Auf finanzpolitische Laien mag der gebundene Dreipfünder abschreckend wirken. Wer sich jedoch interessiert, schmökert in dem 562 Seiten dicken Buch fast wie in einem spannenden Roman, zumal darin die nahe Zukunft der Stadt skizziert wird: Die Rede ist vom Haushaltsplan 2020, den die Gaildorfer Stadtverwaltung kurz vor Weihnachten dem Gemeinderat zur Lektüre überreichen konnte.

Abschreckend wird der Wälzer vor allem durch seine finanzbürokratischen Fachbegriffe. Daran indes sollte sich nicht stören, wer wissen will, was es kostet, das 12.300 Einwohner zählende Städtle am Leben zu erhalten. Und das müssten alle Gaildorfer sein, denn es geht auch um ihr Geld, das zur Verbesserung der Lebensqualität in ihrer Heimatstadt verwendet werden soll.

Der Gemeinderat entscheidet über die Investitionen

Soll deswegen, weil das Ganze noch als Entwurf gewertet werden muss. Denn erst nach der Verabschiedung durch den Gemeinderat Ende des Monats – die mit den Stellungnahmen der Fraktionen einhergeht – hat der Plan verbindlichen Charakter und wird zur Richtschnur der hiesigen Kommunalpolitik.

Mit rekordverdächtigem Volumen: Mehr als 16 Millionen Euro sollen investiert werden, hauptsächlich in Erhalt, Pflege und Aufwertung der Infrastruktur. Mehr als die Hälfte davon, nämlich rund 8,6 Millionen Euro, betrifft die Erfüllung von Pflichtaufgaben wie die Generalsanierung von Schloss-Realschule und Schenk-­von-Limpurg-Gymnasium, den Umbau mit Erweiterung der zentralen Feuerwache oder die Erweiterung des Ottendorfer Kindergartens.

Weitere Sanierungsmaßnahmen in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro konzentrieren sich auf das Alte Schloss und die Stadtbücherei, das Sanierungsgebiet Ottendorf oder den Abbruch weiterer Gebäude in der Innenstadt. Hinzu kommen freiwillige Aufgaben wie die Sanierung des stadteigenen Kinogebäudes, der Bau eines Kunstrasenspielfelds oder die Beckensanierung im Mineralfreibad. Geplantes Investitionsvolumen: 1,8 Millionen Euro.

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Und nicht genug: Für Pflichtaufgaben wie Betriebs- und Geschäftsausstattung sind knapp 200.000 Euro veranschlagt, für die Beschaffung von Fahrzeugen für Feuerwehr und Baubetriebshof 420.000 Euro. In den Straßenbau mit Beleuchtung und Breitbandversorgung fließen etwas mehr als 1,5 Millionen Euro, und für den Posten Gebäude und Grundstücke sind knapp 765.000 Euro eingestellt, für Maßnahmen auf den Friedhöfen 450.000 Euro.

Das sind die wichtigsten Posten, die sich mit sonstigen Ausgaben auf knapp 16,5 Millionen Euro summieren. Diesem Finanzierungsbedarf stehen jedoch nur Einnahmen in Höhe von knapp 8,9 Millionen Euro gegenüber. Das heißt: Der große Rest muss – erstmals wieder seit dem Jahr 2013 – über Darlehen finanziert werden. Die Verschuldung der Stadt würde dann zum Ende des Jahres die 10-Millionen-Euro-­Grenze überschritten haben.

Dass es zu diesem ambitionierten Programm keine Alternative gibt, machte Bürgermeister Frank Zimmermann in seiner Haushaltsrede deutlich. Es sei „schlicht unumgänglich“, die in weiten Teilen marode gewordene Infrastruktur zu sanieren. Er nannte die Sanierung von Schulzentrum und Freibad. Und würde man die genannten Investitionen – die finanziell gefördert werden – unterlassen, „würden wir langfristig deutlich mehr Eigenmittel aufwenden müssen, um zu einem qualitativ vergleichbaren Ergebnis zu kommen“.

„In möglichst allen Belangen“

Ein Ergebnis, das über den Substanzerhalt hinaus geht: Denn, so Zimmermann, „wir wollen die Stadt Gaildorf, und das betrifft die Kernstadt wie unsere Stadtteile, städtebaulich und konzeptionell weiterentwickeln“. Dies, um Gaildorf „als Wirtschaftsstandort auch als Ort des Wohnens, des Arbeitens und des Wohlfühlens in möglichst allen Belangen positiv weiter zu stärken“.

Zimmermann nannte besonders das Schulzentrum als einen der „wichtigsten Standortfaktoren zur Ansiedlung von Familien“ in Stadt und Limpurger Land – und somit auch für den weiteren Ausbau des Wirtschaftsstandorts „mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in unserer Raumschaft“.