Konzert Fünf Schwaben auf Wolke Sieben

Der Gitarrist Markus Stricker und Sängerin Biggi Binder in dem Lied : „Hey Alter“.
Der Gitarrist Markus Stricker und Sängerin Biggi Binder in dem Lied : „Hey Alter“. © Foto: Andreas Dehne
Oberrot / Von Andreas Dehne 07.11.2017
Die lokale Gruppe Wendrsonn düst mit „Schwoba-Folk-Rock“ durch die Kultur- und Festhalle Oberrot. Die Mundartband aus Sulzbach/Murr landet bei der SWR1 Hitparade ganz weit vorne.

Letzte Woche sind wir auf Wolke Sieben geschwebt.“ Bandleader Markus Stricker verabschiedet sich nach über zwei Stunden grandiosem „Schwoba-Folk-Rock“, wie er es selbst nennt, vom begeisterten Publikum in Oberrot. Die letzte Zugabe. „Still isch des Tal, wo die Nebelgoister wohnat.“ Das Lied, auf das alle gewartet haben. Die siegreiche Ballade „Da bein i dahoim“ In der beliebten Hörer-Hitparade vom SWR1 sind sie in diesem Jahr auf Platz 39 (!) gelandet. Direkt vor den Dire Straits (Sultans of swing). Knapp geschlagen von Pink Floyd.

Blues und Mittelalterliches

Die Band aus Sulzbach/Murr, die ganz in Anlehnung an Wolle Kriwanek (Hohenlohisch-Limpurgisch-Angehauchtes) Schwäbisch singt, macht das so richtig gut. Mal Rock, mal Folk – sie passen in keine Schublade und bedienen sich in allen Genres der Musik. In einer gelungenen Mischung aus eigenen Songs und der Adaption alter Volkslieder. Aus „Muddrs Stübele“ machen sie ein über acht minütiges Cross-Over-Volkslied mit fantastischem Drum-Solo, das den Trommler Heiko Peter bis an den Rand der großen Bühne in der Festhalle bringt. Mal Blues, mal mittelalterliche Klänge. Häufig irisch angehaucht. Fast immer tierisch treibend und mit viel Tempo.

Stimme wie Janis Joplin

Zwischen einem fantastischen Micha Schad an Gitarren und Banjo und einem virtuosen Teufelsgeiger Klaus Marquard an der Violine röhrt die unglaubliche Biggi Binder, der zu Recht nachgesagt wird, eine Stimme wie Janis Joplin zu haben. Bei „Hey du alter Sack“, peitscht sie das begeisterte Publikum nach vorne. Kurz zuvor besingt sie noch ganz emotional die Vertonung einer „wahren Geschichte“, die sich so in der Ortschaft Grab vor etwa 130 Jahren zugetragen haben soll. Ein kleines, ertrunkenes, italienisches und katholisches Mädchen darf nicht auf dem lokalen evangelischen Friedhof beigesetzt werden. „Ninna, Nanna.“ Eine berührend gefühlvolle Ballade, die in Teilen auf Italienisch gesungen wird, und auch sehr an ein italienisches Wiegenlied erinnert. Dazu spielt Binder auch noch die sehr (über-) irisch klingende Flöte. Was einem dann schon fast die Tränen in die Augen treibt. Die heimliche Hymne der Gruppe dann als letztes Lied vor den Zugaben. „Geile Zeit.“ In der Live-Version ein echter Knaller. „He mer sen no jong, vielleicht au a bissle domm“ skandieren die Musiker ganz ohne Musik. „Zu jedem Scheiss bereit. So a geile Zeit.“ Aber das wird dann überwiegend von den etwa 200 Besuchern gesungen. Ein Abend mit Wendrsonn ist viel mehr als ein normales Konzert. Denn zwischen dem optisch etwas im Hintergrund wirkenden Ove Bosch am Bass und der bezaubernden Biggi Binder im Licht der Scheinwerfer hüpft auch noch der umtriebige Markus Stricker, ein wenig wie Rumpelstilzchen. Aber nicht ums Feuer sondern zwischen seiner Gitarre und seinem kabarettistischen Naturell und besingt die „Einzigartigkeit der schwäbischen Frauen“ nach einem etwa 300 Jahre alten Liedtext. „Mai Waib un mai Mädle, arg schee bisch du ned. Hauptsach du hasch Geld und wärmsch mer mai Bed.“ Im Blick auf seine ihm liebe Heimat stellt er fest: „Es gehört zum schwäbischen Wohlbefinden, dass man immer so tut, als ob man etwas zu tun hätte.“ Natürlich sagt er das nicht so, sondern in der lokalen Mundart. Dreht sich um, nimmt seine Gitarre und fetzt mit seinen „Schwoba-Folk-Rockern“ so richtig ab. Was für eine geile Zeit. Das nächste lokale Konzert ist am Samstag, 11. November, in Vellberg-Großaltdorf.

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