Murrhardt Instrumente aus Alltagsutensilien

„Knedl & Kraut“ tritt als einzige Stubenmusik weltweit in einer mobilen Wirtshaus-Stube auf.
„Knedl & Kraut“ tritt als einzige Stubenmusik weltweit in einer mobilen Wirtshaus-Stube auf. © Foto: Jörg Fiedler
Murrhardt / Elisabeth Klaper 30.07.2018
Der Murrhardter Sommerpalast ist mit einem eindrucksvollen Finale geendet.

Auf eine Reise in die gute alte Zeit, als Bayern noch bayerisch war, nehmen „Knedl & Kraut“, drei schneidige Burschen, kreativ-fidele Multi-Instrumentalisten, stimmgewaltige Sänger und G’stanzl-Dichter die große Besucherschar am letzten Abend des Kleinkunstfestivals Sommerpalast in Murrhardt mit.

Bei seiner Premiere in der Walterichstadt sorgt das Trio vom Start weg für Riesengaudi. Dessen zünftiges Bayerisch verstehen Einheimische und Rei’gschmeckte auch dank einiger Übersetzungshilfen bestens. So versetzen die Bewahrer bayerischer Kultur und Tradition das Publikum sogleich in die urgemütliche Atmosphäre eines bayerischen Wirtshauses.

Toni Bartl ist Weltmeister auf der diatonischen Harmonika. Dazu fungiert er als Regisseur und Moderator des kurzweiligen musikalisch-kabarettistischen Programms. Auch nutzt Toni diverse Alltagsutensilien als Musikinstrumente. So entlockt er einer Fahrradpumpe den Schneewalzer und lässt eine biegsame Säge, die er mit dem Geigenbogen streicht, „Lara’s Theme“ aus „Doktor Schiwago“ singen.

Lehrer Juri, eigentlich Jürgen Lex aus Pullach, beherrscht Blas- und Saiteninstrumente aller Art. Mit seiner Version vom „armen Dorfschulmeisterlein“ und Bachs „Badinerie“, gespielt auf einem Spazierstock, in den er Löcher gebohrt und so zur Querflöte umgestaltet hat, gewinnt er sofort die Herzen der Besucher. Zudem erweist sich Juri als Geigenvirtuose. Auch vermag er allein mit seinen dicht zusammengefalteten Händen Okarina zu spielen, wobei minimale Fingerbewegungen das Schall-Loch und so die Tonhöhe verändern.

Eigentlicher Star des Trios ist aber der sprachgewandte Daniel Neuner aus Garmisch, „a strammes Bilderbuch-Mannsbild“ mit Bart. Er funktioniert einen Kehrwisch zum Schlegel und einen Rechen zum Perkussionsinstrument um und beherrscht das traditionelle Löffelschlagen in Hyper-Hochgeschwindigkeit. Als großer Mittelalter-Fan beherrscht er den Minnesang mit bezaubernder hoher Altus-Stimme, mit der er aber auch virtuos jodelt. Seine „große Liebe“ ist sein „herzallerliebster Schnupftabak“.

Denn mit der anderen Spielart der Liebe hatte er leider Pech: Nur kurz war er verheiratet, weil seine vermeintliche Herzensdame so „zwider“ war. Nichtsdestotrotz ist er nun wieder auf            Freiersfüßen, schaut sich suchend im Zelt um und wird fündig bei der attraktiven Silvia. Sie darf ihm beim Spiel auf seiner selbstgebastelten Flaschen-Flöte mit Gummihandschuh für die Regulierung der Tonhöhe durch Händchenhalten assistieren. Zu Daniels großem Bedauern ist die Schöne aber schon vergeben . . .

Am meisten Jubel und Applaus heimst Daniel für seine drolligen lautmalerischen pseudo-fremdsprachlichen Wortspiele ein – als Texte zu dem auf der ganzen Welt bekannten Lied „Hans bleib do“. In Amerika wird daraus Joe Johnny goes to McDonalds, in Russland klingt’s mit tiefem Bass verdächtig nach Wodka, in Italien nach „O Sole Mio“ mit a bisserl Bunga-Bunga, und in der Türkei ertönt vom Minarett ein Gesang in einer Mischung aus Türkisch und Arabisch mit etwas, das sich wie Döner Kebap anhört.

Große Heiterkeit löst der Song „Beim Stanglwirt“ zur Melodie „The Lion Sleeps Tonight“ aus, inspiriert von einem Auftritt in Kitzbühel. Da ziehen „Knedl & Kraut“ allerlei Promis kräftig durch den Kakao, wie den Loddar, den Kaiser oder s’Borisle, der bei den Besen in der Besenkammer einquartiert wird, und natürlich dürfen auch die Geissens nicht fehlen. Ebenso viel Vergnügen macht der Lambada mit unwiderstehlichem Hüftschwung-Rhythmus, der inzwischen auch schon 29 Jahre auf dem Buckel hat und in der bayerischen Variante „Komm, i zeig dir was im Heu“ heißt.

Für die vielen musikalisch gewürzten Gags und Späße heimsen Toni, Daniel und Juri so viele Bravo-Rufe und stürmischen Jubel-Beifall ein, dass sie noch mehrere Zugaben draufsetzen müssen.

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