Wie eine „Jam“ aussieht, kann man auf Youtube bestaunen: Vor einer nackten Wand hüpfen bequem gekleidete Leute mit Farbsprühdosen herum, sprayen Linien, Zeichen und Flächen auf  Beton und im Handumdrehen ganze Gemälde ans Gemäuer.  Mittlerweile ist das Sprühen nämlich eine anerkannte Kunstform, für die auch Freiräume geschaffen und öffentliche Flächen zur Verfügung gestellt werden. Die „ACAB“-Schmierfinken, die nächtlings ihre „Tags“ verbreiten,  kriegt man so natürlich nicht los, aber vielleicht schämen sie sich ja wenigstens ein bisschen, wenn sie sehen, was sie nicht können.

„Die kommen und legen los“

Eine solche Jam soll’s nun auch in Fichtenberg geben. Der Eutendorfer Graffiti-Künstler Sascha Kurz, der nun in Stuttgart lebt, hat sich deshalb mit der Fichtenberger Verwaltung in Verbindung gesetzt. Kurz, der bereits als 17-Jähriger im Bildungshaus Hägenau Designstudien, fotorealistische Spraybilder und eine Live-Präsentation gezeigt hat, beruft sich auf ein Gespräch mit Bürgermeister Roland Miola, in dem es um die Unterführung am Fichtenberger  Bahnhof ging.
Er habe nun in Stuttgart verschiedene Sprüher kennengelernt, schreibt Kurz, und könne sich vorstellen, die gesamte Unterführung an einem Tag oder über ein Wochenende „zu malen“. Zehn bis 15 Leute aus dem Raum Stuttgart und Schwäbisch Hall und dem näheren Umkreis könne er mitbringen. Für „800 bis 1000 Euro und evtl. ein oder zwei Hebebühnen bekommt man eine super bemalte Unterführung, ohne leere Stellen.“ Mehr braucht es nicht, meint Miola:  „Die kommen und legen los!“
Die Bilder könne man dann stehen lassen, meint Kurz. Man könne die Wände aber auch generell für Graffiti freigeben und komme dann in den Genuss einer sich stetig wandelnden Galerie. Als Beispiel nennt er die „Hall of Fame“ am Schulzentrum West in Schwäbisch Hall, wo so verfahren wird. In der Regel, schreibt Kurz, funktioniere ein solches offenes Konzept auch gut; durch die Freigabe der Flächen würden zudem illegale Graffiti eingeschränkt.

Ästhetische Vorgabe

Der Vorschlag wurde am vergangenen Freitag dem Fichtenberger Gemeinderat zur Diskussion vorgelegt. Gravierende Einwände gab’s nicht, nur eine ästhetische Vorgabe kristallisierte sich schließlich heraus: Weil Unterführungen naturgemäß etwas duster wirken, wär’s den Räten recht, wenn Kurz und seine Sprayer-Truppe helle und freundliche Farben verwenden würden. Ansonsten wurde der Vorschlag bei einer Enthaltung einstimmig angenommen.