Spielausschuss-Vorsitzende Harald Müller blieb die Antwort schuldig – aus Megerles Sicht. Für den Spielleiter sind es zwei verschiedene Dinge: der Auftrag (Verbandsstruktur) und was die Kommission daraus machte (Spielstruktur). Für die Kommission ist es dagegen die logische Reihenfolge einer Entwicklung – womit sie wohl die Frage von Megerle beantwortet sieht.

Die Kommission sieht das aktuelle Spielsystem mit 16 Bezirksligen als „nicht zukunftsfähig“ an, mit 12 Bezirksligen  dagegen schon. So würden aber die Zahl der Bezirke und der Bezirksligen voneinander abweichen. Hieraus wird die Notwendigkeit einer Anpassung der Verbandsstruktur abgeleitet – was heißt, aus den 16 müssen 12 Bezirke werden. „Sind Spielsystem und Verbandsstruktur einheitlich, ergibt sich eine einfache  und verständliche Organisation“, heißt es in dem Bericht. Für die Kritiker zäumt der WFV das Pferd damit von hinten auf. Ohne eine Änderung des Spielsystems sei auch keine Änderung der Bezirksstrukturen notwendig.

206 Mannschaften

Die Kommission versucht in ihrer Argumentation mit Zahlen zu überzeugen. Das gelingt aber nur bedingt: Beispielsweise wird in einer Grafik der Rückgang der Mitglieder bei Amateurvereinen dargestellt. Diese beschreiben einen Absturz der Zahlen in den vergangenen Jahren von 482.547 (2015) auf 470.264 (2018). Das ist ein Minus von 12.283 Mitgliedern – für die Kommission ein Grund zum Handeln. In Prozent sind das aber gerade 0,6 Prozent pro Jahr.  Ein wesentliches Ziel der Kommission war die Angleichung der Zahl der Mannschaften. Die reicht derzeit von 71 aktiven Teams  im Bezirk Riß bis zu 142 (Ostwürttemberg). Nach dem neuen Konzept ist Ostwürttemberg Schlusslicht und Rems-Murr/“Rest-Hohenlohe“ mit 206 neuer Spitzenreiter – der damit die maximale Zahl an Teams für das „idealtypische Spielsystem“ von 190 überschreitet. Das Gebiet des neuen Bezirks würde von Schrozberg  bis nach Fellbach reichen.

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Der WFV-Vizepräsident Steffen Jäger räumte ein: Natürlich könne man immer auch der Meinung sein, dass andere Modelle die besseren wären.  Der Kommission sei es aber darum gegangen, „unter objektiven Gesichtspunkten zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten, (...) die einen attraktiven Spielbetrieb gewährleisten“.

Fachlich orientierter Bericht

Die Lösung sehen Jäger und die Kommission nur in der neuen Struktur 1-4-12 mit einer Verbandsliga, vier Landesligen und nur 12 statt 16 Bezirken. Und Jäger geht davon aus, dass die Mehrheit der Vereine im Land ähnlich denkt. Zwar seien die Abstimmungen bei den Regionalkonferenzen nicht immer als repräsentativ anzusehen. Wenn sich aber nur drei Prozent für die Beibehaltung des Spielsystems aussprechen, bedeutet dies im Umkehrschluss, „dass 97 Prozent zur klaren Überzeugung gekommen sind, wir brauchen eine Weiterentwicklung“. Die vom Bezirk Hohenlohe vorgetragenen Argumente gegen eine Zerstückelung habe man in der Kommission abgewogen, sagte Jäger. Die vom Bezirk vorgeschlagene Variante (1-3-9) aus dem Jahr 2016 hat nach Ansicht der Kommission einige Nachteile.

„Es war uns aber wichtig, dass wir auch diese Variante im Abschlussbericht darstellen“, so Jäger. Für den WFV-Vizepräsidenten ist es ein fachlich orientierter Bericht, „losgelöst von individuellen Sichtweisen“. Die Darstellung der verschiedenen Varianten in dem Abschlussbericht ermögliche somit eine „verbandspolitische Meinungsbildung“. Der Bericht der Kommission liegt jetzt beim WFV-Beirat. Die Entscheidung fällt beim Verbandstag am 8. Mai 2021, bis zum Frühjahr sollen die Anträge dazu vorliegen. Sollte der Verbandstag dem Vorschlag der Kommission folgen, wird eine Übergangsphase über mehrere Jahre empfohlen.

Der Auftrag der Kommission


2015 Der WFV-Verbandstag richtet die “Kommission Leitantrag Spielklassenstruktur“ ein. Der Auftrag: Wie können die Spielstrukturen im Württembergischen Fußball weiterentwickelt werden?

Ergebnis: Vor dem Hintergrund der Verbandsstruktur gibt es kein besseres Spielsystem. Die unterschiedlichen Zahlen von Mannschaften in den Bezirken werden nicht vorrangig als Problem gesehen.

2018 Der Verbandstag beschließt auf Antrag des WFV-Beirats: „Zur Überprüfung und ggf. Änderung der Verbandsstruktur wird eine Kommission einberufen.“ Die Zusammensetzung bestimmt der Vorstand.