Ein Gast tritt an die Scheibe des Kiosks. „Ich möchte die Brötchen abholen und für morgen gleich wieder welche bestellen“, sagt er. Stephanie Zeh versorgt ihn und nimmt den Wunsch für den nächsten Tag auf. Sie und ihre zwei Mitarbeiter betreuen den Campingplatz am Fornsbacher Waldsee. Die Lockerungen begannen am 18. Mai. Zunächst durften Besucher, die mit dem Wohnmobil und eigener Toilette anreisten, wieder aufs Gelände. „Auch die Dauercamper konnten an ihre Wagen, durften aber nicht übernachten. Sie wollten einfach gerne ein paar Sachen richten, manche haben Blumen gepflanzt oder gegossen“, erzählt Zeh. Seit dem 29. Mai ist der Campingplatz wieder für alle, also auch für diejenigen geöffnet, die mit Zelt, Heringen und Schlafsack anrücken.

Wie anderenorts war auch für den Campingplatz ein Hygieneplan aufzustellen und umzusetzen. In den sanitären Anlagen dürfen sich nur zwei Personen aufhalten, Badeschlappen sind angesagt. Ansonsten gilt für den Campingplatz das, was auch sonst zur allgemeinen Regel geworden ist: Abstand halten. Das geht auf den Stellplätzen schon allein mit der Abgrenzung durch die Wohnmobile gut, bei den Zeltplätzen hat das Team ein Auge darauf, wenn aufgebaut wird. An der Anmeldungstheke wird immer nur ein Gast versorgt, der nächste wartet draußen. Dass sich die Reservierungen zum Wochenende hin nun gut entwickelt haben, freut die Chefin. In der ersten Frühlingszeit im März bis 18. Mai seien ihr aufgrund der Schließung ja schon Kunden verloren gegangen, insofern habe sie auch eine Soforthilfe beantragt.

Polizei kontrolliert regelmäßig

In der Zeit von Schließung und allmählicher Lockerung seien Polizei und Ordnungsamt auf dem Platz genauso wie im Freizeitgebiet immer mal wieder präsent gewesen, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren. Zehs Zuständigkeitsbereich endet am Schlagbaum des Campingplatzes. Wie es dann am Fornsbacher Waldsee aussieht, müssten die Ordnungskräfte im Blick behalten. Bisher sind die Umkleidekabinen, Toiletten und Duschen am See geschlossen.

Ein Ehepaar aus Remshalden geht vom Campingplatz in Richtung Seeufer. „Ein paar Kinder und Ältere waren schon baden“, erzählt die Frau. Das Wasser sei nicht allzu kalt, habe um die 20 Grad. Aufpassen müsse man aber jetzt mit den jungen Fröschen, die zwischen Ufer und Wald unterwegs seien. Als Stammgäste kommen sie gern her, erzählen sie, schätzen den Service und die kurze Anfahrt zum Zwischendurch-Urlaub.
Eine Frau kommt aus einem Wohnmobil – startklar für eine Tour mit ihren beiden Hunden. „Ich kenne den Platz schon lange, wir haben früher in Fichtenberg gewohnt“, erzählt sie. Nun in Schwäbisch Hall, nutzt das Ehepaar die Tage immer mal wieder für kurze Urlaube. „Es muss ja gar nicht so weit weg sein“, sagt sie. „Mitte Mai waren wir auf einem Bauernhof bei Heilbronn.“

Waldsee statt Nordsee

Peter Fritsch aus der Nähe von Ludwigsburg ist froh, nach der Zwangspause nun wieder an sein Entspannungsplätzchen zu können. Das hat er sich seit dem vergangenen Jahr als Stammgast, sprich Dauercamper, gesichert. Er kennt den Campingplatz schon seit den 1990er-Jahren, in denen er mit Familie und Wohnmobil zum Waldsee kam. Er findet es schön, dass langsam wieder Leben im Gelände einkehrt. „Die Leute gehören einfach dazu“, sagt er. Gleichzeitig sei es hier draußen mit am einfachsten, die Abstandsregeln einzuhalten.

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Es gibt auch eine Reihe von Gästen, die das erste Mal am Waldsee Urlaub machen und die Region erkunden wollen. Auch Ilka und Dirk Heiderich mit ihren beiden Töchtern Carlotta und Elin haben ihr Zelt auf einem der Plätze nahe am Wald aufgeschlagen. „Wir kommen aus der Offenburger Ecke“, sagt der Vater. Carlotta und Elin spielen eine Runde Wikinger-Schach mit zwei Mädchen, deren Familien einen Platz weiter campen. Eigentlich ist Amrum die Stammadresse der Familie, aber „dort ist noch nicht auf“. Jetzt soll es erst mal auf eine Radtour gehen – die Familie macht sich zu einem Besuch des Wacholderhofs auf den Höhen des Schwäbischen Waldes auf.
Die beiden Spielgefährtinnen gehen eine Terrasse höher. Dort sind die Eltern gerade bei einer Runde Tischtennis. Die zwei Ehepaare kommen aus Freiburg. Zum Freizeitgebiet gefunden haben sie, weil das den Waldsee zu bieten hat und der Italien-Urlaub nicht möglich war.
Mit einer ganzen Reihe an Töpfen und Tupperdosen für ein gemeinsames Essen ziehen ebenfalls zwei befreundete Familien mit ihren Kindern auf ihren Zeltplatz. Vor dreieinhalb beziehungsweise fünf Jahren sind sie von Afghanistan nach Deutschland gekommen. Es ist das erste Mal, dass sie in ihrer neuen Heimat campen. Sie bleiben zwei Tage, danach geht es wieder zurück nach Stuttgart.