Open Gym“ bedeutet freies Training zur Steigerung von Kraft, Ausdauer und Koordination. Das muss sein, ehe es ans Spielen geht. Sportbegeisterte Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren fegen durch die Gemeindehalle. Anweisungen erhalten sie teilweise in englischer Sprache und somit auch gleich ein bisschen Fremdsprachenunterricht. Basketball, eine der schnellsten Ballsportarten überhaupt und meistens mit Dirk Nowitzki, den Dallas Mavericks und der nordamerikanischen Profiliga NBA in Verbindung gebracht, ist in Fichtenberg angekommen. Seit Herbst spielt die Mädchenmannschaft SKF Wolves in der Verbandsrunde mit. Erfolge lassen noch auf sich warten, aber bekanntlich ist aller Anfang schwer.

Trainer kommt aus Ohio

Zu verdanken ist dieser neue Trend Ron Moore. Seit etwa drei Jahren lebt er mit seiner Familie in Fichtenberg. Die Sportkameradschaft steht voll hinter seinem Engagement und hat alle Voraussetzungen fürs Training und den Spielbetrieb geschaffen.

Ludwigsburg

Von Ohio über Fulda, Colorado, Bad Aibling und Böblingen kam Ron Moore ins Limpurger Land. Irgendwo im Umkreis von Stuttgart wollte er sich mit seiner Familie fest niederlassen. Eine idyllische Landschaft mit Wald, Hügeln und viel Wasser für Wassersport sollte es sein. Er suchte die Landkarte ab und wurde fündig. Aalen und Schwäbisch Gmünd waren in der engeren Auswahl, doch letztlich fiel die Entscheidung auf Fichtenberg. Ihr Haus im Neubaugebiet Wald­eck ist zu erkennen am Basketballkorb, der an der Straße steht. Ums Haus herum genügend Platz zu haben, um Basketball, Baseball oder American Football spielen zu können, war ein Kriterium für die Wahl des Grundstücks.

Inzwischen ist die sportliche Familie hier heimisch geworden. Die Tochter spielt ebenfalls Basketball, die drei Jungs hauptsächlich Fußball, und alle sind glücklich. Die Umgebung sei schön und die Leute alle sehr nett, freut sich Moore. Vom Sportverein, bei den Anglern oder auch im Gesangverein seien sie herzlich aufgenommen worden. Den Weg zu seinem Arbeitsplatz an der Internationalen Schule in Stuttgart legt er mit der Bahn zurück.

Ron Moores Vater war Basketballspieler. Da lag es nahe, dass auch der Sohn für diese Sportart Interesse zeigt. Jetzt teilt er die Leidenschaft für Ballsportarten mit seinen Kindern. An vielen Orten und in mehreren Sparten war er Trainer, in jüngerer Zeit beispielsweise bei den Fußballmädchen der Spielvereinigung Unterrot. Weil Tochter Ruby dann doch lieber Basketball als Fußball spielen wollte, chauffierte er sie zunächst nach Schwäbisch Hall. Auch in Gaildorf gibt es ein offenes Angebot für Basketball.

Crailsheim

Als ihnen die Fahrerei zu viel wurde, beschlossen Vater und Tochter, ihr eigenes Ding zu machen und Basketball an ihrem Wohnort aufzuziehen. „Der Verein ist super“, schwärmt Ron Moore, zumal er von der Sportkameradschaft Fichtenberg in allen Belangen Unterstützung erfährt.

Alle können Körbe werfen

Was den „Wölfinnen“ jetzt noch fehlt und ihrer Weiterentwicklung förderlich wäre, ist ein Sponsor. Hier sieht der Trainer die Nachteile zu den USA. Dort sei der Sport im Schulsystem integriert, sagt er, hier müssten Vereine und Ehrenamtliche alles selbst in die Hand nehmen. Die Faszination an dieser Sportart sieht er darin, dass alle Spielerinnen oder Spieler auf dem Feld gleichzeitig in Bewegung sind und die Möglichkeit haben, zu Korbwürfen zu kommen. Basketball werde von Herz, Gefühl und Kunst bestimmt – und jeder Mensch brauche etwas für seine Seele.

Mit 16 zum ersten Mal in Deutschland


Ron Moore, Jahrgang 1969, ist im US-Bundesstaat Ohio aufgewachsen. Mit 16 Jahren kam er das erste Mal nach Deutschland, weil seine Mutter für zwei Jahre bei der Army in Fulda stationiert war. Dann ging es wieder zurück in die Vereinigten Staaten. Moore studierte in North Carolina, anschließend lebte er eine Weile in Colorado. Er hielt sich mit diversen Jobs über Wasser, war Mitglied im Christlichen Verein junger Männer (YMCA) und brachte Kindern verschiedene Sportarten bei, ehe er sich zu einem Lehrerstudium entschloss. Weil es ihm in Deutschland so gut gefallen hatte, kam Moore zurück und absolvierte ein Praktikum in Bad Aibling im Landkreis Rosenheim. Von dort wechselte er an die Schule in Garmisch-Partenkirchen, ehe Moore eine Lehrerstelle an der Internationalen Schule Stuttgart bekam. hof