Ohne Autokran läuft an diesem Freitagmorgen nichts im Gaildorfer Schlosspark. Und ohne die starken Männer des Baubetriebshofs, allesamt handwerklich erfahren, schon gar nichts. Tobias Freude, der in diesem Jahr dem Stadtmaler-Stipendium im wahrsten Wortsinn Gewicht verleiht, weiß das zu schätzen. Er steckt mitten in den Vorbereitungen für seine große Ausstellung, die am 24. November im und ums Rathaus für Aufsehen sorgen wird.

„Ride On“ kriegt Zuwachs

Vier Objekte – er nennt sie Additionen – werden nacheinander angeliefert und auf der großen Parkwiese unweit seines Gaildorfer „Erstlingswerks“ installiert, die Marmor-Buchstaben, die den Schriftzug „Ride On“ ergeben. Freude hatte diese in den vergangenen Wochen aus einzelnen Steinen zusammengefügt. Zwei der eiförmigen Gebilde, die Kokons ähneln, sind aus Untersberger Marmor gemeißelt, dem bevorzugten Material des Künstlers aus dem Friedberger Ortsteil Derching. Die dreieinhalb und fünf Tonnen schweren Skulpturen ruhen nun auf einem Sandbett.

Die beiden anderen Werke – das eine etwa zwei, das andere vier Tonnen schwer – unterscheiden sich von den marmornen Monstren grundlegend. Der Stadtmaler hatte die Steine sozusagen „zweitverwendet“: Es handelt sich um vermutlich vor mehr als 200 Jahren akkurat behauene Sandsteinquader, Reste der vier vor wenigen Monaten in der Grabenstraße abgebrochenen Gebäude. Bauschutt, der nun nach langer Zeit einen neuen Zweck erfüllen wird – durch Bildhauerhand „transformiert“, wie Freude die Arbeit an diesen Objekten auf den Punkt bringt.

Die Sandstein-Kokons werden fest auf eigens dafür gegossenen Beton-Fundamenten montiert, mit Bewehrungsstahl und Schnellmörtel verankert – so wie auch die einzelnen Steinbrocken zusammengefügt sind. Dutzende von Schülern verfolgen in der Pause die Arbeiten, nehmen die ersten Installationen unter die Lupe. Der Stadtmaler registriert das Interesse mit Genugtuung.

Die „zentrale Arbeit“ ist Kern der Ausstellung ab Ende Novmber

Das Skulpturen-Ensemble wird nun – als Leihgabe – Höhepunkt Freudeschen Schaffens in der Stadt sein. Mit den steinernen Schriften im Gepäck sei er nach Gaildorf gekommen. Und mit dem Ansinnen, etwas in dieser Dimension zu schaffen. Die „zentrale Arbeit“ soll nun auch in seinem Katalog ihren Niederschlag finden und den Kern der Ausstellung Ende November bilden, in deren Rahmen im Rathaus Bilder von den Buchstaben und den Additionen zu sehen sein werden.

Das „Brandschutzobjekt“

Und ein Werk, das Tobias Freude „Brandschutzobjekt“ nennt. Es handelt sich um eine Sandstein-Paneele, die nicht nur betrachtet werden kann, sondern auch noch einen praktischen Zweck erfüllt (Bericht dazu folgt).

Info Die Ausstellung wird am 24. November um 11 Uhr im Rathaus eröffnet. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Gaildorfer Band „Klang quert“.

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