Musik Freundliche „Rampensau“ lädt zum Tanz

Von Richard Färber 15.04.2017
So kurz vor Ostern gibt’s keinen Blues: Die Kulturschmiede präsentiert am Donnerstagabend die Raggle-Taggle-Folkband „Dream Catcher“ aus Luxemburg.

Sie lassen nichts anbrennen. Kaum stehen „Dream Catcher“ am Donnerstagabend auf der Bühne des Gaildorfer Häberlen, gibt’s Bewegung. Ein schneller Beat, eine eingängige Melodiefolge, leicht mitzusingen – und alsdann eine wildgewordene Geige ins Getümmel grätscht, ist kein Halten mehr. So kann man in die Osterfeiertage starten und sich noch etwas Bewegung verschaffen vor der vorgeschriebenen stillen Einkehr am Karfreitag.

„Raggle Taggle Folk“ nennt die sechsköpfige Truppe um den lu­xemburgischen Sänger John Rech ihre Musik – Folk-Pop ginge auch, klingt aber nicht so interessant. Mit „irish folk“ jedenfalls habe „Dream Catcher“ rein gar nichts zu tun, versichert Ingrid Tiebl, die das Konzert organisiert hat – „und find’ mal eine gute Band für Gründonnerstag“. Dass der Sound der grünen Insel außen vor bleibt, stimmt freilich nur bedingt.
„Dream Catcher“ sind offen für alle möglichen Einflüsse und bisweilen geradezu brillant im Zusammenköcheln der verschiedenen Elemente – da hört man also ab und zu durchaus den Shannon plätschern.

Zum Tanzen und Mitsingen

„Blues“ grinst John Rech ins Mikrophon, während die Band ein ganz und gar unbluesiges Intro spielt. Es gibt Gelächter: Rech weiß also genau, wo er mit seiner Band gelandet ist, in einem ausgewiesenen Bluesladen nämlich, in dem an diesem Abend aber ein etwas anderes Publikum tanzt. Einige sind natürlich immer da, die sturen Blueshörer sieht man allerdings eher nicht, dafür einen Burschen im Schottenrock, der aber kategorisch abstreitet, ein Folkfan zu sein.

Die Schubladen geschlossen ergibt sich Wundersames. Die Band will mitreißen, nicht beeindrucken, und das – ist beeindruckend. Einfache Melodien, gerne zum Mitsingen, einfache Rhythmen, gerne zum Tanzen und Mitklatschen, prägen das Konzert. In den Nuancen aber erblühen schöne Klangfarben, gibt es große Momente, und bisweilen blitzt auch ein abgründiger musikalischer Humor auf. Als es in einem Stück um den Sex im Alter geht, werden quasi im Vorbeigehen Motive eingepflegt, die man aus Kriminalfilmen kennt.

Herausragend: der klang- und stilsichere Geiger Wolfgang Wehner, der sich zwar gerne etwas teuflisch gebärdet, es aber auch versteht, jede Nummer zu ver­edeln, ihr einen individuellen Charakter zu verschaffen. Und John Rech, Gitarrist Christof Brill, Tasten- und Akkordeonmann Eric Falchero, Bassist Claude Zeimes und Schlagzeuger Steve Krippler zeigen in solchen Momenten beeindruckend, was eine gute Begleitung ausmacht.

Für familiäre Stimmung sorgt der Sänger und Gitarrist John Rech. Er war als „echte Rampensau“ angekündigt, ist dafür aber, Verzeihung, einfach zu nett und zu freundlich. Rech hat eigentlich zu jedem Stück etwas zu erzählen, reißt Witzchen über das kleine Luxemburg, wo auch Schülerbands Megahits landen können, und schafft es tatsächlich, Gaildorf und Darmstadt in einem Satz unterzubringen. Er findet das komisch, das Gaildorfer Publikum, das solche Namenswitze gewohnt ist, eher innovativ: „Diese Variante“, sagt ein Zuhörer, „kannte ich noch nicht“.

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