Fichtenberg / Richard Färber Die DB Netz kommt den Wünschen der Gemeinden Fichtenberg und Murrhardt entgegen. Die Anlage soll bis 2023 erneuert werden. Eine neue Umfahrung über den Schanztunnel ist nicht machbar.

Die DB Netz hat den Plan, den Bahnübergang Plapphof bei Fichtenberg zu schließen, ad acta gelegt. Das wurde am Dienstag bei der Teilortsversammlung für die Fichtenberger Teilorte Plapphof, Rupphof, Retzenhof, Hornberg und Langert im Rathaus bekannt gegeben. Projektleiter Michael Hummel von der DB Netz war eigens angereist, um die neuen Pläne vorzustellen.

Der Bahnübergang soll danach auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Signal- und Sicherheitstechnik werden erneuert, ebenso die Straße beidseits des Bahnübergangs, deren Kurvenradien weiter gefasst werden sollen. Die Vorzugsvariante sieht südlich des Bahnübergangs eine Anbindung zur L 1066 am Gasthaus zum Plapphof vorbei vor, wie sie bereits besteht. Eine zweite, deutlich umständlichere Variante würde südlich des Bahnübergangs abbiegen und über den Rupphof führen.

Eine ersatzlose Schließung kommt nach dem Willen des Fichtenberger Gemeinderates nicht in Frage.

Umsetzung bis 2023

Hummel und auch die Fichtenberger Verwaltung gehen davon aus, dass die Vorzugsvariante im vereinfachten Verfahren, also ohne Planfeststellung realisiert werden kann, sofern die nötigen Grundstücke erworben werden können. Bis Ende des Jahres sollen die fertigen Pläne dem Eisenbahnbundesamt zur Genehmigung vorgelegt werden, erklärte Hummel. Das Genehmigungsverfahren werde etwa eineinhalb Jahre dauern, danach könne man die Arbeiten ausschreiben. Er rechne damit, dass die Maßnahme 2023 abgeschlossen sein wird.

Insgesamt wird mit Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro gerechnet. Die Mehrkosten für die Erneuerung der Signaltechnik sind nicht „kreuzungsbedingt“, werden also komplett von der Bahn übernommen. Die Gemeinde ist zu einem Drittel an den restlichen Kosten beteiligt, die unter anderem durch den Erwerb von Grundstücken und den Straßenbau beidseitig des Bahnübergangs entstehen. Die Verwaltung rechnet mit einem fünfzigprozentigen Zuschuss, sodass der Haushalt letztendlich mit etwa 250.000 Euro belastet wird.

Die Fichtenberger Kämmerei legt die Eckdaten für das laufende Haushaltsjahr vor. Die Sanierung der Schule soll beginnen.

Er sei froh und zufrieden, dass man den Fichtenbergern nun diese Lösung anbieten könne, sagte Hummel, und auch der Fichtenberger Bürgermeister Roland Miola zeigte sich zufrieden: „Damit können wir leben.“ Er gehe davon aus, dass auch die Grundstücksbesitzer keine Einwände haben.

Der letzte schienengleiche Bahnübergang auf Fichtenberger Gemarkung war vor etwa zwei Jahren auf die Bau-Agenda der Bahn gerückt. Damals gab die DB Netz bekannt, dass das Fichtenberger Stellwerk erneuert werden solle. Weichen und Signale werden mit dem „elektronischen Stellwerk“ künftig online angesteuert, außerdem werden Personalkosten eingespart.

Tunnel-Neubau weit entfernt

Die DB Netz hatte zunächst vorgeschlagen, den Bahnübergang bei dieser Gelegenheit ersatzlos zu schließen. Diese kostengünstigste Lösung hätte freilich den Retzenhof vom Rest der Gemeinde abgeschnitten; die Bewohner, Versorgungs- und Rettungsfahrzeuge, aber auch ortsansässige Landwirte, hätten den langen Umweg über Fornsbach nehmen müssen. Weil das einzige Sträßchen hätte ausgebaut werden müssen, wäre auch die Stadt Murrhardt an den Kosten beteiligt worden. Auch dort hielt sich die Begeisterung in Grenzen.

Weil eine Unter- oder Überführung schon aus Kostengründen nicht infrage kam, sprach sich der Fichtenberger Gemeinderat für den Bau einer neuen Umfahrung aus, die über den Eingang zum Schanztunnel führen sollte. Diese Tunnelüberführung sei aber sowohl technisch als auch kaufmännisch keine Lösung, erklärte Hummel am Mittwoch: Zu viele Privatgrundstücke seien betroffen, hinzu komme der unsichere geologische Untergrund – ganz zu schweigen von den Plänen der Bahn, den Tunnel mittelfristig zu schließen und daneben einen neuen zu graben. Allerdings dürfte bis dahin noch mindestens ein Jahrzehnt vergehen.

Die DB Netz werde noch im Juni zu einer Informationsveranstaltung einladen, kündigte Hummel an. Insbesondere die Auswirkungen des Vorhabens auf den Straßenverlauf und die betroffenen Privatgrundstücke sollen dann thematisiert werden.

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