Knapp eine Woche ist es nun her, dass in der Gaildorfer Körhalle der große Flohmarkt der Aktion „Gaildorf hilft Afrika“ über die Bühne gegangen ist. Damit ist es nun Zeit, zusammenzurechnen und Bilanz zu ziehen.

Was am vergangenen Samstag in wenigen Stunden geleistet wurde, ist großartig und das Ergebnis überwältigend, meint Christina Schlögl. Sie ist die Initiatorin der Aktion „Gaildorf hilft Afrika“. Allein der Flohmarkt brachte rund 11.000 Euro ein. Am Wurststand wurden 469 Euro eingenommen, die „Frauen aus aller Welt“ steuerten 1240 Euro für das Gesamtergebnis bei. Die Landfrauen verkauften darüber hinaus für 733 Euro Kuchen. In den Spendendosen klapperten am Samstagabend 58 Euro und dann packte Martin Frey nach der Bühnenwette mit dem Song „We are the world“ noch 1000 Euro obendrauf.

Gesang aus 120 Kehlen

Die Bühnenwette hat die Mindest­anforderungen weit übertroffen. Am Ende stimmten nicht 50 oder 100 Menschen in den Gesang ein, sondern rund 120, weiß Christina Schlögl zu berichten. Begleitet von Bernd Scheiderer am E-Piano bot sich in der Körhalle ein beeindruckendes Bild. Die Initiatorin von „Gaildorf hilft Afrika“ weiß, dass der Erfolg auch mit auf das Konto des Liederkranzes geht. In ihrer Bilanz listet Christina Schlögl eine Vielzahl an Namen von Menschen, Vereinen und Institutionen auf, die den Flohmarkt-Samstag zu einem großen Erfolg werden ließen. „Alle haben sich ehrenamtlich eingebracht“, sagt sie. Das schließe die vielen Helfer für den Auf- und Abbau ebenso ein wie das Sicherheitsteam von Denis Brandt. Christina Schlögl betont, „dass wirklich alles gespendet wurde und uns mit Ausnahme der Abgabe für die Gema keine Kosten entstanden sind“.

Viele Leute hätten sich zum Beispiel gefragt, wer am Ende für die Entsorgung der übrig gebliebenen Flohmarktartikel aufkommen würde. Was bedauerlicherweise in dem großen Container landete, wurde auf Kosten der Firma Scholz entsorgt. Die restlichen Bücher nahmen die Pfadfinder mit und führten sie ihrer Altpapiersammlung zu. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktionierte am Samstag so gut, dass die Körhalle um 18 Uhr besenrein war. Das hat dann sogar den Hausmeister erstaunt.

Es war nicht der erste Flohmarkt von „Gaildorf hilft Afrika“. Wie jedes Mal birgt die Mammutveranstaltung auch einige Kuriositäten. Vor zwei Jahren, erinnert sich Christina Schlögl, „war eine Frau hier, die unwissentlich von ihrem Bruder ein Buch gekauft hat“. Nach der Schnäppchenjagd fand sich am Ende in der Familie eine Vase der Schwester wieder. Mithilfe des Flohmarktes haben die Artikel innerhalb der Familie gewechselt. Dann gab es aktuell noch ein Durcheinander mit Umzugskartons. Die Lieblingssachen der Tochter einer Frau standen zum Abtransport bereit. Der Chef der Frau hatte ebenfalls Umzugskartons gestapelt, die aber für den Flohmarkt von „Gaildorf hilft Afrika“ bestimmt waren. Am Ende landeten alle Boxen in der Körhalle und die junge Frau bekam zumindest einen Teil ihrer Sachen wieder zurück, bevor diese über den Verkaufstisch wanderten.

Die Gaildorfer haben ihre Geschichten und die Menschen in Serabu mit dem Erlös aus der Aktion einen weiteren Baustein, ihr Krankenhaus auf Vordermann zu bringen. „Gaildorf hilft Afrika“ hat dort bereits die Anschaffung eines Röntgengerätes unterstützt. Für die Behandlung komplizierter Knochenbrüche wurden später auch Fixatoren angeschafft. Doch die Bedarfsliste ist noch lang. Was an weiterer medizinischer Ausrüstung benötigt wird, weiß Dr. Ulrich Bauer.

Geld wird gut investiert

Der frühere Chefarzt am ehemaligen Gaildorfer Kreiskrankenhaus arbeitet ehrenamtlich für die „German Doctors“. Die Hilfsorganisation engagiert sich unter anderem in dem kleinen westafrikanischen Land. Dass in Sierra Leone Hilfe dringend notwendig ist, zeigt die Statistik. Die Kindersterblichkeit ist im weltweiten Vergleich extrem hoch. Im Jahr 2013 starben in der ehemaligen britischen Kronkolonie 92 von 1000 Kindern bei der Geburt, 156 erlebten das fünfte Lebensjahr nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Erwachsenen liegt bei knapp über 50 Jahren. Im Jahr 2010 gab es je 10.000 Einwohner nur vier Krankenhausbetten.