Themen in diesem Artikel

Bahnhofstraße
Gaildorf / KLAUS MICHAEL OSSWALD  Uhr
Sämtliche Irritationen sind gegenstandslos: Der Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan 2030 enthält die Gaildorfer Umgehungsstraße tatsächlich als komplettes Projekt - mit höchster Priorität.

Die Übernahme einer alten Projektbezeichnung in den Entwurf zum neuen Bundesverkehrswegeplan und auch ein gerüttelt Maß an Misstrauen sorgten dafür, dass am Mittwochabend in Gaildorf noch keine freudige Stimmung aufkommen wollte: Bürgermeister Frank Zimmermann wusste zwar von der Absicht des Landes, das Projekt Umgehungsstraße komplett beim Bund anzumelden. Auf der anderen Seite aber ist ihm auch bewusst, dass seine Amtsvorgänger in dieser Angelegenheit oft enttäuscht worden sind.

Er wolle erst wissen, was in dem Paket wirklich drin stehe, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, bevor er das Ganze kommentiere (wir haben berichtet). Seit gestern nun sind die Beschreibungen aller Projekte online einsehbar. Und danach handelt es sich tatsächlich - obwohl nach wie vor mit "südöstlicher Abschnitt" überschrieben - um den Trassenverlauf von der Bundesstraße 298 zwischen Arwa-Siedlung und Kernstadt im Süden in Richtung Nordosten über die Eschenau bis zur Schloss-Straße und weiter an der nördlichen Altstadt vorbei bis zur Bahnhofstraße (etwa auf Höhe des Jugendhauses "B 44").

Würde die Umgehung nach den bisherigen - vor 2013 diskutierten Trassenplänen - gebaut, hätte die erste Hälfte des Projekts den Verkehr wieder "mitten in Gaildorf 'stranden' lassen," stellte die SPD-Bundestagsabgeordnete Anne Sawade in einer gestern verbreiteten Presseerklärung fest. Bereits im September hatte die Verkehrspolitikerin nach einem Gespräch mit Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann im Verkehrsministerium in Stuttgart nachgehakt und erfahren: Die Ortsumfahrung sei "vollständig angemeldet", es stehe lediglich eine alte Projektbezeichnung im Raum. Und sie tut es im Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan noch immer.

Annette Sawade: Stadt hat berechtigte Perspektive

Ungeachtet dessen werde die Trasse die Altstadt umfahren, erläutert Sawade den Stand der Planung. Die Ortsumfahrung sei komplett berücksichtigt, "und die Stadt hat damit eine berechtigte Perspektive, endlich eine Entlastung zu erhalten." Dafür werde sie sich in Berlin weiter einsetzen. Annette Sawade: "Aus dem Begriff 'Vordringlicher Bedarf' muss eine Zeitperspektive entstehen."

Die Kosten für das Gesamtprojekt mit einer Länge von 2,3 Kilometern sind im Entwurf mit 16,8 Millionen Euro (Stand: 2014) angegeben. Gleichzeitig wird für den Bau der Straße zur Verkehrsentlastung der Innenstadt ein hohes Nutzen-Kosten-Verhältnis ermittelt, weshalb das Vorhaben als "vordringlich" eingestuft wird. Eine Notwendigkeit ergibt sich für die Verkehrsplaner aus der tatsächlich möglichen "Minderung der Umweltrisiken und Umweltbelastungen" in der Kernstadt.

Die durchschnittliche Verkehrsbelastung ist 2010 angestellten Erhebungen zufolge auf der Bundesstraße 298 zwischen Landesstraße 1066 und Bundesstraße 19 abschnittsweise mit täglich mehr als 13 250 Fahrzeugen ermittelt worden. Für eine Entlastung, die sich durch eine Verlagerung der Verkehrsströme auf die Umgehungsstraße erreichen lässt, haben die Planer sogar einen finanziellen Nutzen errechnet: Unter Einbeziehung aller Faktoren wie Verminderung der Abgas- und Geräuschbelastungen, der Zeit- und Betriebskostenersparnis oder auch der "innerörtlichen Trennwirkungen" und der Verkehrssicherheit ergibt sich danach ein "Barwert der Nutzen" von 89,8 Millionen Euro. Dem gegenüber steht der Barwert der "bewertungsrelevanten Investitionskosten" in Höhe von 13,6 Millionen gegenüber, was einem hohen Nutzen-Kosten-Verhältnis von 6,6 entspricht.

In der Natur der Sache liegen die in der Planung genannten Eingriffe in die Natur: 7,1 Hektar Fläche werden für den Straßenbau beansprucht, darunter auch 0,7 Hektar so genannte Naturschutzvorrangflächen. Die Beeinträchtigung je Kriterium werden von "gering" bis "mittel" betrachtet.

Aus städtebaulicher Sicht sind sich Verkehrsplaner einerseits sowie Stadtverwaltung und Gemeinderat andererseits einig: Die Bedeutung des Projekts wird als hoch angesehen.

Noch völlig offen ist allerdings die weitere Zeitschiene - und damit der Baubeginn.