Zu Beginn der Sitzung, zu der der Gschwender Gemeinderat zusammengetreten war, berichtete Jasmin Jeske, die Ende des Monats Kämmerer Walter Werner ablöst, dass die Genehmigung des Haushalts für 2020 inzwischen vorliegt. „Derzeit beträgt der Schuldenstand 241 Euro je Einwohner“. Mit der Kreditermächtigung aus dem Jahr 2019 und der geplanten Kreditaufnahme bis 2023 würde sich der Schuldenstand auf 2146 Euro je Einwohner erhöhen. So der Kommentar des Landratsamt Ostalbkreis.

Vorerst noch geduldet

Diesen Anstieg der Verschuldung will die Genehmigungsbehörde jedoch wegen der notwendigen Investitionen für Breitbandausbau und Ortskernsanierung nur vorübergehend dulden. Nach Ende der umfangreichen Maßnahmen müsse die Pro-Kopf-Verschuldung wieder auf unter 1000 Euro pro Einwohner heruntergefahren werden.
Der Haushalt wird jetzt noch für ein paar Tage im Rathaus zur Einsichtnahme ausliegen. „Wir können nun endlich in die Bewirtschaftung eintreten“, formulierte Bürgermeister Hald die mit der Genehmigung verbundene Aufbruchstimmung.
Neben fünf Bauvorhaben, die einstimmig befürwortet wurden, ließ der beantragte Neubau eines über 40 Meter hohen Schleuderbetonmastes mit zwei Plattformen und Outdoortechnik nördlich der Schlechtbacher Sägmühle zahlreiche Fragen aus dem Kreis des Gemeinderats offen. Christoph Hald bemängelte, dass von der Deutschen Funkturm GmbH entgegen einer Vereinbarung kein Vertreter der Firma bei der Sitzung anwesend war, um anstehende Fragen zu beantworten.

Jetzt zwei Meter höher

Vieles sei noch ungeklärt, merkte Gemeinderat Joachim Hauenstein an. Robin Kelldorfner kritisierte, dass bisher eine Höhe von 38 Metern genannt worden war, im Antrag seien es jetzt zwei Meter mehr. Isolde Schuster wünschte zusätzliche Informationen über einen eventuell notwendigen Sicherheitsabstand solcher Anlagen zu bewohnten Ansiedlungen. Laut einer Untersuchung müsse wegen der Abstrahlungen von Funkmasten ein Sicherheitsabstand von mindestens 500 Metern eingehalten werden. Wegen der vielen Fragestellungen vertagte das Gremium eine Entscheidung.

Die Detailplanung folgt

Für den geplanten Breitbandausbau wartet die Gemeindeverwaltung immer noch auf den beantragten Förderbescheid vom Bund. Ohne einen solchen kann es nicht weitergehen. Erst auf der Grundlage des Bescheids kann eine notwendige Ko-Finanzierung beim Land beantragt werden. Thilo Kübler, Geschäftsführer der Breitbandberatung Baden-Württemberg, stellte dem Gremium die aktuelle Strukturplanung vor, in deren Folge zu einem späteren Zeitpunkt auch noch eine Detailplanung entwickelt werden soll.
Vor allem hinsichtlich der Zuverlässigkeit des entworfenen Zeitplans zeigten sich alle Akteure vorsichtig. So ist beabsichtigt, noch im September in einem dreistufigen Verfahren die Ausschreibung zur Suche nach einem geeigneten Generalunternehmer zu starten. Im Februar 2021 könnte dann, wenn alles reibungslos läuft, nach einem vorausgehenden Verhandlungsverfahren der endgültige Zuschlag an einen Generalunternehmer erfolgen. Die eigentliche Projekt-Planungsphase ist bereits für April 2021 angesetzt, der Baubeginn könnte im Juli 2021 liegen, wobei nach und nach bereits die Hausanschlüsse ans Glasfasernetz erfolgen könnten. Der Abschluss der gesamten Maßnahme prognostizierte Thilo Kübler für Juli 2022.
Die geschätzten Gesamtkosten ohne die privaten Hausanschlüsse bezifferte er mit 22,6 Millionen Euro, wobei allein die Tiefbauarbeiten im öffentlichen Bereich mit 87,1 Kilometern zu Buche schlagen. Kübler schätzt, dass etwa 136 Kilometer an Leitungen im öffentlichen Bereich verlegt werden müssen, im privaten Bereich kämen weitere 460 Kilometer hinzu.

Hoffnungen gedämpft

Die geplanten Anschlussregionen umfassen jedoch nicht die gesamte Gemeindefläche. So gilt zum Beispiel der Ortskern von Gschwend als „schwarzer Bereich“, der von der Bezuschussung ausgenommen ist. Lediglich die schlecht versorgten Randbereiche fallen gegenwärtig unter die Förderrichtlinien. „Nur weiße Flecken werden ausgebaut“, warnte Gemeinderat Andreas Joos deshalb vor überzogenen Hoffnungen.

Info


Bürgermeister Hald beabsichtigt, im Dezember in der Mehrzweckhalle drei Informationsabende für die Bevölkerung anzubieten. Außerdem empfahl er, sich bei Detailfragen vorab beim IT-Systembeauftragten Mark Hinderer im Rathaus zu informieren (Telefon 0 79 72 / 6 81-13).