Rems-Murr-Kreis Für einen gesunden Landkreis

Expertenaustausch: Die Teilnehmer der kommunalen Gesundheitskonferenz in den Räumen der IKK classic in Waiblingen.
Expertenaustausch: Die Teilnehmer der kommunalen Gesundheitskonferenz in den Räumen der IKK classic in Waiblingen. © Foto: Landratsamt Rems-Murr-Kreis
Rems-Murr-Kreis / swp 08.08.2018
Die sechste Kommunale Gesundheitskonferenz Rems-Murr-Kreis nimmt die Versorgungsstrukturen unter die Lupe. Insbesondere bei den ambulanten Reha-Angeboten klaffen Lücken.

Wie können Einrichtungen aus dem medizinischen Bereich besser zusammenarbeiten? Sind die Arztpraxen im Kreis barrierefrei? Und wie kann die Schulverpflegung verbessert werden? Diese Themen hat im Juli die kommunale Gesundheitskonferenz Rems-Murr-Kreis unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Richard Sigel behandelt.

Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, stellte das Konzept der sektorenübergreifenden Versorgung vor. Kliniken, Ärzte, soziale Dienste, Reha-Anbieter und andere Einrichtungen der Region werden für eine bessere Versorgung vernetzt. Für sechs Krankheitsbilder gibt es im Rems-Murr-Kreis ausbaufähige Strukturen: Anorexia, Darmkrebs, Demenz, Diabetes, chronischer Rückenschmerz, Schlaganfall. Konkrete Verbesserungen seien bereits bei der Schnittstelle Notaufnahme/Notfallpraxis erzielt worden, so Dr. Nickel. Er bemängelte, dass eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen erkennbar sei, der große Rahmen aber noch fehle. Auch die Frage der Refinanzierung sei nur in Ansätzen geklärt.

Strukturen besser nutzen

Ambulante medizinische Versorgung schwerst- und mehrfachbehinderter Menschen im Landkreis war das Thema der Bachelorarbeit von Helen Pfeuffer beim Gesundheitsamt und in Kooperation mit dem kommunalen Behindertenbeauftragten Roland Noller. Sie stellte ihre Ergebnisse und konkrete Handlungsempfehlungen vor. Sie empfiehlt, die vorhandenen Strukturen besser nutzbar zu machen, beispielsweise durch Wegweiser für Patienten, die Schaffung eines aufsuchenden Beratungsangebotes für Ärzte und Beratungsangebote zur ärztlichen Versorgung für behinderte Menschen. Probleme wie der erhöhte Zeitaufwand bei der Behandlung Behinderter, der nicht abgerechnet werden kann, können allerdings nicht allein auf Landkreisebene gelöst werden. Landrat Sigel regte an, die konkret im Landkreis umsetzbaren Empfehlungen anzugehen.

Die Schulverpflegung war ein weiteres Thema: Vanessa Holste hatte bereits im vergangenen Jahr die Ergebnisse ihrer Untersuchung im Rahmen einer Bachelorarbeit vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass keine Schule im Kreis die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) umsetzt. Laut Holste fehlt es den Schulen an Unterstützung. Die Akteure vor Ort müssten sich besser vernetzen und es müsse kompetente Ansprechpartner auf kommunaler Ebene geben. Vorhandene Kompetenzen im Landkreis sollten genutzt und multipliziert werden.

Sigel regte an, das Kompetenzzentrum Ernährung im Kreislandwirtschaftsamt einzubeziehen und die Ergebnisse zu nutzen, um eine konkrete Verbesserung vor Ort zu erreichen. Anschließend informierte er über die Konsolidierung der Selbsthilfekontaktstelle. Sie ist aktuell noch befristet, der Sozialausschuss beschloss jedoch, eine Entfristung auf den Weg zu bringen, damit die Bürgerinnen und Bürger das Angebot auch in Zukunft nutzen können. Die  Entfristung  wird Teil der Haushaltsberatungen sein, die im Herbst anstehen.

Problem verschärft sich

Ambulante Rehabilitationsangebote fehlen im Landkreis – das hat eine Recherche des Gesundheitsamtes und der Rems-Murr-Kliniken bestätigt. Waltraud Bühl vom Kreisseniorenrat erklärte, dass das Fehlen solcher Reha-Möglichkeiten im Remstal vor allem für ältere Menschen ein großes Problem darstelle, das sich aufgrund des demografischen Wandels noch verschärfen werde. Dr. Nickel betonte, dass der Bereich ambulante Reha aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen schwierig sei. „Selbst große Anbieter haben sich zurückgezogen, weil die solide finanzielle Basis fehlt.“ Landrat Dr. Sigel sicherte zu, das Thema im Auge zu behalten.

Das Netzwerk

Hintergrund Die kommunale Gesundheitskonferenz im Rems-Murr-Kreis ist ein Netzwerk von Institutionen und Personen aus dem Gesundheitssektor, angrenzenden Ressorts und der Kreispolitik. Hauptziel ist der Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger des Rems-Murr-Kreis. Die Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz ist beim Gesundheitsamt angesiedelt. Vorsitzender ist Landrat Dr. Richard Sigel.

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